19. März 2013, 13:55 Uhr

"Mir wurde übel mitgespielt"

Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati, der 2011 einen Suizidversuch nur so eben überlebte, bricht sein Schweigen. Im stern erhebt er schwere Vorwürfe gegen seine Vorgesetzten beim DFB. Von Mathias Schneider

Bundesliga, Babak Rafati, DFB, Fußball, Schiedrichter, Depressionen, Suizidversuch, Buch

"Kälte und Unerbittlichkeit": Leistungsdruck trieb den früheren Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati fast in den Selbstmord©

Der nach seinem Selbstmordversuch vor eineinhalb Jahren nur knapp dem Tod entronnene Schiedsrichter Babak Rafati hat sein Schweigen gebrochen und schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Vorgesetzten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhoben. In einem exklusiven Interview mit dem neuen, am Donnerstag erscheinenden stern erklärte der 42-Jährige, ihm sei vor seinem Selbstmordversuch "übel mitgespielt worden"; er machte seinen ehemaligen Schiedsrichterchef Herbert Fandel mitverantwortlich für seinen versuchten Freitod.

"Als Herbert Fandel mein neuer Chef wurde, habe ich absolut keine Rückendeckung mehr bekommen. Ich war es gewohnt, sachliche Kritik zu erfahren, aber keine aus meiner Sicht persönlichen Verletzungen", sagte Rafati. Er habe nicht einmal Zuspruch erfahren, dafür nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit" durch Fandel erlebt. "Diese fehlende Wertschätzung für mich als Mensch, dieser Vertrauensentzug vom Chef, der auch eine Fürsorgepflicht hat. Das war entleerend", so Rafati in dem stern-Gespräch. Eine Aussage seines ehemaligen Vorgesetzten habe ihn so tief traumatisiert, dass sie ihn bis tief in die Nacht des versuchten Selbstmordes am 19. November 2011 verfolgt habe.

"Herabwürdigungen durch Fandel waren Tagesgespräch"

Rafati schloss aus, dass Fandel nicht über seinen labilen Zustand informiert gewesen sei: "Er wusste genau, wie verletzt ich war, andere wussten das auch. Die Herabwürdigungen durch Fandel waren Tagesgespräch unter den Schiedsrichtern."

Nach dem Selbstmordversuch habe überdies niemand aus der Führungsriege des DFB versucht, persönlich Kontakt zu ihm aufzunehmen, auch nicht der damalige Verbandspräsident Theo Zwanziger. Rafati: "Das hat mich im Nachhinein extrem aufgewühlt. Das hat mir gezeigt: Es hat sich eben doch nichts bewegt."

Fandel: "Vorwürfe treffen mich sehr"

Herbert Fandel erwiderte im stern, Rafatis Vorwürfe träfen ihn "emotional sehr. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Kenntnis über sein seelisches Krankheitsbild. Niemand aus dem Kreis der Schiedsrichter hat mir jemals in dieser Richtung Andeutungen gemacht. Deshalb behandelte ich - und musste ich Babak Rafati wie jeden anderen Schiedsrichter nach dem Leistungsprinzip, der Grundlage des Profi-Fußballs, behandeln".

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Nach Selbstmord-Versuch 2011 Schiedsrichter Rafati beendet seine Karriere

Die erhoffte Rückkehr auf den Fußballplatz wird es nicht geben. Der Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover hat rund ein halbes Jahr nach seinem gescheiterten Suizid-Versuch seinen endgültigen Rücktritt erklärt.

Der Fall Rafati und die deutschen Schiedsrichter Die Leiden der schwarzen Zunft

Babak Rafati hat Depressionen als Grund für seinen Suizidversuch angegeben. Ebenso die Angst vor Fehlern. Nun muss der Umgang mit den Referees auf den Prüfstand.

Depressionen und Angstzustände Leistungsdruck trieb Rafati zum Suizidversuch

Offenbar steckt hinter dem Selbstmordversuch von Babak Rafati doch der Leistungsdruck als Schiedsrichter: Über seinen Anwalt ließ er jetzt mitteilen, dass er an Depressionen und Angstzuständen leide.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (26/2013)
Die Zuckermafia