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22. Juni 2010, 06:33 Uhr

Regierung muss weniger neue Schulden machen

Endlich mal eine gute Nachricht für Finanzminister Schäuble: Die Bundesregierung muss offenbar 2010 deutlich weniger Schulden machen als befürchtet. Am Sparkurs will Schwarz-Gelb dennoch festhalten.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble braucht deutlich weniger Kredite© APN

Der Bund macht in diesem Jahr voraussichtlich noch weniger neue Schulden als angenommen. Das berichten "Süddeutsche Zeitung" und "Bild"-Zeitung am Dienstag unter Berufung auf die Haushaltsplanung der schwarz-gelben Koalition, über die das Kabinett am 7. Juli abschließend beraten will. Demnach wird das Etatdefizit schon 2010 mit 60 bis 65 Milliarden Euro um bis zu 20 Milliarden Euro niedriger ausfallen als geplant. Grund seien unerwartet hohe Steuereinnahmen, geringere Arbeitsmarktkosten sowie die Erlöse aus dem Verkauf von Mobilfunklizenzen.

2011 dürfte sich die Entwicklung fortsetzen, so dass die Neuverschuldung bei etwa 55 Milliarden Euro liegen könnte, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die bisherige - mittlerweile allerdings völlig überholte - Finanzplanung habe einen Fehlbetrag von fast 72 Milliarden Euro vorgesehen.

2010 mit Etatdefizit von 66 Milliarden Euro gerechnet

Nach der neu im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse müssen Union und FDP das um Konjunktureinflüsse bereinigte Budgetdefizit bis zum Jahr 2016 auf rund 8,5 Milliarden Euro reduzieren. Bislang hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für 2010 mit einem strukturellen Fehlbetrag in Höhe von rund 66 Milliarden Euro kalkuliert, was für die Folgejahre Sparschritte von jeweils knapp 10 Milliarden Euro notwendig gemacht hätte.

Tatsächlich wird dieser Fehlbetrag laut dem "SZ"-Bericht im laufenden Jahr bei etwas mehr als 50 Milliarden Euro liegen, so dass sich der jährliche Einsparbedarf auf rund 7 Milliarden Euro verringere. Für 2011 sei mit einem strukturellen Defizit von etwa 45 Milliarden Euro zu rechnen.

"Am Sparkurs führt kein Weg vorbei"

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle, sieht keinen verringerten Spardruck. "Es ist richtig, dass das Kabinett bereits 2011 mit dem Sparen beginnen will", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Es wäre ein fatales Signal, wenn wir jetzt - im ersten Jahr, in dem die Schuldenbremse greift -, darauf verzichten würden, nur weil die Lage etwas besser ist als angenommen."

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP- Bundestagsfraktion, Haushaltsexperte Otto Fricke, forderte ein Festhalten am Sparkurs. "Die 60 Milliarden Euro mögen möglich sein, wären aber immer noch eine Rekordverschuldung. Und deshalb führt am eingeschlagenen Sparkurs kein Weg dran vorbei", sagte er der "Bild"- Zeitung.

zen/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
Johann58 (22.06.2010, 20:37 Uhr)
Ach, was ist das so schoen!
Hurrah, @tempelhofer und @tannebaum keonnen jetzt endlich ein Heldenepos fuer Angela Merkel und Guido Westerwelle schreiben, den genialen Strategen der Bundesdeutsche Regierung.

War das jetzt die Topmeldung um das Sommerloch schon mal vorab mit Lobhudeleien zu stopfen.

Das sozial ausgewogen Sparpaket, bei dem die eh nichts haben noch mal richtig abkassiert wird tut ein Uebriges dazu. Ich kann kich noch gut erinnern als Steinbrueck bei ganz gut gefuellten Kassen gespart hat, ich meine gespart, keine zusaetzlichen Ausgaben wollte und die Abgabenlast nicht erhoehen wollte, die CDU und die FDP Zeter und Mordio geschrien haben. Jetzt kommen die Superhelden, nehmen mehr Steuern ein als geplant, koennten die die es brauchen einfach dadurch entlasten, dass sie ihnen nicht noch mehr wegnehmen und was ist? Nix da!

Vor allem sieht das Ganze danach aus, als rechne man sich hier mal wieder Dinge schoen, die eigentlich katastrophal sind.
Wahrhyde (22.06.2010, 19:12 Uhr)
Worst case
Merkel im ZDF (sinngemäß): "Werden auch noch mal prüfen, ob wir bei der ermäßigten MwSt noch etwas machen, um da etwas "mehr Ordnung" (Orig.) zu bekommen."

