5. August 2009, 12:06 Uhr

Kabinett beschließt Eindämmung von Steueroasen

Die Bundesregierung hat das neue Gesetz gegen Steuerhinterziehung im Ausland auf den Weg gebracht. Wer künftig in international geächteten Steueroasen Geld anlegt oder dort Geschäfte tätigt, muss sich auf strengere Nachweispflichten einrichten. Offen ist allerdings noch, für welche Länder die Sanktionen konkret gelten.

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Darf nicht allein entscheiden, welches Land auf die Liste der Steueroasen kommt: Finanzminister Peer Steinbrück©

Für Steuersünder brechen härtere Zeiten an: Die Bundesregierung hat am Mittwoch die Rechtsverordnung zum neuen Gesetz gegen Steuerhinterziehung im Ausland gebilligt. Den Bürger treffen demnach erweiterte Nachweispflichten, wenn sie Geschäfte in international geächteten Steueroasen machen oder dort Geld anlegen.

Für welche Länder diese Sanktionen konkret gelten, hat die Regierung noch nicht festgelegt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte zunächst geplant, die Länder mit einem einfachen Verwaltungsschreiben im Alleingang zu bestimmen. Nach heftiger Kritik aus der Wirtschaft sollen nun auch das Auswärtige Amt und das Wirtschaftsministerium bei dieser Frage beteiligt werden. Als Steueroasen bezeichnete Länder sollten "im Einvernehmen" mit den beiden Ministerien und mit Zustimmung der Länder-Finanzbehörden in einem gesonderten Schreiben veröffentlicht werden, heißt es in der Verordnung.

Steinbrück sagte, die Liste der Staaten werde "ohne schuldhaftes Zögern" aufgestellt. Er kündigte an, dass mit der Schweiz noch im August Verhandlungen über Steuerinformationen beginnen sollen. Gleichzeitig verteidigte er seine teils scharfe Kritik an manchen Ländern. "Ich halte daran fest, dass auch manches deutliche Wort von mir richtig gewesen ist, um Druck auszuüben."

Der Minister sagte, ihm gehe es nicht darum, Anlagen im Ausland zu bestrafen, sondern diese müssten ordnungsgemäß versteuert werden. Der Bundesrat soll der Verordnung am 19. September zustimmen.

Der stellvertretende SPD-Chef betonte, dass Steuerhinterziehung kein Bagatelldelikt sei. Der jährliche Schaden für den deutschen Fiskus betrage Schätzungen zufolge mindestens 100 Milliarden Euro.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Swissmiss (07.08.2009, 17:11 Uhr)
Immer auf die Kleinen
Sicher will der P.S. auch die Schweiz auf die Liste packen. Dabei gibt es jetzt ja schon Amtshilfe in vielen Fällen. Dafür aber muss man sie erst beantragen - und das wird aus D ja gar nicht gemacht! In den letzten Jahren sind aus D gerade mal eine handvoll Amtshilfegesuche für Steuerbetrug in der CH eingegangen. Die bestehenden Verträge nicht anwenden, dann aber laut schreien, die CH betreibe unfaire Steuerpolitk - das ist doch eine Farce. Der P.S. will mit dem neuen rumgepolter wohl einfach von seiner eigenen Unfähigkeit ablenken.
Übrigens: Gegen andere Länder rumstänkern, aber Steuerfander im eigenen Land kaltstellen, das ist wirklich unfair - Siehe http://www.swr.de/report/-/id=233454/sgpaia/index.html
utospatz (06.08.2009, 12:57 Uhr)
Sind dies tatsächlich Alles Zumwinkel-Oasen?
Welches Parteibuch,-oder Gewerkschaftsbuch hatte der? Je höher du steigen willst, desto krimineller musst Du werden!
bR4iNST0RM (05.08.2009, 17:26 Uhr)
„Kabinett beschließt Eindämmung von Steueroasen“
„Eindämmung“? Also immer noch offene Schlupflöcher! Es ist zum Brechen! Als wenn es noch Politiker gibt, die daran wirklich Interesse haben! Die sägen doch nicht am eigenen Ast!
knilch_59 (05.08.2009, 16:02 Uhr)
So wird Gesetzgebung zur Farce
Wenn es denn eine Steueroase gäbe, dann würde man in .de Folgendes machen: …
Ohne direkte Nennung von Ross und Reiter ist es doch irrwitzig, überhaupt das Gesetz auf den Weg zu bringen!!!
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Aber noch schlimmer ist für mich ein ganz anderer Aspekt, an den wir uns schon gewöhnt haben: Nach der Verfassung sollte unser Land eine parlamentarische Demokratie sein, in der die Regierung die Gesetze ausführt, die das Parlament beschließt. Klar kann ausnahmsweise (!) auch mal die Regierung einen Gesetzesvorschlag ans Parlament machen, aber wir haben es längst akzeptiert, dass es anders herum läuft. Die Gewaltenteilung ist so faktisch abgeschafft, weil sich regelmäßig die Exekutive ihre Gesetze bestellt. Das Parlament verkommt zur reinen Laberbude – so groß ist der Unterschied zur Volkskammer der DDR nicht mehr!
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Oder will das Deutsche Volk in Wirklichkeit die Präsidialdemokratie wollen, in der die Exekutive Gesetze erlässt? Dann wird es Zeit zu einem Abriss des Reichstags und wir packen das Grundgesetz in die Tonne!
havit (05.08.2009, 13:04 Uhr)
Steinbrück selbst
hat doch vorgemacht, wie alles läuft. Nun kurz vor dem absaufen schreit er nochmals Hilfe Hilfe, bevor am 27.09.2009 das Licht bei ihm ausgeht. Alles verschlafen während seiner Amtszeit, nun ein bisschen Radau machen. Ciao Peer Steinbrück, das war es.
raptor-xl (05.08.2009, 12:39 Uhr)
allein die wortwahl ist doof!!!!
steueroase!!! eine oase ist in der wüste ja kein problem. eher ein rettungsfall.
und so muss man das auch mit den anderen ländern sehen. weil hier die banken alles verzocken, der staat alles hoch besteuert und dann kriegt man auf vermögen 2,5 - 4% an zinsen, ist es doch völlig normal, dass menschen mit geld andere wege suchen. denn lassen sie das vermögen hier, dann kannste zuschauen, wie es jkleiner wird und das, obwohl davon nichts abgehoben wird.
das ist wie mit der deutschen mauer. statt die situation zu verändern und anreize zu schaffen, dass deutsche ihr geld hier lassen wollen oder gar hier investieren, versucht man das weglaufen der gefrusteten! was für ein unsinn!!! wir könnten das geld hier selbst gut gebrauchen!
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