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Gut gemeint, schlecht gemacht

Der Staat verbietet gewerbsmäßige Sterbehilfe. Doch das Gesetz verhindert, dass Menschen mit Todeswunsch bestmöglich geholfen wird.

Ein Kommentar von Laura Himmelreich

In der aktuellen Bundestagsdebatte wurde entschieden, inwieweit Menschen ein Recht auf Hilfe zur Selbsttötung haben.

In der aktuellen Bundestagsdebatte wurde entschieden, inwieweit Menschen ein Recht auf Hilfe zur Selbsttötung haben.

Der Bundestag hat heute die gewerbsmäßige Sterbehilfe verboten. Die Absicht der Politiker ist gut, zweifellos. Sie wollen verhindern, dass Vereine Geld damit verdienen, Menschen den tödlichen Medikamentenbecher zu reichen. Doch wie so oft, ist gut gemeint nicht gut gemacht. Der Staat überlässt es nicht den Bürgern zu entscheiden, wie sie sterben wollen. Er verunsichert die Ärzte. Und er verhindert eine wirksame Suizidprävention.

Der Bundestag ignoriert den Willen der Bevölkerung. Eine breite Mehrheit der Deutschen findet, Sterbehilfe sollte erlaubt sein. Über 140 Jahre lang war die Hilfe zum Suizid erlaubt. Bislang ohne, dass reihenweise Vereine oder Angehörige den Giftbecher gereicht hätten. Der Bundestag ignoriert ebenso 140 Strafrechtsprofessoren, die gewarnt haben, dass die Politik mit diesem Gesetz das Strafrecht missbraucht. Es gibt keine rechtliche Pflicht zum Leben. Der Suizid ist kein Unrecht. Also kann auch die Hilfe zu einem selbstbestimmten Suizid kein Unrecht sein.


Ab wann ist Sterbehilfe geschäftsmäßig?

Sicher, kommerzielle Sterbehilfe ist ein Ärgernis. Moralisch ist es verwerflich, aus dem Sterbewunsch anderer Kapital zu schlagen. Doch es würde völlig ausreichen, Vereinen und Firmen, die Gewinne mit Suizidhilfe erzielen, so heftige Bußgelder aufzuerlegen, dass sich das Geschäft für sie gar nicht mehr lohnt. Der Staat überschreitet seine Kompetenz, wenn er etwas mit der Keule des Strafrechts bedroht, nur weil er es selbst als Ärgernis empfindet.

Anstatt nur kommerzielle Vereine zu verbieten, macht der Staat nun auch Ärzten, die verantwortungsbewusst helfen wollen, das Leben schwer. Denn was heißt "gewerbsmäßig" überhaupt? Darf ein Arzt einem unheilbar Kranken mit starken Schmerzen noch den Becher mit den tödlichen Medikamenten aushändigen? Ist das schon "gewerbsmäßig", weil er natürlich auch als Arzt mit seiner Arbeit Geld verdient. Ist es erst gewerbsmäßig, wenn er es öfters macht, zwei Mal, drei Mal oder erst bei zehnten Mal? Das Gesetz lässt Ärzte und Palliativmediziner im Unklaren. Die Ärzte müssen fürchten, dass sie irgendwann vor Gericht stehen könnten, nur weil sie besten Wissens und Gewissens ihren Patienten geholfen haben.

Gesetz macht Ärzten das Leben schwer

Viele Ärzte wird das verabschiedete Gesetz verunsichern. Dabei sind Ärzte gerade diejenigen, die Menschen mit Suizidwunsch am besten helfen könnten. Sie können einschätzen, welche Schmerzen vermeidbar wären. Sie können beurteilen, ob der Sterbenswunsch wirklich von einer unheilbaren Krankheit kommt, oder es für den Patienten Hilfe gibt. Wenn der Arzt aber Angst haben muss, vor Gericht zu landen, wird er nicht mehr offen beraten können. Und wenn der Patient befürchtet, seinen Arzt in Schwierigkeiten zu bringen, wird er nicht mehr ehrlich über seinen Todeswunsch sprechen. Der Gesetzgeber lässt damit gerade jene alleine, für die Hilfe am dringendsten nötig ist.

Es gibt Fälle, da wäre es besser gar kein Gesetz zu verabschieden, als solch ein schlechtes. Aber es besteht die Hoffnung, dass dieses unheilvolle Gesetz ohnehin so schlecht gemacht ist, dass es bald das Verfassungsgericht kippt.

Kommentare (1)

  • Pfuetzenreuter
    Pfuetzenreuter
    Ob das Gesetz gut oder schlecht gemacht wurde,hängt vom Betrachter ab! Aus der Sicht der Pharma-Industrie ist es sicherlich Gut gemacht,denn an den Toten kann man nicht mehr verdienen!Aus der Sicht des Patienten ist es ein schlechtes Gesetz,denn er muss eventuell in einer Palliativstation langsam dahin siechen.Damit ist der Gewinn der Pharmaindustrie bis zur letzten Stunde gesichert!Bei diesem Gesetz hat ganz eindeutig der Patient verloren,der (aus welchen Grund auch immer) nicht mehr leben möchte.Warum mischt sich unsere Regierung da überhaupt ein,sie scheint wie oft andere Interessen zu haben!

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