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19. Januar 2012, 21:35 Uhr

Einsatzkräfte suchen auch in der Nacht nach Überlebenden

Ein nahender Sturm droht die Hoffnung auf Überlebende in der "Costa Concordia" wegzufegen. Die Einsatzkräfte wollen deshalb ohne Pause so lange suchen, bis es das Wetter nicht mehr zulässt. Eine geheimnisvolle Frau entpuppte sich derweil als normaler Gast.

Die Retter riskieren alles, doch ein aufziehender Sturm lässt die Hoffnung auf Überlebende im Wrack der "Costa Concordia" schwinden. Rund eine Woche nach dem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Giglio warnten Meteorologen vor starken Winden und schwerem Seegang. Meterhohe Wellen könnten das havarierte Schiff abrutschen und sinken lassen. Taucher suchten am Donnerstag unter Lebensgefahr nach Vermissten. Die Arbeit sollte auch in der Nacht zum Freitag weitergehen. Wie Küstenwachen-Kommandant Cosimo Nicastro am Donnerstagabend mitteilte, werde "so lange gesucht, bis es das Wetter nicht mehr zulässt". Allerdings beschränke sich die Suche in der Nacht auf die Bereiche des Schiffs, die über Wasser liegen.

"Die Taucher haben am Abend aufgehört, weil es einfach zu dunkel wurde", sagte Nicastro. Aktuell konzentriere sich die Suche auf das Deck Nummer vier, von wo aus man in Teile des leckgeschlagenen Schiffs hineinkomme. Die "Costa Concordia" befindet sich in prekärer Lage. Sie droht vor allem bei unruhiger See tiefer zu sinken. Nicastro erklärte, deshalb seien am Donnerstag spezielle Löcher und Wege in das Schiff gesprengt worden, über die sich die Retter im Falle eines Abrutschens in Sicherheit bringen könnten.

Immer noch werden mehr als 20 Menschen vermisst. Das Auswärtige Amtgeht von zwölf vermissten Deutschen aus. Elf Tote wurden bisher geborgen: Vier Franzosen, ein Peruaner und ein Ungar wurden identifiziert. Eine Bestätigung, dass auch Deutsche unter den Toten sind, gab es bisher nicht.

"Nicht aufgeben, Kapitän"

Die Reederei Costa Crociere suspendierte unterdessen den beschuldigten Kapitän Francesco Schettino mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Das Genueser Unternehmen werde ihn auch nicht verteidigen, sagte Costa-Anwalt Marco De Luca nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. Costa Crociere sehe sich selbst als geschädigt an.

Schettino wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. In etwa zehn Tagen sollen toxikologische Untersuchungen abgeschlossen sein, die Aufschluss über einen möglichen Drogenkonsum des Kapitäns geben. Dies wurde laut Ansa aus Justizkreisen in Grosseto bekannt. Ausgeschlossen scheine es, dass Schettino während der Havarie betrunken war, hieß es.

Der 52-Jährige steht in seiner Heimat unter Hausarrest. Freunde verteidigten ihn. Sie fordern, Schettino nicht länger an den Pranger zu stellen. "Nicht aufgeben, Kapitän", stand auf einem Plakat zur Begrüßung, wie Aufnahmen aus Meta di Sorrento bei Neapel zeigten. Die 290 Meter lange "Costa Concordia" mit mehr als 4200 Menschen an Bord rammte vor einer Woche - in der Nacht zum Samstag - nach einer Kursänderung des Kapitäns einen Felsen, schlug leck und kenterte.

"Rettungsinsel nicht für Passagiere"

Die 290 Meter lange "Costa Concordia" mit mehr als 4200 Menschen an Bord rammte vor einer Woche - in der Nacht zum Samstag - nach einer Kursänderung des Kapitäns einen Felsen, schlug leck und kenterte.

Besatzungsmitglieder sollen nach dem Unglück mehreren Passagieren nach Angaben von Augenzeugen den Zutritt auf eine Rettungsinsel verwehrt haben. "Not for passengers, for crew only" (Nicht für Passagiere, nur für die Crew) habe ein Schiffsmitarbeiter gesagt, berichtete der Überlebende Matthias Hanke in der Sendung "stern TV".

"Geheimnisvolle Frau entpuppt sich als normaler Gast"

In italienischen Medien sorgten Spekulationen über eine angeblich geheimnisvolle Frau auf der Kommandobrücke der "Costa Concordia" für Verwirrung. Von blinden Passagieren war die Rede. Zumindest eine 25-jährige verdächtigte Moldawierin entpuppte sich jedoch als normaler Gast. Domnica Cemortan erklärte dem moldauischen Fernsehen, sie sei als Gast des Kreuzfahrtunternehmens auf dem Schiff gewesen, für das sie kurz zuvor als Hostess gearbeitet habe. Während des Abendessens mit ihren früheren Kollegen habe sich dann das Unglück ereignet.

Für das Personal von Kreuzfahrten sei es kein Geheimnis, dass Kapitän und Offiziere inoffiziell Freunde oder Verwandte einladen könnten, schrieb "La Stampa". Diese im Fall der "Costa Concordia" zu ermitteln, könnte wichtig werden, weil es auch die Verwirrung bei der Zahl der Vermissten erklären könnte.

Öl soll ab Samstag abgepumt werden

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des Schiffes wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Arbeiten sollen am Samstag beginnen, vielleicht auch schon früher, wie das italienische Umweltministerium mitteilte. Man warte darauf, dass die Rettungsarbeiten auf dem Schiff beendet seien. Nach Angaben der Reederei sollen etwa 2300 Tonnen Treibstoff an Bord sein, offensichtlich überwiegend Schweröl. "Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden", sagte eine Sprecherin das Havariekommandos Cuxhaven.

Insel Giglio
Bedienungsanleitung für die Karte: Pfeilsymbole = Karte verschieben;
Plus- und Minussymbole = Kartenausschnitt vergrößern/verkleinern.
"Karte" = Straßenkartenansicht;
"Satellit" = Luftbildaufnahme;
"Hybrid" = Luftbild mit eingezeichneten Straßen
mad/DPA
 
 
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