Den Haag Karadzic boykottiert eigenen Prozess


Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Ex-Serbenführer Radovan Karadzic war kurz: Der mutmaßliche Kriegsverbrecher war nicht erschienen und das Gericht in Den Haag vertagte das Verfahren bereits nach wenigen Minuten. Richter O-Gon Kwon hofft jetzt, dass Karadzic am Dienstag zur Anklageverlesung erscheint.

Der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist am Montag ohne den Angeklagten eröffnet worden. Das Gericht vertagte sich jedoch schon 15 Minuten später auf Dienstag. Wie zuvor angekündigt, hatte sich Karadzic geweigert, vor dem UN-Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu erscheinen. Er blieb in seiner Zelle des Untersuchungsgefängnisses. Am Dienstag soll nun die Anklage verlesen werden.

"Ich stelle fest, dass Herr Karadzic nicht anwesend ist", sagte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon bei der Eröffnung des Prozesses. Das Verfahren werde dennoch weitergeführt, über Karadzics Vertretung sei später zu entscheiden. Der Richter appellierte an den 64-Jährigen, seinen Boykott aufzugeben und an der Sitzung am Dienstag teilzunehmen.

Staatsanwaltschaft fordert Pflichtverteidiger für Karadzic

Die deutsche Staatsanwältin Hildegard Uertz-Retzlaff beantragte im Namen der Anklage, Karadzic das Recht zu entziehen, sich selbst zu verteidigen. Das Gericht müsse stattdessen einen Pflichtverteidiger für ihn bestellen. Karadzic versuche mit seiner Blockadehaltung, den Prozess gegen ihn massiv zu behindern. Dies dürfe das UN-Tribunal auf keinen Fall hinnehmen.

Der Angeklagte hatte in der vergangenen Woche erklärt, ihm sei nicht genügend Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung eingeräumt worden. Richter O-Gon Kwon wies dies als unbegründet zurück. Karadzic war im Juli 2008 nach fast 13-jähriger Flucht in Belgrad verhaftet und an den Gerichtshof in Den Haag ausgeliefert worden. Er hatte seitdem Zeit, sich auf den Prozess vorzubereiten.

Karadzic muss sich in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges verantworten. Zu den Gräueltaten, die ihm zur Last gelegt werden, zählt das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker