HOME

Massaker von Srebrenica: Beerdigungen am 18. Jahrestag des Bosnienkriegs

Tausende gedachten der Opfer des Völkermordes in Srebrenica vor 18 Jahren. In Den Haag muss sich dafür der Ex-Serbenführer Karadzic verantworten. Nun wurde die Anklage gegen ihn erweitert.

Mehr als 15.000 bosnische Muslime haben des Massakers in Srebrenica vor 18 Jahren gedacht. Gen Mekka gerichtet beteten sie für die Toten, anschließend wurden mehr als 400 Opfer beigesetzt. Die Berufungskammer des Haager Tribunals für das ehemalige Jugoslawien hob derweil den Freispruch vom Vorwurf des Völkermords in einem Punkt für den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic wieder auf. Genau 18 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica ist die Anklage gegen den mutmaßlichen Hauptschuldigen des Massakers deutlich erweitert worden.

Kurz vor der Bestattung auf dem Erinnerungsfriedhof Potocari bei Srebrenica ging starker Regen auf die Holzsärge nieder. In den vergangenen zwölf Monaten war es gelungen, die Gebeine von insgesamt 409 Opfern der Gewalt von 1995 zu identifizieren. Damit sind in Srebrenica nun exakt 6066 Todesopfer des Massakers bestattet. Bosnisch-serbische Milizen hatten während des Bosnien-Krieges in Srebrenica innerhalb weniger Tage im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen zusammengetrieben und getötet.

Unter den am Donnerstag Beigesetzten war auch das bislang "jüngste Opfer des Genozids", wie der Regierungsverantwortliche für die Gedenkfeier, Kenan Karavdic, sagte, "das Baby der Familie Muhic". Das Mädchen war kurz nach seiner Geburt im Juli 1995 im UN-Stützpunkt Potocari gestorben. Es wurde neben seinem bei dem Massaker getöteten Vater beerdigt. Unter den 409 beigesetzten Opfern waren auch zwei Frauen und mehr als 40 Kinder, die damals erst zwischen 14 und 18 Jahren alt waren.

"Karadzic hatte Völkermord-Absichten"

Der ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic muss sich nun doch für weitere Völkermord-Anklagen verantworten. Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien hob am Donnerstag in Den Haag den Teilfreispruch auf. 2008 war Karadzic nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad festgenommen worden.

Der 68-Jährige muss sich nun nicht nur für das Massaker in Srebrenica 1995 verantworten, sondern auch für Völkermord in ehemaligen Gefangenenlagern im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995. In erster Instanz hatten die Richter diese Anklagepunkte im vergangenen Jahr aus Mangel an Beweisen gestrichen. Nur die Anklage wegen Völkermordes in der damaligen UN-Schutzzone Srebrenica 1995 blieb bestehen. Die Anklage hatte daraufhin Berufung eingelegt und bekam nun Recht. "Das vorliegende Beweismaterial kann zeigen, dass Karadzic Völkermord-Absichten hatte", erklärte der Vorsitzende Richter der Berufungskammer, Theodor Meron.

Von vielen Opfern der Gewalt sind nur noch wenige Knochen übrig. Sie habe "nur zwei Knochen" ihres Sohnes gefunden, sagte etwa Munira Subasic, die bei dem Massaker auch ihren Mann verloren hatte. Keiner könne sich vorstellen, wie sich eine Mutter fühle, wenn sie erfahre, dass sie lediglich zwei Knochen ihres Kindes bestatten könne. Die Überreste ihres Mannes fehlten noch völlig.

jat/AFP/DPA / DPA