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24. Juni 2009, 18:04 Uhr

Verteidigung am Hindukusch? Was ein Unsinn!

Wieder sind drei deutsche Soldaten am Hindukusch gestorben. Doch in Berlin mag, außer der Linken, keiner offen sagen, dass man die Bundeswehr in einen Krieg geschickt hat. Stattdessen übt man sich in verbaler Schönfärberei. Das muss endlich aufhören, sagt Hans Peter Schütz.

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Deutsche Soldaten in Afghanistan bei einer Lagebesprechung. Die Bundeswehr gerät immer öfter in Gefechte© Anja Niedringhaus/AP

Juristisch und völkerrechtlich betrachtet sind die 35 Soldaten, die ihren Einsatz in Afghanistan bisher mit ihrem Leben bezahlt haben, nicht "gefallen". Zwar hat sich mittlerweile auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CSU) dazu durchgerungen, das korrekte Wort für den Tod eines Soldaten im Kampf zu benutzen.

Aber formal gesehen sind die deutschen Soldaten in Afghanistan keine Soldaten - keine Kombattanden. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nicht den Oberbefehl. Den es gibt keinen Kriegsbeschluss des Deutschen Bundestages.

Die Bundeswehr führt keinen Krieg gegen die Armee des Staates Afghanistan, sondern sie kooperiert mit ihr und bildet sie aus. Sie buddelt keine Schützengräben, sie hilft Schulen bauen. Gekämpft wird nur, so der offizielle Sprachgebrauch, gegen Terroristen. Weil, wie der frühere Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) einmal getönt hat, der deutsche Kampf gegen den internationalen Terrorismus auch am Hindukusch stattfinden muss.

In Afghanistan findet ein Krieg statt

Sind also die deutschen Soldaten quasi im Frieden und für den Frieden gefallen? Mitnichten! Mit Ausnahme der Linkspartei beteiligt sich die gesamte deutsche Politik an einer unerträglichen verbalen Schönfärberei in Sachen Afghanistan. Die Bundeswehr befindet sich in einem Krieg, der sich tagtäglich verschärft. Das ist kein Stabilisierungseinsatz, es wird nicht nur technische Hilfe geleistet. Es wird gekämpft und das täglich, denn der Aufbau der Sicherheitskräfte des Landes kommt nicht voran.

Die Bundesregierung sollte endlich aufhören, um diesen Kriegseinsatz der Bundeswehr herumzulügen. In Afghanistan findet ein Krieg statt. Was die deutsche Beteiligung betrifft, leider außerhalb des Grundgesetzes. Vergleichbar mit dem Krieg auf dem Balkan, der zu rot-grünen Zeiten unter Missachtung des Völkerrechts lief. Vollends lächerlich wird es für die Betroffenen, die getöteten jungen Menschen, wenn der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) von den Afghanen juristische Schritte gegen die Taliban-Täter fordert.

Zurück zum Grundgesetz

Gerade wir Deutschen sollten behutsam mit der Floskel umgehen, dass der Tod eines Soldaten einen Sinn hat. Die Verfassungsväter haben dies, die Millionen Toten des Krieges noch vor Augen, noch klug beachtet. Ein Krieg muss auf den Verteidigungsfall begrenzt bleiben. Verteidigung am Hindukusch? Was ein Unsinn. Solange die USA Pakistan eine zwielichtige Rolle im Kampf gegen die Taliban einräumen, ist in Afghanistan nichts zu gewinnen.

Die Diskussion über diese tragische Entwicklung müsste endlich offen geführt werden in der deutschen Politik. Auch wenn jetzt Wahlkampf stattfindet. Und die etablierten Parteien nicht den Mut zu einer an den Tatsachen orientierten Politik in Sachen Afghanistan haben. Mit einer löblichen Ausnahme allerdings - der Linkspartei.

