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23. Juni 2006, 17:36 Uhr

Die Pistole als Massenvernichtungsmittel

Durch Revolver, Handgranaten, Maschinengewehre und andere so genannte Kleinwaffen sterben jährlich eine halbe Millionen Menschen. Unicef fordert deshalb ein verbindliches internationales Waffenhandelsabkommen.

Über den Verkauf von "Kleinwaffen" werden Kinder als Soldaten missbraucht© Horst Ossinger/DPA

Durch Kleinwaffen wie Pistolen, Handgranaten oder Maschinengewehre sterben nach Schätzungen von Unicef jährlich 500.000 Menschen in aller Welt. Das seien neun von zehn Kriegsopfern. "Kleinwaffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit", sagte die Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks erleichtern Waffen wie das deutsche G3-Gewehr oder die russische Kalaschnikow auch den Missbrauch von weltweit rund 250.000 Kindern als Soldaten.

Vor einer am 26. Juni in New York beginnenden UN-Konferenz zu Kleinwaffen forderten Unicef und das Bonner Konversionszentrum BICC ein völkerrechtlich verbindliches internationales Waffenhandelsabkommen. Mit Blick auf die deutsche EU- Ratspräsidentschaft 2007 solle die Bundesregierung eine Vorreiterrolle bei der Kontrolle von Kleinwaffen übernehmen und sich für EU-weit rechtlich verbindliche Rüstungsexportkriterien einsetzen. Die Bundeswehr solle ausrangierte Kleinwaffen und Munition verschrotten anstatt sie weiterzugeben. Ihre Zusage zur Vernichtung von über 400.000 Sturmgewehren bis 2007 habe sie mit bisher 360.000 fast erfüllt.

Bei der ersten UN-Kleinwaffenkonferenz war vor fünf Jahren ein völkerrechtlich nicht verbindliches Aktionsprogramm beschlossen worden. Im Rückblick zog BICC-Geschäftsführer Peter Croll jetzt eine kritische Bilanz: "Es ist positiv, dass überhaupt ein Prozess in Gang gekommen ist. Doch die hohen Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt." Das BICC bemängelte, das Programm beziehe sich nur auf staatlichen Waffenbesitz und -handel. Dabei gehe gerade von Waffen in den Händen von Privatleuten oder Milizen die größte Gefahr aus. An der Umsetzung des Aktionsprogramms beteiligen sich 150 Staaten.

Nach Angaben von Unicef existieren weltweit 600 Millionen Kleinwaffen, nach Schätzungen des Genfer Forschungsprojekts "Small Arms Survey" sogar 650 Millionen. In Entwicklungsländern seien in jüngster Zeit jährlich mindestens 300.000 Menschen bei bewaffneten Konflikten umgekommen - überwiegend durch Kleinwaffen. Weitere 200.000 Menschen kämen in den Industrieländern durch Mord oder Selbstmord mit einer Kleinwaffe ums Leben. Laut Unicef gelten Waffen als Kleinwaffen, die von einem Menschen alleine zu bedienen sind.

DPA
 
 
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