Das ist der Horror, den ich bei den Vorschlägen des Wirtschaftsrates erwartet habe. Die wollten zwar die Spitzensteuer erhöhen, aber nur im Gleichklang mit der o.g. MwSt.-Erhöhung.

Hält man den Vorschlag der INSM dagegen, kommt als gemeinsame Schnittmenge das heraus, was Merkel andeutet. Eine reine MwSt-Operation, die - logisch - die Einkommensschwachen am härtesten trifft.

Die Armen zahlen die Krise. Es ist zum Heulen!
Onzapintada (22.06.2010, 17:17 Uhr)
Sparerei bringt nichts, außer dem Abwürgen der Realwirtschaft
Im übrigen ist sie auch illusorisch, solange man mit dem Unsinn der Bankenrettungen weitermacht, wie die Rettung des Vermögens und der Macht der kleinen Geldelite mit dem Geld der Mittelschicht genannt wird (Die Banken sind dabei in erster Linie nur Verrechnungsinstitutionen; das Geld fließt per Saldo fast komplett an die Oberschicht).

Bisherige Bankenrettungskosten in Deutschland seit 2008: 650 Milliarden Euro (das Doppelte des Bundeshaushalts)

Als erste Rate im derzeitigen Bundeshaushalt von der Mittelschicht aufzubringen: 80 Milliarden Euro

Glaube aber niemand, dass sich dadurch der Restbetrag verringern würde: Die nächste Blase platzt bestimmt.
LeoBronstein (22.06.2010, 16:23 Uhr)
Weniger Schulden ist nicht alles
Einige interessante Bemerkungen zur Verschuldungsituation gibt es hier:
www.dasdossier.de/magazin/wirtschaft/staat-und-wirtschaft/wege-und-irrwege-aus-der-verschuldung
Papayu (22.06.2010, 14:29 Uhr)
wird selig
Ist schon ne Weile her (60 Jahre) da lernten wir in der Schule mit Unbekannten zu rechnen.
Ist diese alte Methode nicht durch den PC
verschwunden? Scheint nicht der Fall zu sein.
Es wird immer wieder vergessen, dass man nur 20 Jahre arbeiten kann, sofern man einen Job hat, denn mit 40 gehoert man zum alten Eisen. Wie oft habe ich das mit 42 Jahren hoeren muessen: " Wir sind ein junges Team und sie sind zu teuer(alt).

Gerade heute in der hightecbranche.
Hat einer sein Diplom gemacht ist er midestens 24 Jahre alt, bekommt einen guten Job als Programmierer oder dergl.
Nach 18 Jahren geht wegen Missmanagement der Firma pleite.
Er ist 42. Aufstieg war nicht drin, hatte nicht den richtigen Stallgeruch.
Er bewirbt sich bei mehreren anderen Unternehmen. Manche lassen ihn mal in die Belegschaftsraeume schauen und siehe da, alles junges Gemuese.
Und die da droben, Andrea liest Constance und informiert sich da. Was drunten geschieht in der Arbeitsarena wissen sie nicht , wollen es auch garnicht.
OttoB (22.06.2010, 13:13 Uhr)
Wemgehören denn die Staatsschulden?
Der Staat hat Schulden gemacht in Staatsanleihen, das heißt doch das Geld gehört denen die über die Bank Staatsanleihen gekauft haben und denen müssen wir Zinsen zahlen.
Jetzt reicht das Geld nicht die Zinsen zu zahlen, also verkauft der Staat wieder Staatsanleihen.
Die die die Zinsen bekommen haben kaufen für diese Geld wieder Staatsanleihen usw.
Also je höher unsere Staatsverschuldung um so höher privates Vermögen.
Das dieses Geld nicht denen gehört die jetzt die Zeche zahlen sollen weiß jeder sogar die FDP.
Das ist das Geld der Vermögenden was sie zum Leben und für Luxus nicht benötigen. Darum wird es angelegt (z.B. in Staatsanleihen) denn das Geld soll ja arbeiten und Geld verdienen (Zinsen).
Die Parteien wollen aber die Vermögenden schonen bis diese Blase aufgepumpt durch Zins und Zinseszins platzt.
Denn Geld kann ohne Arbeit keine Werte schaffen, nur Zinsen und die sind wenn die Blase platzt nichts mehr wert.
Kommunismus und Kapitalismus sind beide vergänglich.
Lombroso (22.06.2010, 12:53 Uhr)
So kann man es sich auch
schönrechnen. Man deklariert 120 Mrd. für Griechenland einfach als Bürgschaften (die halt im Moment noch nicht greifen) und tut so, als wenn man die Kreditaufnahme gesenkt hat.