 
 
KOMMENTARE (10 von 65)
 
utospatz (27.06.2009, 19:46 Uhr)
Soll ich als Hartz-Puff-Empfänger
Müntes Sessel in Berlin verteidigen?
Sucht er in der Zwischenzeit die sozialdemokratische Partei? Holt er sich vielleicht den Kaviarfischer mit Putin in sein Boot? So mit Schröder-Gummistiefeln als Holzmannretter? Was für eine SPD, schon das Erwähnen der Abkürzung tut weh! Kommen die tatsächlich über 10%?
So sprach der Herr in Gelsenkirchen, wählst rot Du, dann kannst du sehn, soziale Holzmannstiefel wie im Oderbruch soziale Gummistiefel untergehn!
Westerle.Merkwelle (27.06.2009, 11:50 Uhr)
Im Irak gehts ums Öl, in Afghanistan und Georgien um die Erdgaspipeline
Die USA haben die Welt mehrfach belogen bzgl. der Bedrohungen durch Bin Laden und Saddam Hussein und dies zum Vorwand genommen, um Krieg anzuzetteln.[1]
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Es gibt so gut wie kein historisches Beispiel, welches widerlegt, dass die USA immer nur dort in der Welt auftauchen, wo es Rohstoffe zu erobern gibt. Menschenrechte sind da zweit- oder gar drittrangig. Warum also sind deutsche Soldaten in Afghanistan?
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Ein britischer General, ein zu Zeiten des kalten Krieges bekannter kalter Krieger namens Jürgen Todenhöfer [3] und die Linke sowieso - sie alle sagen: Der Krieg ist nicht zu gewinnen bzw. die Bundeswehr hat in Afghanistan nichts zu suchen und die Soldaten sollten nach Hause kommen.
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In Afghanistan geht es zwar nicht um Öl, aber um die militärische Sicherung einer Erdgas Pipeline, in die die amerikanische Firma Unicol und ihre Rechtsnachfolger involviert sind.[4]
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Und nun raten Sie mal, welche Afghanischen - und US- Politiker lukrative Jobs bei dieser Firma hatten bzw. haben? [2]
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Quellen:
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* [1] http://www.tagesschau.de/ausland/irakstudie2.html
* [2] http://www.michaelmoore.com/warroom/f911notes/index.php?id=20 )
* [3] http://www.sueddeutsche.de/politik/441/312356/text/
* [4] http://thenews.com.pk/top_story_detail.asp?Id=14300
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Sozimod (26.06.2009, 12:59 Uhr)
Hindukusch
Hier ist ein Link:
http://www.schritte-zur-abruestung.de/
Fordert die etablierten Parteien auf, diesen sinnlosen Krieg in Afghanistan zu beenden. Raus aus dem Hindukusch!
Raus aus der Atomenergie!
# Stopp aller Rüstungsexporte
# Förderung ziviler Konfliktbearbeitung und der Friedensforschung mit 500 Mio Euro jährlich.
# Entmilitarisierung der Europäischen Union
# Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr- Danke
vegefranz (25.06.2009, 18:24 Uhr)
Bundeswehr raus aus Afghan - dringender bedarf im Inneren

