Es ist eine kühne Vision: Im stern hat FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis ein Strategiepapier veröffentlicht, das auf die Fusion zwischen FDP und Grüne dringt. Im stern.de-Interview erläutert er nun, weshalb die Liberalen unbedingt mit den Grünen anbandeln müssen - und was für eine Macht daraus erwachsen könnte.

FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis: "Das ist kein unüberwindbarer Graben."© Eric Vazzoler/Zeitenspiegel
Für mich ist die Fusion von Gelb und Grün eine Vision. Also könnten Sie mich auch einen Visionär nennen. Was so unterschiedlich politisch miteinander konkurriert hat, wächst nicht über Nacht zusammen. Die Fusion benötigt natürlich einen langfristigen Prozess, der mit einer stärkeren Zusammenarbeit in der Opposition oder in einer Koalition beginnen könnte. Am Ende stünde dann die Vereinigung des alten und des neuen Bürgertums.
Ich fordere doch nicht die Auflösung der FDP. Ich wende mich allerdings energisch dagegen, die Grünen weiterhin als natürlichen und schlimmsten Feind der Liberalen zu betrachten. Die FDP stellte immerhin weltweit den ersten Umweltminister mit Hans-Dietrich Genscher. Beide Parteien kämpfen doch in der politischen Mitte um ähnliche Wähler. Liberalen muss es außerdem erlaubt sein, über den nächsten Wahltag hinaus weit in die Zukunft zu denken. Nur so ist es einst Werner Maihofer und Karl Hermann Flach gelungen, die FDP aus ihrer Rolle als einer reinen Funktionspartei zu befreien.
Zunächst einmal beschäftigt mich der Gedanke als Generalsekretär der saarländischen FDP. Ich werde natürlich nicht umhin können, diese Idee auf bundespolitischer Ebene vertreten zu müssen, weil es gewiss auch andere Meinungen dazu gibt. Es wäre wünschenswert, wenn sie in absehbarer Zeit auch im Bundesvorstand diskutiert werden könnte.
Ihr Klischee war in der Vergangenheit nie zutreffend. Gleichwohl geht es um die Menschen, die vernünftig und problemorientiert denken. Die sensibel denken und sich trotzdem in der Mitte der Gesellschaft bewegen.
Alle Themen, die mit der Verbindung von Ökonomie und Ökologie in Zusammenhang stehen. Beim Thema Klimawandel geht es zum Beispiel darum, Fragen des Umweltschutzes mit der Marktwirtschaft und der technologischen Entwicklung zu verbinden.
Die FDP bezeichnet in ihrem Umweltprogramm die Kernkraft als Übergangstechnologie, die Grünen sprechen von Ausstiegsszenarien. Das ist kein unüberwindbarer Graben, obwohl ich für die Kernkraft bin. Aber genau da wird in Zukunft die künftige strategische Auseinandersetzung unserer Republik stattfinden. Und eine Generation muss sich offen diesen Zukunftsfragen stellen – mit einem demokratischen Kompromiss am Ende.
Klar, mit denen geht nichts zusammen. Ich gehe davon aus, dass diese linken Grünen sich willig der Sogwirkung der neuen Linkspartei ergeben und die alte politische Heimat verlassen. Mir geht es darum, pragmatisch, vernünftig denkende Grüne, die sich in der Mitte der Gesellschaft bewegen, zu einer Partei des neuen Bürgertums zu ermutigen.
Bei Angela Merkel und Franz Müntefering hat man lernen können, dass sich sehr unterschiedliche Politiker zusammenraufen können, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen.
Exakt das ist der Ausgangspunkt meiner Überlegungen zu einem Zusammenwachsen von FDP und Grünen. Ich bin Realist und weiß, dass 2009 selbstverständlich nicht mit einer Fusion zu rechnen ist. Es handelt sich wie gesagt um einen langfristigen Prozess.
Ein sehr interessanter Vorschlag. Er könnte im Prozess des Zusammenwachsens von Gelb und Grün ein Mittel sein, um schneller zueinander zu finden. Denn selbstverständlich können Liberale und Grüne nicht so bleiben, wie sie heute sind. Hier muss ein Prozess stattfinden, bei dem die Zentren der beiden Parteien sich aufeinander zu bewegen, nicht die Ränder. Dieses Land braucht eine starke politische Mitte, die selbstbewusst den beiden Volksparteien entgegen treten kann. Wir wären dann die Kanzlermacher.