Und die Presse macht brav mit und verbreitet die Pressemitteilungen ohne kurz das Hirn einzuschalten.

Dummerweise können die meisten Deutschen nicht selbständig denken, sonst wäre es nie möglich gewesen, einen solchen Schuldenberg anzuhäufen.

Aber wer sich mit solchen Meldungen zufrieden gibt, darf sich nicht wundern, dass er heute bis aufs Hemd ausgezogen wird...
Wittigofranko (22.06.2010, 12:50 Uhr)
Weiterhin riesige Haushaltslöcher
Die geringere Neuverschuldung löst die strukturellen Probleme der Verschuldung der öffentlichen Hand nicht.

DIW-Präsident Prof. Dr. Zimmermann spricht von einem strukturellen Defizit von rund 50 Milliarden jährlich. Dafür müsste die MwSt von derzeit 19% auf EU-konforme 25% erhöht werden, wie dies bereits seit Jahren in den sozialliberalen Ländern Schweden und Dänemark der Fall ist.

Bei gleichem MwSt-Satz von 7% für die Dinge des soziokulturellen Existenzminimums würden vor allem die Wohlhabenden mehr Steuern zahlen - beim Ausgeben eben und indirekt auch Steuern auf Einnahmen aus Zins- und Dividendeneinkommen.
Mindsplitting (22.06.2010, 12:06 Uhr)
Soso
Wir müssen nächstes Jahr weniger Schulden machen...

Na wenn das die Spekulanten lesen die auf den Zerfall des Euros gewettet haben. Dann stuft halt ne Amibank mal ausm Bauchgefühl raus irgendwelche Euroländer als Pleite ein, wir packen wieder ein paar Millarden ein und Veroppeln den Defizitbetrag.

Haben ja "gespart" dann können wir ja wieder was mehr ausgeben....


P.s. Das ist kein Sparpaket mehr sondern fast Diebstahl.....

Mit Verbieten der Leiharbeit und Dumpinglohnmafia würden die Löhne wieder angemessen sein und mehr Lohnsteuer reinkommen.

Anstatt denen die Stütze vom Staats braucen zu beschneidern sollte man sich vllt eher bemühen diese wieder in die Unabhängigkeit zu verhelfen, denn Aufgabe des Sozialstaates ist es nicht nur denen die zu wenig verdienen das Gehalt aufzustocken, sondern auch zu vrhindern das aufgestockt werden muss!!!

Das man nicht jedem Arbeitsuchenden einen Job herbeizaubern kann liegt ja auf der Hand, aber er is armseelig das die die Arbeit haben kaum mehr besitzen als jemand der keine hat.
kabelmann (22.06.2010, 11:18 Uhr)
@tannebaum
Die Zahlen sind nicht belastbar.Die Tendenz ist es sehr wohl.

Sie tun ja gerade so, als würde sich das Angebot seine Nachfrage schaffen.

Das halte ich allerdings für eine recht fragwürdige Logik. Eben weil es niemanden gibt, der das kauft, was die hochqualifizierten Arbeitnehmer ihrerseits anbieten. Es geht einfach nicht ohne Nachfrage und die wird einfach nicht durch das Angebot bestimmt. Dieser ideologische Irrweg ist doch nun in den letzten paar Jahren offensichtlich geworden - wieso ignorieren sie das hartnäckig?

"die folge ist: immer mehr geraten durch einfache jobs in abhängigkeit zum staat. aber der staat schafft keine arbeitsplätze. "

Das ist schlichtweg falsch. Das genaue Gegenteil ist richtig. Der öffentliche Dienst ist der größte Arbeitgeber der Republik. Und dort werden durch ominöse Sparanstrengungen seit Jahren wichtige Arbeitsplätze verheizt. Ihre Aussage ist also ebenfalls eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Der Staat WILL keine Arbeitsplätze schaffen, weil er sich einbildet, er müsse sparen. Dann baut er Arbeitsplätze ab und erkennt anhand der verringerten Zahlen an Arbeitnehmern, dass er keine Arbeitsplätze schaffen kann.


Das ist reichlich sinnlos
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