In die Enge getrieben

25. Januar 2013, 12:22 Uhr

Ausgerechnet zum 50. Geburtstag des "Special One" haben sich die Intrigen um Real Madrids Startrainer José Mourinho dramatisch zugespitzt. Wie lange hält "Mou" bei den "Königlichen" noch durch? Von Klaus Bellstedt

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Abgang von Bernabéu? Noch ist es nicht soweit. Aber die Tage von Reals Startrainer José Mourinho scheinen gezählt.©

Radio hat in Spanien eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Im Medienranking, vor allem was die Fußballberichterstattung betrifft, stehen die Rundfunksender mit ihren Reportern in und um die Stadien ganz oben. Die Damen und Herren vom Radio sind ganz besonders dicht dran an den Protagonisten der Primera Division. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die aktuellen Turbulenzen um Real Madrids Starcoach José Mourinho auch von Radiosendern ausgelöst wurden bzw. die Debatte um den Trainer über die Sender weiter ausgetragen wird.

"Cope" ist eine dieser für gewöhnlich bestens informierten Radiostationen. Am Tag nach dem souveränen Einzug der Königlichen ins Pokalhalbfinale ging ein Bericht über den Äther, der ein Zitat von Reals lebender Torwart-Legende, "San Iker" Casillas, in den Mittelpunkt stellte. Eines, das Mourinho vermutlich mit gemischten Gefühlen aufgenommen haben wird. "Mourinho ist der beste Trainer der Welt, aber er ist verrückt geworden." Das soll der Torwart, derzeit wegen eines Handbruchs außer Gefecht gesetzt, zu Clubboss Florentino Pérez gesagt haben. Harter Tobak, wenn's denn stimmt.

Streit mit "CR7"

Verrückt? Mourinho? Das wussten wir eigentlich schon vorher. Ein Trainer, der sich selbst "The Special One" nennt, muss vielleicht nicht verrückt, aber möglicherweise schon ein bisschen entrückt sein. Auch an der Seitenlinie ist "Mou" des Öfteren schon negativ aufgefallen. Aber all das meint Casillas nicht. Vielmehr geht es um das Innenverhältnis zwischen Spielern und Trainer. Früher war genau das eine von Mourinhos großen Stärken: immer und überall nach egal was für einem Ergebnis die schützende Hand über seine Mannschaft zu halten. Damit ist es seit ein paar Wochen aber vorbei.

Mourinho hatte sich zunächst mit Sergio Ramos, einer von Reals Führungsspielern, angelegt. Dann verbannte er zum Erstaunen aller Clubikone Casillas für zwei Spiele auf die Bank. Laut Medien soll er auch andere Profis, darunter Mesut Özil, mit seiner autoritären Art verärgert haben. Einer der wenigen, der bis zuletzt zum Coach hielten, war Superstar Cristiano Ronaldo. Doch die Allianz zwischen den beiden Portugiesen soll nach dem Pokalhinspiel gegen Valencia zerbrochen sein; Mourinho hatte "CR7" vor versammelter Mannschaft angefahren: "Die letzten 15 Minuten hast du dich versteckt!"

"Dies ist eine glatte Lüge"

Der ganze Frust der Mannschaft über ihren Trainer soll sich nun in einer vermeintlichen Meuterei der Alphatiere in Reals Starensemble entladen haben. Casillas und Ramos sollen Anfang der Woche Clubchef Perez eine Art Ultimatum übermittelt haben. Das Madrider Sportblatt "Marca", Spaniens meistgelesene Zeitung, zitierte die Fußballer groß auf Seite eins: "Präsi, Mourinho oder wir". Wenn der Trainer im Juni nicht gehe, würden viele Stars den Club wechseln wollen.

Die Zuspitzung der Intrigen war so dramatisch, dass der Präsident am Donnerstag eigens zu einer Pressekonferenz lud, um zu dementieren: "Dies ist eine glatte Lüge", beteuerte er. Man wolle den Club destabilisieren, schimpfte er. Mit seinen energischen Worten dürfte Pérez die wenigsten überzeugt oder gar beruhigt haben. Zu viele Medien hatten bereits vom Ultimatum berichtet. Die Königlichen setzten schließlich alle Hebel in Bewegung, um zu beschwichtigen. Man kennt das ja: Pressemitteilung des Clubs auf der Vereinshomepage, in der die Herren Casillas und Ramos mit den Worten "es gab von unserer Seite nie ein Ultimatum" zitiert werden. Was sollen sie auch anderes sagen?

"Mou" zum 50.

Das Chaos bei Real ist so oder so perfekt. Und die Frage lautet: Wie lange hält Mourinho das noch aus? Oder anders formuliert: Wie lange will sich der eitle Portugiese das überhaupt noch antun? Ein Rücktritt oder eine Entlassung noch vor dem Sommer scheint in der jetzigen Situation jedenfalls nicht ausgeschlossen. Zumal der ganze Trubel zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt. In Pokal und Champions League geht es in die entscheidende K.o.-Phase, in der man sich kaum noch einen Ausrutscher leisten kann. Auf diese Wettbewerbe wollen sich die Madrilenen konzentrieren, um die bisher verkorkste Saison in der Liga mit aktuell 15 Punkten Rückstand auf den Erzrivalen Barcelona noch zu retten.

Welche Spuren diese Woche bei Trainer und Mannschaft von Real Madrid hinterlassen haben, davon werden sich die Fans am Sonntag überzeugen können. Dann ist in der Liga Getafe zu Gast im Bernabéu-Stadion. Eigentlich eine Formsache. Aber dieser Tage ist Real bei jedem Spiel für eine Überraschung gut.

Ach ja: Am Samstag wird José Mourinho 50 Jahre alt. 2012 überreichten ihm die beiden Kapitäne Sergio Ramos und Iker Casillas auf dem Trainingsplatz in Valdebas zum 49. eine große Torte. Dieses Jahr ist damit eher nicht zu rechnen.

 
 
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