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23. Juli 2009, 14:36 Uhr

Karadzic leugnet Zahl der Srebrenica-Opfer

Es gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Beim Massaker von Srebrenica im Juli 1995 wurden 8000 Menschen ermordet. "Um Tausende" zu hoch sei diese Zahl, versucht der Angeklagte Radovan Karadzic die Greueltaten zu relativieren. Das UN-Kriegsverbrechertribunal lässt sich davon nicht beirren.

Srebrenica, Karadzic, Den Haag, UN-Kriegsverbrechertribunal

Angeklagter Radovan Karadzic: Opferzahlen von Srebrenica übertrieben© Valerie Kuypers/DDPA

Der wegen des Massakers von Srebrenica im Bosnienkrieg (1992 bis 1995) als Völkermörder angeklagte Radovan Karadzic hat die mutmaßliche Zahl der Opfer vor Gericht als "um Tausende" zu hoch bezeichnet. Er wolle beweisen, dass die bislang stets genannte Zahl von rund 8000 Toten weit übertrieben sei, erklärte der einstige bosnische Serbenführer am Donnerstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.

Bei der routinemäßigen Anhörung zur Vorbereitung des noch anstehenden Prozesses verlangte Karadzic unter anderem Zugang zu DNA-Untersuchungen. Zudem müsse "eine korrekte Liste von Opfern" vorgelegt werden. Dann würde sich erweisen, dass es Tausende weniger gewesen seien als behauptet. Die Staatsanwaltschaft wirft Karadzic vor, als politischer Anführer der bosnischen Serben einer der Hauptschuldigen der Gräueltaten von Srebrenica zu sein.

Schwerstes Kriegsverbrechen seit Ende des Weltkriegs

Dabei wurden nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Juli 1995 von bosnisch-serbischen Milizen in der seinerzeit offiziell unter UN-Schutz stehenden Muslim-Enklave rund 8000 bosnische Muslime zusammengetrieben, ermordet und in Massengräbern verscharrt. Das Massaker gilt als das schwerste Verbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Bislang sind die sterblichen Überreste von etwa 4000 Menschen aus Massengräbern bei Srebrenica geborgen, identifiziert und würdevoll beigesetzt worden. Experten rechnen fest mit der Entdeckung weiterer Massengräber. Karadzic, der sich selbst verteidigt, geht nach eigenen Angaben davon aus, dass viele der Menschen bereits vor dem Srebrenica-Massaker gestorben sind oder bei Gefechten umkamen.

Gerichtshof will Verfahren straffen

Am Rande der Anhörung hatte das Tribunal die Aufforderung des Vorsitzenden Richters Iain Bonomy an die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, die geplante Beweisführung zu straffen und die Zahl der anzuhörenden Zeugen zu reduzieren. Die Anklagevertretung solle selbst bestimmen, welche der mehr als 500 Zeugen nicht unbedingt vorgeladen werden müssen und welche der zahlreichen Unterpunkte der insgesamt elf Hauptanklagen nicht behandelt werden müssen.

Hintergrund sind Befürchtungen, dass sich der Völkermord-Prozess gegen Karadzic über etliche Jahre erstrecken und der internationalen Gemeinschaft immense Kosten auferlegen würde. Bonomy gehörte bereits zu den Richtern im Marathon-Verfahren gegen den ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Dieser war ebenfalls wegen Völkermordes sowie Kriegsverbrechen in etlichen Fällen angeklagt - darunter ebenfalls wegen des Massakers von Srebrenica. Milosevic starb 2006 im Alter von 64 Jahren im Untersuchungsgefängnis des UN-Tribunals, ohne dass damals ein Ende seines Prozesses absehbar war.

Der heute 64 Jahre alte Karadzic war vor einem Jahr in Belgrad festgenommen und dem Tribunal in Den Haag übergeben worden. Chefankläger Serge Brammertz und Tribunal-Präsident Patrick Robinson hatten Anfang Juni im UN-Sicherheitsrat erklärt, dass der Prozess gegen Karadzic wohl noch im August beginnen und sich mit der erwarteten Berufung bis 2013 hinziehen könnte.

DPA
 
 
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