Bundeswehr raus aus Afghan - dringender bedarf im Inneren. Es gibt Teile deutscher städte, die vom normabürger nicht mehr betreten werden können. HIER sollte die Bundeswehr für Schutz sorgen.
Tanboyone (25.06.2009, 14:41 Uhr)
ZURÜCK ZUM ZUSEHEN!
Ja am besten zurück zum Grundgesetzt!
Überlassen wir diese Afghanen doch einfach den US-Soldaten, die da keinen bock drauf habn und andauernd scheiße baun!
Ja was sind denn schon ein paar Afghanen?
Die habn ja noch nicht einmal ein Grundgesetzt!
Die bedeuten nichts!!
Wir, wir deutschen wir sollten die einfach da lassn, die Zählen nämlich nich!
Moment, doch tun sie und zwar dann wenn wir abgezogen sind und man dann im TV sieht wie all diese Leute hingerichtet und verstümmelt werden, verhungern etc…
Ja dann rufen alle "Ihr blöden Bundeswehr-Soldaten warum seit ihr bloß abgezogen!
Es muss das Kind immer erst in den Brunnen fallen.
Nur in diesem Fall ist das Kind ein Land und es geht um Menschenleben!
kralli19 (25.06.2009, 13:02 Uhr)
@ mikado
Schonmal drüber nachgedacht, das die Selbsmordattentäter genau deswegen in den Westen gehen...weil der Westen in deren Ländern Soldaten stationiert hat !
Und Nein, Soldaten sind keine Helden, sie tun ihre Pflicht, was ich auch gut finde. Ich habe Achtung und Respekt vor Soldaten, die diese Verantwortung auf sich nehmen. Nur sind die toten Soldaten in Afghanistan NICHT für unser Land gestorben. Sie verteidigen dort nicht unsere Freiheit, sie machen unsere Welt nicht sicherer mit ihrem Einsatz dort, eher im Gegenteil.
Mit welch edlen Motiven einige Soldaten auch dort hingegangen sein mögen, unsere Politiker verfolgen keine solchen und daran muss das gemessen werden.
Vincent_Vega (25.06.2009, 12:54 Uhr)
Sodaten sind keine Helden?...
Kalr, wenn man nur davon ausgeht, dass Soldaten dazu da sind, rambomäßig in der Gegend rumzuballern.
Aber angenommen, es hätte 1994 in Ruanda - als die extreme Hutus begannen, die Tutsis und gemäßigte Hutus abzuschlachten- einen Einsatz von Soldaten gegeben, mit dem Ziel, das Abschlachten von Zivlisten zu beenden, sodass es nicht zu einer 1.000.000. Toten sondern nur zu 100.000 oder 500.000 Toten gekommen wäre? Würden dann jene, die nicht abgehsclachtet wöorden wären ,dann sagen, dass eben jene Soldaten eben doch Helden wären?
Und genau das ist doch zumindest die einzige moralische Berechtigung, Soldaten nach Afgahnistan zu schicken, eben die, Menschen zu schützen, die sonst von den Taliban geknechtet, gefoltert und ermordet werden.
Mikado11 (25.06.2009, 12:19 Uhr)
Doch, sind sie, heute erst recht
phil_x
natürlich zeigen die genannten Gruppen auch großen Einsatz, der gewürdigt werden muss. Aber welches größere Opfer kann es geben, als das eigene Leben? Dies ist etwas Absolutes, dahinter verblasst jedweder anderer (anerkennenswerter) Einsatz.
@Sozimod
ich würde es auch begrüßen, wenn Soldaten nicht nötig wären. gefährlich ist aber die Einstellung, man müsste nur Gewalt ablehnen, dann wird alles gut.
Was würde passieren, wenn wir nur Aufbauhelfer in Afghanistan hätten? Es würden viel mehr Särge zurück kommen.Was sagst du dem Selbstmordattentäter, der im Begriff ist, deine Familie auszulöschen? Hey, Gewalt ist doof, deswegen lege ich mal meine Waffe beiseite und diskutiere mit ihm über Sozialpolitik?
phil_x (25.06.2009, 11:58 Uhr)
Soldaten sind keine Helden
Helden sind Menschen, die sterbenskranken Patienten im Krankenhaus den Hintern abwischen, Helden sind Frauen, die allein neben drei Jobs ihr Kinder groß ziehen, Helden sind sogar Menschen, die Flugzeuge im East River notlanden. Soldaten sind Menschen, denen in Ausübung ihres selbstgewählten Berufes Gefahren drohen.
Die Zeiten, als in diesem Land Soldaten zu Helden stilisiert wurden, sind Gott sei Dank seit 64 Jahren vorbei.
Sozimod (25.06.2009, 11:51 Uhr)
Soldaten Helden ?
@Mikado11:
Deine Einstellung ist nur traurig. Diese Soldaten sind keine Helden, sondern Opfer. Menschen die sich sozial für andere einsetzen, ohne mit Waffengewallt sich ihr Recht erstreiten. Das sind Helden. Die Regierung und der Verteidigungsminister Jung haben die Verantwortung sich nach dem Grundgesetz zu richten. Aus unserem Land darf kein Krieg geführt werden. Warum wohl haben unsere Regierungen so seltene Formulierungen gewählt. Um die Menschen in Deutschland zu täuschen. Ich will nie das durch das System Menschen geopfert werden. Dieser Krieg hat keine gesetzliche Reglementierung. Eine Friedesnmission wäre Legitim, aber ohne Soldaten.
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