Vorsicht vor dem Deutschland-Schreck!

13. März 2013, 17:41 Uhr

Wo sind die Bayern im Moment anfällig? Spielt Mandzukic oder Pizarro? Und wer ist Juventus Turins gefährlichster Spieler? Das müssen die Fans vor dem Champions-League-Viertelfinale wissen. Von Klaus Bellstedt, München

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Sie wollen die Bayern ärgern: Juve-Regisseur Andrea Pirlo (Mitte) mit seinen Mannschaftskameraden Giorgio Chiellini (l.) und Alessandro Matri©

Was für eine Gala! Was für ein Spektakel! Unglaubliche neun Tore schossen die Bayern am Wochenende gegen einen desolaten HSV. Am Ende hieß es 9:2. Es war das beste Spiel der Saison vom designierten deutschen Meister. Aber was dieser Sieg wirklich wert ist, wird man erst am späten Abend gegen 22.30 Uhr in der Allianz-Arena wissen. Dann ist die erste Partie im Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus Turin gelaufen. Der Gewinn der Königsklasse, das ist das große Ziel der Bayern in dieser Saison. Danach sehnen sie sich in München. Und so gilt es umso mehr, den Schalter umzulegen. Vor allem im Kopf. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Spiel gegen Juventus Turin.

1. Darf Claudio Pizarro nach seinen vier Toren und zwei Assists gegen den HSV von Beginn an spielen?

Nein! Pizarro muss wieder auf die Bank. Dort sitzt er neben Mario Gomez. Wenn der denn überhaupt im Kader steht. Mario Mandzukic bleibt Heynckes‘ Stürmer Nummer eins. Das liegt an seiner Spielweise. Der Kroate ist laufstärker als seine beiden Konkurrenten im Angriff. Gegen die defensiv enorm kompakt agierenden Italiener wird es noch mehr als sonst auf das Pressing ankommen. Mandzukic arbeitet diesbezüglich hervorragend mit. Auch seine Körpersprache ist eine andere. Die Fans mögen das. Mandzukic‘ Stammplatz ist in den wirklich wichtigen Spielen der Saison zementiert. Auch weil er regelmäßig trifft.

Übrigens: Auch Arjen Robben wird seinen Platz in der ersten Elf wieder abgeben müssen - trotz seines deutlichen Plädoyers in eigener Sache beim 9:2. Thomas Müller spielt für den Niederländer auf der linken Seite.

2. Gibt es in dieser Mannschaft derzeit überhaupt einen Schwachpunkt?

Ja, die Bayern haben ein Ecken-Problem! Das konnte man auch Wochenende wieder gut beobachten. Jupp Heynckes war wegen der beiden Gegentore leicht verstimmt: "Ich habe mich nicht ganz so freuen können über das 9:2. Die Treffer des HSV ärgern mich sehr, und das habe ich der Mannschaft auch gesagt", so der Bayern-Trainer.

Vier der letzten fünf Gegentreffer resultierten aus gegnerischen Eckbällen: gegen Arsenal, in Leverkusen und nun gegen den HSV. Am Samstag ließ sich erst Dante überspringen, danach war es Boateng, der Westermann aus den Augen verlor.

Bayern-Aufsichtsrat Helmut Markwort macht auch den Torwart für das Ecken-Problem verantwortlich: "Ich hoffe, dass Jupp Heynckes mit dem Neuer mal redet. Er ist dagegen, dass sich bei einem Eckball, wie bei allen ordentlichen Mannschaften üblich, Mitspieler neben den Torpfosten platzieren. Der will das alleine machen. Das ist eine Freiheit mit selbstmörderischen Zügen."

So kann man es auch sehen. Fakt ist: Die Bayern müssen bei allem Offensivdrang und der Lust am Kombinieren die Unaufmerksamkeiten in der Defensive abstellen

3. Wer ersetzt den gesperrten Javier Martinez?

Für Martinez wird aller Voraussicht nach Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld auflaufen - was nicht ohne Risiko ist. Der Brasilianer ist in seinen Leistungen viel zu schwankend. Er verfügt bei weitem nicht über das taktische Spielverständnis und die Übersicht, die Martinez'-Spiel so auszeichnen. Gustavos Passspiel ist nicht immer fehlerfrei. Hinzu kommen immer wieder kleinere unnötige Fouls.

Gegen Juventus sollte beides tunlichst vermieden werden. Über das schnelle Umschaltspiel von Juventus und den Standards von Andrea Pirlo (siehe Punkt 4.) müssen keine großen Worte mehr verloren werden. Umso mehr kommt es auf eine gut funktionierende defensive Mittelfeldachse der Bayern an. Bastian Schweinsteiger ist nicht das Problem. Wenn, dann Luiz Gustavo.

4. Auf welchen Spieler bei Juve müssen die Bayern besonders achten?

Natürlich auf Andrea Pirlo. Die "Gazzetta dello Sport" schrieb nach dem EM-Halbfinale folgenden treffenden Satz über den Spielmacher der Italiener: "Er ist ein Begnadeter. Er ist wie Mozart, der ein Requiem für die Deutschen komponiert." Es fehle nur noch, dass er "Wasser in Wein verwandelt".

Nach zehn Jahren beim AC Milan spielt der fast 34-jährige Pirlo mittlerweile seine zweite Saison in Turin und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Juventus acht Spieltage vor Schluss kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft steht. Pirlo schießt atemberaubende Freistöße, liest wie kein Zweiter das Spiel und ist seinem Gegner immer einen Schritt voraus. Schweinsteiger, Lahm und Co. können davon ein Lied singen.

Dabei sieht der Mann mit dem Rauschebart auf dem Platz meist so aus, "als würde er gerade den Hund ausführen oder in Adiletten die Zeitung hochholen", schrieb die "Welt". Seine Kollegen nennen ihn auch deshalb "Mr. Freeze". Gegen deutsche Mannschaften brilliert Pirlo übrigens auch auf Clubebene am liebsten.

Die Bayern wissen das - und sollten gewarnt sein. Sechs Spiele hat er mit Milan gegen die Münchner bestritten, er verlor keines und gewann vier. Wer Juve ausschalten will, der muss in erster Linie Pirlo stoppen. Er ist das Gehirn der Italiener.

5. Wie werden die Bayern dieses Spiel angehen?

Sicher nicht im Hurra-Stil wie gegen die hoffnungslos unterlegenen Hamburger. Eher ein bisschen gedämpft und abwartend. Vor allem die Taktik-Liebhaber dürften auf den Geschmack kommen. "Wir müssen versuchen, keine Chance herzugeben, diese Marschroute gab Bastian Schweinsteiger gegen die "schlitzohrigen und sehr cleveren" Italiener aus".

Juventus ist eine der besten Mannschaften Europas." Und eine der defensiv stärksten. Seit 490 Minuten ist Juve mit Torwart-Legende Gianluigi Buffon in der Champions League ohne Gegentor. Einen Gegentreffer im eigenen Stadion sollten auch die Bayern unbedingt vermeiden. Es könnte bereits das Ende aller Halbfinal-Träume bedeuten. Zwar ging das bislang letzte Spiel gegen Juve 4:1 für die Bayern aus, aber die Europapokal-Bilanz insgesamt ist negativ: zwei Siege, ein Unentschieden und drei Niederlagen stehen gegen Turin zu Buche.

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