Die Vorbereitungen auf die nächsten Olympischen Winterspiele laufen auf Hochtouren. Viele Wettkampfstätten können bereits besichtigt werden. Doch das milde Klima Vancouvers zieht auch unerwünschte Besucher an. Von Ulrike Wiebrecht

Die lebenswerteste Stadt an der Westküste: Vancouver© Ulrike Wiebrecht
In Vancouver hat man das Gefühl, hier seien alle im Urlaub. Asiatische Familien führen ihre Kinder an der English Bay aus, in der Segelboote auf den Wellen des Pazifiks schaukeln. Die Freizeitmöglichkeiten zwischen Meer und Bergen sind so vielfältig, dass es die Städter zu jeder Jahreszeit ins Freie zieht: Sonnenanbeter am Kit's Beach, Jogger im Stanley Park, Wanderer auf dem Grouse Mountain. Die heitere Ferienstimmung wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, dass hier bald die Olympischen Winterspiele stattfinden.
Fünf Monate vor dem Großereignis würde anderswo helle Aufregung herrschen. Nicht so in British Columbia, wo fast alles nach Plan läuft. Alle Sportstätten in Vancouver, unter anderem die Eishockey-, Eiskunstlauf- und Eisschnelllaufmeisterschaften stattfinden, sind fertig. Ebenso die im zwei Stunden entfernten Whistler - Austragungsort für die Wettkämpfe in Alpinski und nordischen Disziplinen und Rodeln. So ist die spektakuläre "Peak to Peak Gondola", die in elf Minuten vom Gipfel des Whistler Mountain zum Blackcomb Mountain schwebt, bereits im Dezember 2008 in Betrieb gegangen.
Neue Hotels wie das Shangri-La haben längst geöffnet. Bald werden auch die letzten Baumaßnahmen abgeschlossen sein: Nach dem Sea to Sky-Highway von Vancouver nach Whistler wird Ende September die Canada Line an den Start gehen - eine überfällige Schnellbahnverbindung vom Flughafen in die Innenstadt.
Besucher brauchen keine Angst haben, in Vancouver über Baustellen zu stolpern. Während ihres Sightseeing-Programms können sie schon die eine oder andere Olympiastätte in Augenschein nehmen. Zum Beispiel, indem sie mit dem Aquabus, einer Art Wassertaxi, durch den False Creek schippern und die atemraubende Waterfront der Zwei-Millionen-Metropole an sich vorüber ziehen lassen: Hinter dem Yachthafen von Yaletown erheben sich nicht nur schicke Apartmenthäuser. Dazwischen ragt der Canada Hockey Place heraus, wo die Eishockey-Meisterschaften ausgetragen werden. Dicht daneben lugt das weiße Dach des BC Place Stadium hervor, der Ort der Eröffnungs- und Schlussfeier. Auf der anderen Seite des False Creek versetzt einen das neu gebaute olympische Dorf ins Staunen.
Wo sonst hat es jemals ein olympisches Dorf mit solch einer Traumlage gegeben? Direkt am Wasser und mit fantastischem Blick auf die Skyline der Innenstadt liegen die Wohnungen so zentral, dass einige Olympiastätten zu Fuß oder per Wassertaxi zu erreichen sind. Einziger Schönheitsfehler: die Kosten. Eigentlich sollten zwanzig Prozent der rund 1300 Apartments nach den Spielen dem sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Nun sind sie mit rund 900.000 Dollar pro Einheit so teuer geworden, dass keiner weiß, wie das in Krisenzeiten zu finanzieren ist. So wächst bereits der Druck, die Sozialwohnungen in Bestlage an solvente Privatleute zu verkaufen.
Dabei sollten die Olympischen Winterspiele sozialverträglich, nachhaltig, politisch, ökologisch und in jeder Hinsicht korrekte Spiele werden. Deshalb wurden, was einmalig in der Geschichte der Olympischen Spiele ist, die First Nations, die kanadischen Ureinwohner, in die Planung einbezogen. Einige von ihnen geführte Firmen haben Bauaufträge erhalten, außerdem werden unter den Sportlern Angehörige der First Nations wie die Snowboarderin Chelsie Mitchell vertreten sein. Schließlich gehören vier der Stämme, die Lil´wat, Musqueam, Squamish und Tsleil-Waututh zu den offiziellen Gastgebern. Und das ist gut so. Denn ansonsten begegnet man ihnen fast nur im - überaus sehenswerten - Anthropologischen Museum.
XXI. Olympischen Winterspiele Nach Montreal im Jahr 1976 und Calgary im Jahr 1988, finden in Vancouver die XXI. Olympischen Winterspiele vom 12. bis 28. Februar statt - die Paraolympischen Winterspiele vom 12. bis 21. März 2010. Dazu werden 5500 Wettkämpfer und Offizielle aus über 80 Ländern und 10.000 Journalisten erwartet. Um die Austragungsorte herum gibt es so genannte "Celebration Plazas". Dort feiern Einheimische und Besucher jeden Tag nach Verleihung der Medaillen.