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Ratgeber Südafrika entdecken

Südafrikas unterschätzte Metropole

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Fans der Fußballmannschaft "Bid Vest Wits" feiern einen Erfolg ihres Teams auf dem Platz©

Geschichte und Gegenwart auf engstem Raum

Auf dem Witwatersrand-Campus kann, wer mag, auch ein Fußballspiel der Bid Vest Wits verfolgen. Obwohl der Club in der ersten Liga kickt, sieht das Stadion bestenfalls drittklassig aus. Daran hat auch die Fußball-WM nichts geändert. Auf dem Uni-Gelände befindet sich auch das Origins Center. Das prähistorische Museum zeigt unter anderem Fundstücke aus der bei Johannesburg gelegenen "Cradle of Humankind" - der Wiege der Menschheit.

Fährt man von "Wits" auf der M1 Richtung Soweto kommt man zu dem Vergnügungspark Gold Reef City. Der zwischen den Abraumhalden der ehemaligen Goldminen gelegene Park bietet nicht nur Achterbahnen und Fahrgeschäfte, sondern auch einen Einblick in die Welt der Goldgräber, die Johannesburg reich gemacht haben und der Stadt ihren Beinamen eGoli - Stadt des Goldes - bescherten. Errichtet wurde Gold Reef City über einer alten Goldmine; bis zu einer Tiefe von 220 Metern ist der Schacht für Besucher zugänglich.

Gleich nebenan befindet sich das Apartheid-Museum. Hier erhält man eine Lehrstunde in südafrikanischer Geschichte: Die Eintrittskarte entscheidet über die "Rassenzugehörigkeit" der Besucher. Es existieren separate Eingänge für Weiße und Nicht-Weiße. Das System der Rassentrennung wird so gleich zu Beginn beklemmend erfahrbar. Die hervorragende Ausstellung endet mit den freien Wahlen von 1994, bei denen Nelson Mandela erster schwarzer Präsident Südafrikas wurde.

Millionärsvillen neben Wellblechhütten

Knapp 10 Kilometer südwestlich vom Apartheid-Museum lassen sich die Orginalschauplätze des Widerstands besichtigen: In die "South Western Townships" Soweto wurden während der Apartheid die schwarzen Arbeiter abgeschoben. Später wurde Soweto zur Keimzelle des Kampfs gegen die Herrschaft der weißen Minderheit. Beim Schüleraufstand von 1976 ließen zahlreiche protestierende Schulkinder im Kugelhagel der Polizei ihr Leben. Darunter der dreizehnjährige Hector Pieterson, dessen Foto zur weltweit bekannten Ikone des Widerstands wurde.

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Mpho Sadiki leitet eine Künstlerwerkstatt für Jugendliche in Soweto©

Heute erinnert das Hector Peterson Memorial und ein sehenswertes Museum an den Aufstand. Mpho Sadiki lebt in der Nähe des Memorials, in dem Stadtteil Orlando West. Der 36-Jährige betreibt eine Künstlerwerkstatt für Jugendliche. Er sagt: "Hier hat sich vieles zum Besseren gewandelt. Wir sind jetzt eine ganz normale Stadt." Gemeinsam mit anderen Künstlern gestaltete Sadiki den ersten Kinderspielplatz Sowetos. Soweto ist längst nicht mehr nur von Armut geprägt, sondern eine Großstadt mit schätzungsweise zwei bis fünf Millionen Einwohnern, Krankenhäusern und Shopping-Malls.

In Orlando West, wo auch die Häuser der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Nelson Mandela stehen, lebt die Elite des neuen Südafrika. In der Gegend mit der angeblich höchsten Millionärsdichte des Landes sind die Villen bereits wie in anderen wohlhabenden Vierteln Südafrikas mit hohen Mauern und Stacheldraht gesichert. Nur wenige Straßenzüge weiter stehen die Wellblechhütten der Armen. Einen Eindruck vom Alltag in Soweto erhält man bei einer der zahlreichen, geführten Township-Tours. Der 32-jährige Lebo Malepa, der in Soweto ein Hostel betreibt, bietet auch Radtouren durch die Townships an.

Doch man hat Johannesburg nicht gesehen, ohne in das Nachtleben Joburgs einzutauchen. So verwandelt sich die 7th Street in Melville, auf der tagsüber Secondhand-Läden, Designershops und Buchhandlungen zum Stöbern einladen, nachts in eine Partymeile. In den Clubs und Bars der liberalen Viertel wie Melville oder Linden gelingt, was im Alltag oft noch schwer fällt: Schwarze und Weiße feiern gemeinsam. Herkunft, sexuelle Orientierung und politische Ansichten spielen bis zum Morgengrauen einmal keine Rolle.

Von Peter Neitzsch
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