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16. April 2009, 07:29 Uhr

Manager sollen für Pannen haften

Die Unionsfraktion im Bundestag hat sich auf schärfere Auflagen für Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften geeinigt. Künftig sollen sie bei ihren Haftpflichtversicherungen für Managementpannen einen Eigenanteil leisten. Von Jens Tartler

Vorstand, Manager, Haftpflichtversicherung, CDU, Haftung, Eigenanteil

Geht es nach der CDU, sollen Manager künftig bei krassem Versagen teilweise selbst finanziell gerade stehen© Colourbox

Die Finanzexperten von CDU und CSU haben sich darauf verständigt, dass Vorstände künftig bei ihren Haftpflichtversicherungen für Managementfehler eine Eigenbeteiligung übernehmen sollen. Die Sorge, dass dieser Selbstbehalt in der Praxis einfach auf das Gehalt draufgeschlagen werde, seien ausgeräumt, hieß es am Mittwoch in der Fraktion.

Außerdem will die Union erreichen, dass Vorstände eine "Abkühlungsphase" von mindestens drei Jahren einlegen, bevor sie in den Aufsichtsrat wechseln. Vertreter von Großunternehmen hatten behauptet, dadurch würde das Fachwissen der Manager verloren gehen. In der Unionsfraktion hält man aber dagegen, dass Vorstandschefs, die sofort in den Aufsichtsrat wechseln, dort nur die eigenen Fehler aus der Vergangenheit vertuschen wollten. Als Beispiele werden die Commerzbank und Siemens genannt.

Mit diesen Beschlüssen geht die CDU/CSU einen großen Schritt auf den Koalitionspartner SPD zu. Die Sozialdemokraten hatten Verschärfungen gefordert, die über den Gesetzentwurf hinausgehen, der bereits vom Bundeskabinett verabschiedet worden war. Am Donnerstag kommender Woche wollen die Finanzexperten beider Koalitionsparteien erneut beraten, um vor der Sommerpause das Gesetz im Bundestag verabschieden zu können.

Die Union setzt sich auch dafür ein, dass die Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften ein Missfallensvotum zu den Gehältern des Vorstands abgeben können. Vorbild sind Großbritannien und die Schweiz. In dem Alpenland wurde diese Regelung sogar per Volksbegehren eingeführt. Das Missfallensvotum soll nicht rechtsverbindlich sein. Die CDU/CSU verweist aber darauf, dass in den beiden Ländern Rücksicht auf solche Voten genommen werde.

Die Unionsfraktion will die Aufsichtsräte von 20 auf 16 Mitglieder verkleinern. Das lehnt aber die SPD ab, weil es dadurch weniger lukrative Posten für Gewerkschafter geben würde. Auch die Idee der CDU/CSU, die Höchstzahl der Mandate von zehn auf fünf pro Kopf zu reduzieren, hat wenig Chancen bei der SPD.

Dissens gibt es auch bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Vorstandsgehältern. Die Sozialdemokraten wollen, dass diese nur noch bis zu einer Höhe von einer Million Euro voll als Betriebsausgaben anerkannt werden, darüber hinaus nur noch zur Hälfte. Einzelne Unionspolitiker hatten Sympathie für diesen Vorschlag gezeigt. Mittlerweile gibt es aber Konsens in der CDU/CSU, dass man diese Idee ablehnt. Das gleiche gilt für die Verpflichtung der Unternehmen auf das Gemeinwohl. Die SPD möchte diese Verpflichtung im Aktiengesetz festschreiben.

Bessere Chancen hat die Überlegung der Unionsfraktion, Boni für Manager erst nach fünf Jahren auszuzahlen. Dadurch sollen sich die Führungskräfte stärker am langfristigen Erfolg des Unternehmens orientieren. Diese Forderung wurde auch schon von den Finanzexperten der SPD erhoben. So bestehen gute Chancen auf eine Einigung.

