14. Juli 2007, 16:06 Uhr

Trauer und Ermittlungen in Iserlohn

Nachdem bekannt wurde, dass in Iserlohn ein Säugling zu Hause verhungert ist, bringen die Stadtbewohner ihre Trauer zum Ausdruck. Die Polizei ermittelt weiter gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten. Vorwürfe werden auch gegen das Jugendamt erhoben.

Iserlohner bringen vor der Wohnung, in der das Kind verhungert ist, ihre Trauer zum Ausdruck©

Die Ermittlungen nach dem Hungertod eines drei Monate alten Säuglings in Iserlohn gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten dauern an. Es sei noch nicht geklärt, ob der 26-Jährigen und ihrem 25 Jahre alten Partner vorsätzliche oder fahrlässige Tötung vorgeworfen werde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen. Die Behörde ermittelt auch gegen Mitarbeiter des Jugendamts in der sauerländischen Stadt. Der kleine André war an Unterernährung gestorben. Vor dem Haus der Familie legten Bürger Blumen und Plüschtiere nieder.

"Schon wieder Vernachlässigung, Babytod - warum?" war auf einer Tafel zu lesen. Auf einem Zettel stand: "Warum musste wieder ein Kind sterben? Man muss das Jugendamt schulen". Am Freitag war bekannt geworden, dass der kleine Junge bereits vor drei Wochen ums Leben gekommen war. Dem Jugendamt waren die verheerenden Verhältnisse in der Dachgeschoss-Wohnung, in dem auch zwei Geschwister Andrés lebten, nach Angaben der Staatsanwaltschaft bekannt. Warum es trotz intensiver Betreuung der Mutter und ihrer Kinder zu dem Todesfall kam, muss nun ermittelt werden.

"Hungertod hätte vermieden werden können"

Die Deutsche Kinderhilfe Direkt (Berlin) verlangte eine "bessere und engmaschige Betreuung" von stark überforderten Familien. "Der Hungertod des kleinen André aus Iserlohn hätte vermieden werden können, wenn es eine echte, intensive Betreuung gegeben hätte", betonte der Vorsitzende des Vereins, Georg Ehrmann, in Düsseldorf. "Der traurige Fall zeigt, dass wir es nicht nur mit einem Problem von Unterfinanzierung und Unterbesetzung in den Jugendämtern zu tun haben, sondern auch mit einer falschen Mentalität."

Häufig setzten Jugendämter ihr "staatliches Wächteramt" nicht ausreichend durch, kritisierte Ehrmann. Familien mit Alkoholproblemen und mangelnden intellektuellen Fähigkeiten, die ihr Leben alleine nicht in den Griff bekommen könnten, müssten in schweren Phasen auch täglich aufgesucht werden. Wichtig sei der Einsatz von Streetworkern, Psychologen oder auch vor Ort vertretenen Organisationen wie Caritas oder Arbeiterwohlfahrt.

Dem Verein und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter zufolge sterben in Deutschland jährlich mehr als 170 Kinder an den Folgen von Gewalt, Misshandlung oder Verwahrlosung.

DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Freyja79 (15.07.2007, 11:58 Uhr)
Verantwortung der Eltern
Ich schließe mich oper1979 an:
Wenn ein Kind verhungert, verdurstet oder misshandelt wird, dann ist das in erster Linie die Schuld der Eltern und nicht des Staates. Nicht das unterlassene Eingreifen des Amtes hat das Kind getötet, sondern die Eltern ganz alleine!!!
Der Staat kann sich nicht 24/7 um seine Bürger kümmern, ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Mündigkeit sollte man von Menschen verlangen, die in der Lage sind, Kinder zu zeugen und in die Welt zu setzen!
Diese Mentalität, sich in jeder Angelegenheit auf staatliches Handeln zu verlassen und Eigenverantwortung abzulehnen hat beunruhigende Züge angenommen.
Trotzdem ist natürlich zu prüfen, warum einem Mitarbeiter vom Amt der schlechte Zustand des Kindes nicht aufgefallen sein will.
oper1979 (15.07.2007, 11:04 Uhr)
???
Und warum haben Sie Ihren Wohnsitz nicht selbst mitgeteilt? Ich kenne ein Wort, das heißt "Eigenverantwortung". Ihr Posting verstehe ich irgendwie nicht. --
Zum Thema, warum sind denn immer die anderen Schuld? In der Regel kann doch jede Mutter stillen und kein Säugling muß verhungern oder verdursten. Ich habe immer große Schwierigkeiten, solche furchtbaren Vorfälle nachzuvollziehen. Da wird einem ein Baby anvertraut und man kümmert sich nicht - haben denn diese Eltern überhaupt kein Gewissen? Mit Intelligenz hat das bestimmt nichts zu tun. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, auch weniger intellektuelle Eltern lieben und versorgen in der Regel ihre Kinder. - Irgendwie ist man völlig hilflos, wenn immer wieder von solchen Geschehnissen hört und liest.
Bensil_Norm (14.07.2007, 23:22 Uhr)
Arbeitsverweigerung!
Der zuständige Mitarbeiter des Jugendamtes welcher die Familie aufsuchen sollte war gar nicht da!Er hatte vieleicht PSE zu erledigen.
(PSE ist Behördensprech und heißt "Privatsch**** erledigen)
Er fälschte seinen Bericht , was ja nicht selten in Behörden vorkommt.
Selbst ich hatte mal wegen der Arbeitsverweigerung eines städt.Beamten Ärger gehabt.
Meldegeschichte,ein Beamter sollte meinen Wohnsitz ermitteln,er tat es nicht und fälschte seinen Bericht was ich im nachhinenin beweisen konnte.
Ulele Bensil Norm
2050minusX
Snoopy_Snoob (14.07.2007, 19:27 Uhr)
Schrecklich
Es ist einfach nur Schrecklich was in letzter Zeit mit den Babys hier in Deutschland passiert.
Meiner Meinung nach sollten Eltern, die mit ihren Kindern überfordert sind, sich erst mal Hilfe beim Jugendamt holen und wenn das wirklich nichts hilft, dann sollten sie ihre Kinder in ein Heim geben. Das ist immer noch besser, als die Kinder verhungern, verdursten oder sonst etwas zu lassen.
Babys können nichts dafür, das sie noch nicht reden können, dass sie noch nicht sagen können, ich habe Bauchschmerzen, mir ist schlecht, ... Babys können nur schreien und da ist es die Aufgabe der Eltern, herauszufinden, was den Babys fehlt. Ob sie Hunger, Durst, Schmerzen oder sonst was haben, das müssen dann die Eltern herausfinden und wenn sie nicht weiter wissen, dann sollten sie sich schnellstens Hilfe holen.
Asiat (14.07.2007, 18:31 Uhr)
Zweierlei Mass
Zum Promille Baby aus Polen sind inzwischen einige Kommentare vorhanden; wann kommen welche zu diesem Fall ueber ein Geschehen aus Iserlohn?
Es heisst im Artikel:"Familien mit Alkoholproblemen und mangelnden intellektuellen Fähigkeiten, die ihr Leben alleine nicht in den Griff bekommen könnten, müssten in schweren Phasen auch täglich aufgesucht werden."
Wuerde das wirklich helfen? Ich bedaure jedes Kind, das in solche "schweren Phasen" unschuldig hineingeboren wird. Es wird ebensolche Phasen haben oder eben nicht ueberleben.
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