Boeings "Dreamliner" bleibt am Boden

17. Januar 2013, 06:52 Uhr

Fiasko für den Flugzeugbauer Boeing. Sein Superflieger "Dreamliner" hat nach einer Panneserie weltweit Flugverbot. Als letzte hat sich auch Europas Luftsicherheitsbehörde dem Schritt angeschlossen.

Nach der Pannenserie beim "Dreamliner" von Boeing müssen die Maschinen des US-Herstellers weltweit vorerst am Boden bleiben. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) teilte am Donnerstag mit, der von der US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnete Flugstopp für die Flugzeuge gelte weltweit. Das sei eine "seltene Entscheidung", sagte ein EASA-Sprecher in Köln. Nur das Land, in dem ein Hersteller seinen Sitz habe, dürfe eine solche Entscheidung treffen.

Am Abend zuvor hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA verfügt, dass die Boeing 787, so die offizielle Bezeichnung, nach einer Reihe von Fehlfunktionen in den Vereinigten Staaten vorerst am Boden bleiben muss. Als Grund nannte sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. Als Folge dieser Entscheidung nahmen auch die japanische Luftfahrbehörde und Air India die Maschinen aus dem Verkehr.

Der FAA-Entscheidung direkt vorausgegangen war eine Notlandung eines "Dreamliners" in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte. Die beiden japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten daraufhin für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. In der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden "Dreamliners" in Boston gebrannt.

Härtestes Vorgehen gegen Hersteller seit 1979

Bislang hat Boeing 50 "Dreamliner" ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. In den USA fliegt bislang nur United Airlines das Modell und ist entsprechend von der FAA-Anordnung betroffen. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA. Laut Analysten ist es das erste Mal seit 1979, dass Sicherheitsbehörden weltweit so gegen einen US-Flugzeugbauer vorgehen. Boeing-Chef Jim McNerney gab sich trotzdem zuversichtlich, dass der Dreamliner sicher ist. Man wolle so schnell wie möglich Antworten auf die Probleme finden.

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Foto des U.S. National Transportation Safety Board (NTSB) vom Zwischenfall am 7. Januar 2013 in Boston: die explodierte Lithium-Ionen-Batterie im Dreamliner von Japan Airlines.©

Die japanische Luftfahrtbehörde schloss sich am Donnerstagmorgen der Entscheidung der FAA an und unterrichtete die Airlines des Landes, dass der Betrieb des "Dreamliners" bis auf Weiteres untersagt ist. Die Boeing 787 könne erst wieder in Betrieb gehen, wenn die Sicherheit der Maschinen gewährleistet ist. Die Japaner waren die Erstkunden des neuen Flugzeugs. Die Fluglinie All Nippon Airways besitzt 17 "Dreamliner", der Konkurrent Japan Airlines 9. Beide Gesellschaften haben nach diversen Vorfällen bereits freiwillig den Betrieb ihrer "Dreamliner" eingestellt.

Air India hat sechs "Dreamliner" in Betrieb, die nun ebenfalls alle aus dem Flugplan gestrichen wurden. Air India-Chef Rohit Nandan sagte der Zeitung "Times of India": Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr ziehen.

Lithium-Ionen-Akkus auch in anderen Geräten anfällig

Die FAA will nun mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Bisher keine "Dreamliner" bei deutschen Airlines

Beim "Dreamliner" würde den Gründen für die Brandgefahr bei den Batterien gerade nachgegangen, erklärte die FAA. Sie hatte erst in der vergangenen Woche eine weitreichende Untersuchung vor allem der elektrischen und mechanischen Systeme gestartet, nachdem sich die Pannen gehäuft hatten. Die leichten Verbundwerkstoffe, aus denen der "Dreamliner" besteht, machen dagegen bislang keine Probleme.

Die FAA erklärte, andere Flugaufsichtsbehörden weltweit zu informieren, damit auch diese Maßnahmen ergreifen könnten. US-Experten sind zudem bereits unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen.

In Deutschland betreibt bislang keine einzige Fluggesellschaft den "Dreamliner". Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT "Dreamliner" in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt.

Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor. Die Aktie des Airbus-Rivalen fiel nachbörslich um weitere zwei Prozent.

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