Von Jens Tartler
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
audio001 (17.04.2009, 18:48 Uhr)
Super Idee!
Mein Vorschlag ist, dass sich die Politiker gleich mit in ein Regelwerk von "Haftung für politische Entscheidungen" mit einbeziehen. Die politischen Entscheidungen würden dann zwar vermutlich nicht besser, aber es werden weniger!
Möglicherweise würde uns dann in Deutschland noch viel erspart bleiben!
Angel_of_Mercy (17.04.2009, 01:07 Uhr)
Augenwischerei
Der Maßnahmenkatalog ist Pfusch, wie üblich. Er macht das System noch undurchsichtiger, aber nicht besser.
Wen wunderts, finden doch die, die dies beschließen vor, während und nach ihrer Politikerkarriere eine zweite Heimat in den oberen Gremien der Unternehmen.
Ich vermisse:
Mitarbeiterbeteiligung für alle Arbeitnehmer eines Unternehmens.
Gesetzliche Regelung, dass der Spitzenverdiener nicht mehr als ein bestimmtes Vielfaches des am wenigsten Verdienenden bekommt.
Beseitigung der Steuerbefreiung von Gewinnen an Firmenveräußerungen.
utospatz (16.04.2009, 18:31 Uhr)
Oh Herr die Union hat bergriffen
Haftung. Achtung! 1 christlicher Cent? Jahrelang das eigene Volk abzocken mit Mehrwertsteuer, denn 16+0= 19%! Was und wie man eine sogenannte große Koalition wohl nennt! So hat laut Demoskopie jedes Arschloch die letzte Wahl gewonnen!
Es wird spannend sein zu sehn, um wieviel % die Wahlbeteiligung wird runtergehn!
dippegucker (16.04.2009, 11:35 Uhr)
@jetrabbit
Putin = Kommunismus ???
Haben Sie etwas verschlafen ? Aufwachen !
dippegucker (16.04.2009, 11:33 Uhr)
@Malt
"Das klingt so nach höherer Gewalt - aber die Manager (vor allem die, die die momentane Krise ausgelöst haben) wussten ganz genau was passieren kann - und das ist dann keine Panne sondern mutwillige Zerstörung!"
Bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht tritt die Versicherung ohnehin nicht ein, da muß der Verursacher persönlich haften.
Allerdings habe ich bislang noch nicht wahrgenommen, daß eine zugrundegerichtete Firma ihre Manager in Regreß genommen und etwa beanspruchte Boni als Faustpfand zurückbehalten hätte.
jetrabbit (16.04.2009, 11:23 Uhr)
keiner will kommunismus
aber wenn die raffgier zu gross wird, fallen wir auf diese systeme zurück.
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allerdings möchte ich lieber unter putin leben und regiert werden, als in einem kapitalistischen land, wo die sicherung der reichen durch russische gesetzte überwacht wird.
Malt (16.04.2009, 10:53 Uhr)
Warum "Pannen"?
Das klingt so nach höherer Gewalt - aber die Manager (vor allem die, die die momentane Krise ausgelöst haben) wussten ganz genau was passieren kann - und das ist dann keine Panne sondern mutwillige Zerstörung! Da hat jeder genau über die Risiken bescheid gewußt - die haben halt nur drauf geschissen, weil sie aus purer Gier die Taschen nicht voll genug bekommen haben... und jetzt die Preisfrage: Welche Versicherung versichert gegen Mutwilligkeit? Ganz genau: Keine einzige!
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Hier geht es, im Endeffekt, nur darum den Leuten weiter Narrenfreiheit einzuräumen... nichts anders will uns dieser Artikel erzählen!
Gockeline512 (16.04.2009, 10:41 Uhr)
Geht doch schon in die richtige Richtung
Entscheidungen in die richtige Richtung tut not,bitte auch umsetzen!Nur dann hat es auch Wirkungen,sonst bleibt es nur eine Spielwiese für Profilneurotiker.Ein User hier gab den Gedanken her dies auch bei Politiker zu fordern.Auch hier wäre es angebracht bei großem Fehlverhalten ihm sein Amt zu nehmen.Es werden so große Fehler begangen und keiner muß dafür Verantwortung tragen.Nur im Straßenverkehr tragen wir die Konsequenzen und werden abgezockt.
Westerle.Merkwelle (16.04.2009, 10:29 Uhr)
Positives Beispiel ein redlichen Managers... Wann bekommen wir solche Politiker?

