Robben reloaded

28. Februar 2013, 12:55 Uhr

Kritisiert und abgeschrieben – Arjen Robben hat die schwerste Zeit seiner Karriere hinter sich. Im Pokal gegen Dortmund schießt der Niederländer das Siegtor. Nicht nur das zeigt: Robben ist wieder da. Von Maximilian Koch

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Arjen Robben, FC Bayern, Dortmund, Heynckes, Thomas Müller, Klopp, Weidenfeller, FCB, Chelsea

Hat man Arjen Robben schon einmal so gesehen? Der Niederländer steht im Moment exemplarisch für die Gier, die den FC Bayern auszeichnet.©

Man sieht in diesen Tagen Dinge, die hat man noch nie von Arjen Robben gesehen. Einen Robben, der seinen Gegenspieler bis tief in die eigene Hälfte verfolgt, um ihm den Ball abzujagen. Einen, der sich ohne Angst in Kopfballduelle wuchtet. Einen, der sogar zur Grätsche ansetzt. Wenn da nur nicht dieser geniale Schlenzer gewesen wäre, der den Bayern gegen Dortmund den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals bescherte – man hätte Arjen Robben am Mittwochabend fast mit seinem Landsmann Mark van Bommel verwechseln können, der einst auch das Bayern-Trikot trug.

"Das war nicht nur für mich, das war für die ganze Mannschaft wichtig", sagte Robben nach der Partie bescheiden. Aber natürlich konnte man erahnen, was das Siegtor für den 29-Jährigen bedeutete. Mit beiden Fäusten hämmerte er nach dem Schlusspfiff auf den Rasen der Münchner Arena. Immer wieder. Hier musste einer alles rauslassen, was sich in den vergangenen Monaten angestaut hatte. Und das war eine Menge.

Robben als Gesicht der Vize-Bayern

Im April des vergangenen Jahres begannen für Arjen Robben schlimme Monate. Die schlimmsten in seiner nun fast vierjährigen Zeit bei den Bayern. Am 30. Spieltag, im vorentscheidenden Meisterschaftsspiel in Dortmund, hätte Robben die Münchner zurück ins Titelrennen bringen können. Doch ihm versagten die Nerven. Zunächst scheiterte er mit einem Elfmeter an Roman Weidenfeller, dann schoss er den Ball aus einem Meter über das Tor. Der BVB gewann 1:0, die Meisterschaft war futsch.

Die Bayern-Fans hätten ihrem Star diesen doppelten Blackout wohl verziehen, wäre da nicht der 19. Mai gewesen. Champions-League-Finale in München – und wieder stand Robben im Mittelpunkt. In einem Spiel, das die Bayern schon längst hätten entscheiden müssen, ergab sich in der Verlängerung die große Chance zur abermaligen Führung. Robben bewies Mut, er trat wie in Dortmund zum Strafstoß an. Weil er seinen Fehler wieder gutmachen wollte. Doch es gelang ihm nicht. Chelsea-Keeper Cech parierte, die Londoner raubten den Münchnern schließlich den Pokal.

Drei Titelchancen, dreimal gescheitert – das bittere Saisonfinale wurde vor allem mit dem Namen Robben in Verbindung gebracht. Dass derselbe Spieler den Club zwei Jahre zuvor fast im Alleingang ins Endspiel der "Königsklasse" geführt hatte, interessierte in einem der bittersten Momente der Vereinsgeschichte niemanden mehr.

Ein beeindruckendes Comeback

Der Abwärtstrend hielt für Robben auch in dieser Spielzeit an. Von Verletzungen immer wieder gebremst, lief ihm Thomas Müller den Rang auf der rechten Mittelfeldseite ab. In der gesamten Hinrunde war Robben kein Faktor. Als FCB-Coach Jupp Heynckes auch zu Beginn der Rückrunde auf Müller setzte, obwohl Robben fit war, machte der Niederländer aus seiner Verärgerung kein Geheimnis. Er auf der Ersatzbank? Für Robben unvorstellbar. Einige Medien versuchten bereits den großen Knall zwischen Spieler und Verein herbeizureden – doch der blieb aus. Weil Robben bei aller Enttäuschung fair blieb und auf öffentliche Spitzen weitgehend verzichtete.

Stattdessen nahm der Edeltechniker die Herausforderung an. Er überzeugte Heynckes mit starken Trainingsleistungen und wurde dafür mit mehr Einsatzzeit belohnt. Vorlage gegen Schalke, Tor gegen Wolfsburg – Robben kämpfte sich heran. Doch besonders die Leistung gegen Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League brachte den niederländischen Nationalspieler wieder zurück ins Rennen um die Stammplätze. Robben zeigte einen klasse Auftritt: Er arbeitete wie aufgedreht mit in der Defensive und sorgte offensiv für mächtig Wirbel. Das so wichtige 3:1 durch Mario Mandzukic entsprang einem tollen Zuspiel Robbens auf den mitgelaufenen Philipp Lahm. Ein paar Tage später gegen Bremen war der Linksfuß erneut einer der Besten, als er beim 6:1 zwei Tore erzielte und einmal wunderschön für Mario Gomez auflegte.

Robben hat in den vergangenen Monaten Charakter gezeigt und bewiesen, dass er noch immer zu den besten Spielern der Welt gehört. Er ist wieder da - vielleicht sogar besser als je zuvor. Weil ihn im Moment neben seiner spielerischen Qualität nun auch andere Eigenschaften auszeichnen, die der gesamten Bayern-Mannschaft in dieser Saison zu einem Leistungssprung verholfen haben: Aggressivität, Gier, der unbedingte Wille zu gewinnen. Dass Robben, der in 72 Bundesligaspielen an 70 Treffern direkt beteiligt war, einmal besonders für diese Werte stehen würde, war so nicht zu erwarten. Wie gesagt: Hier ist einer kaum wiederzuerkennen.

 
 
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