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Verdächtiger: Ich brauchte Geld für meine Krebsbehandlung

Entführt, um als Sexsklavin verkauft zu werden: Model Chloe Ayling hat in Mailand offenbar Schreckliches erlebt. Mehrere Menschen sollen beteiligt gewesen sein. Aktuell sitzt nur ein Mann in Haft. Der sagt, er sei in das Verbrechen hineingezogen worden.

Chloe Ayling Model Instagram

Model Chloe Ayling wurde offenbar in Mailand entführt, um später im Darknet für Sex verkauft zu werden

Gefangen, betäubt, entführt. Eingeschlossen, gefesselt an Händen und Füßen, um im Darknet an den Meistbietenden verkauft zu werden. Die Geschichte des britischen Models Chloe Ayling, das Mitte Juli in Mailand entführt und eine Woche lang festgehalten worden sein soll, ähnelt einem Alptraum. Alpträume haben es an sich, schrecklich zu sein - aber eben nicht wahr.

Auch im Fall von Chloe Ayling meldeten sich zuletzt Zweifler. Irgendetwas stimme doch nicht an dieser Geschichte. Warum wurde die 20-Jährige mit einem ihren mutmaßlichen Entführer beim Einkaufen gesehen? Warum hat sie, als sie endlich freikam, nicht sofort Italien verlassen? Kollaborierte das aus dem Süden Londons insgeheim mit den Männern, die sie entführt haben? Hatten diese sie überhaupt entführt?

Nachdem vor wenigen Tagen Ayling selbst vor die Presse getreten war und ein kurzes Statement verlesen hatte, war am Dienstag ihr Anwalt Francesco Pesce dran. "Zu Beginn gab es legitime Zweifel", sagte Pesce dem britischen "Guardian". Zweifel, die "mehr als verständlich waren", zitierte Sky den Anwalt, denn das, was Chloe Ayling passiert sei, klinge unglaublich. Doch all die Unklarheiten seien nun ausgeräumt. Es gebe keine Zweifel an Chloe Aylings Version des Geschehenen. 

Britisches Model: Gefesselt, geknebelt, verschleppt

Chloe Aylings Version klingt so: Am 10. Juli flog sie nach . Ein späterer mutmaßlicher Entführer habe sich als Fotograf ausgegeben und sie für den nächsten Tag in ein vermeintliches Fotostudio nahe dem Mailänder Hauptbahnhof bestellt, sagte sie kürzlich der "Daily Mail". Als sie dort ankam, sei sie überfallen und betäubt worden. Man habe sie in einen Koffer gesperrt und zu einem Bauernhaus in der Nähe von Turin gefahren.

Das Model sagte der "Daily Mail", es seien mindestens fünf Menschen an der Entführung beteiligt gewesen. Zunächst hatten sie sich laut "Daily Mail" an Aylings Model-Agentur gewandt, um Geld zu erpressen. Sollte die Agentur bis zum 16. Juli nicht zahlen, würde man Ayling als Sex-Sklavin im Darknet versteigern. "Ich habe um mein Leben gefürchtet", sagte Ayling. "Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde." 

Aylings Anwalt: Sie sollte nach Nahost verkauft werden

"Man sagte ihr, man werde sie für Sex an jemanden im Nahen Osten verkaufen. Man sagte ihr, die Leute würden sie beobachten und seien bereit, sie umzubringen, wenn sie etwas unternehmen würde. Also dachte sie, es sei die beste Idee, freundlich zu ihren Entführern zu sein", ergänzte Aylings Anwalt Francesco Pesce in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Deshalb sei sie mitgegangen, als ihr mutmaßlicher Entführer Einkäufe erledigen wollte. Deshalb habe sie keinen Fluchtversuch gewagt. "Ihr Entführer sagte ihr, er wolle sie irgendwie irgendwann befreien. Da dachte sie, es sei das Beste, wenn sie sich nicht mit ihm anlege."

Die Tatsache, dass sich Ayling nach ihrer Freilassung viele Tage weiter in Italien aufhielt und nicht sofort nach England zurückgeflogen war, erklärte ihr Agent Phil Green laut Sky damit, dass die Polizei dem Model den Reisepass abgenommen habe. Ayling sollte aussagen, erst dann habe sie ausreisen dürfen. Auf die Zweifel an Aylings Version angesprochen, sagte Anwalt Pesce BBC Radio 4: "Ich kann nicht glauben, was die Menschen über Chloe Ayling denken." Die Vorwürfe seien böse, dabei habe Ayling "ein Martyrium durchgemacht und so viel gelitten".

Model in Mailand entführt: Ein Verdächtiger in Haft

Aktuell sitzt nur einer von Chloe Aylings mutmaßlichen Entführern sitzt in Haft. Eine Woche nach der mutmaßlichen Entführung hatte Lukasz Pawel H., ein in England lebender Pole, das Model zum britischen Konsulat in Mailand gebracht und dort freigelassen. Angeblich, weil man herausgefunden hatte, dass die 20-Jährige einen kleinen Sohn hat und von Müttern gegen die Regeln von "Black Death" verstießen. "Black Death" ist der Name jener dubiosen Gruppe, die hinter der Entführung stecken soll. 

Der verdächtige H. hatte angegeben, Mitglied der Gruppe zu sein. Ob er es wirklich war oder ob er sich das ausgedacht hatte, wird derzeit geprüft. Wie der "Guardian" berichtet, habe die Polizeibehörde Europol berichtet, nur eine Nennung zu "Black Death" vorliegen zu haben - was allerdings nicht bedeute, dass die Gruppierung nicht existiere.

Verdächtiger leidet angeblich an Leukämie

Im Polizei-Verhör soll der verdächtige 30-Jährige zudem gesagt haben, er leide an Leukämie. Das berichten britische Medien übereinstimmend. Laut BBC soll der Mann angegeben haben, dringend Geld für seine Behandlung benötigt zu haben. Aus diesem Grund sei er mit einer Gruppe Rumänen in Kontakt getreten, die ihm für die Anmietung mehrerer Räumlichkeiten an mehreren Orten in Europa rund 550.000 Euro geboten habe. Angeblich habe die Gruppe dort Kleidung lagern wollen. Dann aber habe er erfahren, dass die Gruppe die Entführung von Chloe Ayling plane und sei abgesprungen. Ohne sein Zutun sei Ayling vor Wochen trotzdem entführt worden. Er selbst aber, betonte H., habe sich nicht wissentlich am Verbrechen beteiligt, vielmehr sei er unabsichtlich hineingeraten. Die Polizei fahndet nach wie vor nach Komplizen.

pg

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