Steve Jobs, einer der Gründerväter von Apple, hat auch im Geschäftsjahr 2008 für ein symbolisches Gehalt von 1$ für Apple gearbeitet.
Jobs ist - ganz im Gegensatz zu Bill Gates -einer der kreativsten und charismatischten Firmenlenker, den die jüngere Industriegeschichte zu bieten hat. Er wurde einst von seinen Compagnions aus dem Unternehmen gedrängt.
Nachdem sämtliche hochbezahlten "CEO- Leistungsträger" in gewohnter Raffgier- aber ohne jedliches Gespür für Innovationen - das Unternehmen an den Rand des Ruinś getrieben hatten, Kehrte Jobs zurück und katapultierte Apple in kürzester Zeit wieder an die Spitze amerikanischer Top Unternehmen. iPod, iPhone, iMac - ohne Steve Jobs undenkbar.
Für mich ist dies ein Mann, der wirklich jeden Cent wert wäre! - wenn er sich nicht mit einem $ begnügte. Um ihn nicht ganz so glorreich zu tünchen, sollte man an dieser Stelle allerdings auch erwähnen, dass Jobs andere Einnahmequellen hat. (Was andere Manager in vergleichbar komfortabler Lage allerdings nicht davon abhält, kräftige Vorstandsgehälter zu kassieren) Mehr über Jobs gibt es hier zu lesen:
de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs
Wo sind die nichtkorrupten Politiker, die für 1€ Salär den Ausverkauf des Landes stoppen und den Arbeitsmarkt wieder auf Vordermann bringen?
knilch_59 (16.04.2009, 09:31 Uhr)
Die können es einfach nicht!
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An dem Murks, der jetzt wieder diskutiert wird, zeigt sich deutlich, dass die Politiker den Wust der Gesetze, die sie erzeugt haben, nicht mehr überblicken. Also wird die Flickschusterei mit der nächsten Welle von Regelungen verschlimmbessert:
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Beispiel Haftpflichtversicherung für Manager: Warum soll es überhaupt im Interesse des Unternehmens liegen, dass die Organmitglieder eine Haftpflichtversicherung haben? Die Vorstände und Aufsichtsräte haben eine persönliche Haftpflicht, also sollen sie auch selbst und persönlich entscheiden, ob sie sich gegen Ansprüche versichern: Kein Abzug bei den Betriebsausgaben, sondern in der persönlichen Steuererklärung der Organmitglieder. Die Prämienhöhe regelt dann der Markt und ist risikoorientiert am Unternehmen und der Kompetenz der Organmitglieder – höhere Selbstbeteiligung verbilligt die Prämie, …
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Limitierung der Bezüge funktioniert auch nicht. Die Oberbosse sitzen eben regelmäßig in nicht nur einem Vorstand, sondern in der Konzernholding, den Tochter-AG-s und sind vielleicht noch GeschFü-s oder Aufsichtsräte in weiteren verbundenen Unternehmen. Ein Deckel ist praktisch nicht zu kontrollieren und auf keinen Fall, wenn es auch noch ausländische Beteiligungen gibt. Dann werden die Bezüge eben unter die verschiedenen Gesellschaften aufgeteilt, so dass es wieder passt. Reine Paragrafenakrobatik ohne praktische Auswirkungen …
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Verkleinerung der Aufsichtsräte: Ob das 16 oder 20 Leute sind, bleibt sich letztlich gleich – da braucht es keinen Gesetzgeber zur Reglementierung. Viel entscheidender ist die Frage, welche Entscheidungen nicht im Gesamt-Aufsichtsrat, sondern in seinen Ausschüssen getroffen werden dürfen – aber da will man nicht ran. Gerade dabei geht es aber um Transparenz – warum sollen einige AR-s mehr wissen dürfen als andere? Nach dem Gesetz haften alle gleich!
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„Abkühlungsphase“: Die Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat sind derart unterschiedlich, dass es die nicht braucht, wenn alle Aufsichtsräte über den gleichen Kenntnisstand zu verfügen haben. Dabei kann der Sachverstand aus der operativen Ebene aus der vergangenen Funktion sehr nützlich sein.
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Und die Boni in der Höhe limitieren zu wollen, ist sowieso der größte Schwindel aller Zeiten! Da wäre es besser, einfach die Optionen zu verbieten. Die bekommen Aktien mit mindestens 5-jähriger Haltefrist. Keine Altersversorgung mehr, am Ende des Geschäftsjahres sind auch die Bezüge „aus den Büchern“ – basta!
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Fazit: Statt alles immer noch komplizierter zu machen, sollte man sich auf das Ursprüngliche zurück besinnen . keep it short and simple!
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Aber was will man von diesem Haufen beamteter Juristen auch erwarten. Die organisieren sich selbst ihre Beschäftigung für die nächsten Jahre!
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