9. Dezember 2009, 16:03 Uhr

Lehmann haut drauf

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Unirea Urziceni in der Champions League (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de) hat Jens Lehmann die Führung des VfB Stuttgart wegen der Entlassung von Markus Babbel scharf kritisiert. Zudem äußerte er Zweifel an der Qualität einiger Mitspieler.

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Jens Lehmann ist ein alter Haudegen und sagt seine Meinung frei heraus©

Torhüter Jens Lehmann hat dem Vorstand des VfB Stuttgart im Zusammenhang mit der Entlassung von Trainer Markus Babbel Führungsschwäche vorgeworfen. Die Verantwortlichen hätten sich von den Fan-Protesten beeinflussen lassen, meinte Lehmann in einem Interview mit dem TV-Sender "Sky". "Ich bin aus dem Stadion gegangen und habe diese große Gruppe von zumeist pubertären Jugendlichen da stehen sehen", sagte Lehmann in dem am Montag geführten Gespräch, das vor dem Champions-League-Spiel an diesem Mittwoch gegen Unirea Urziceni ausgestrahlt wird. "Und das hat dann wohl den Ausschlag gegeben, den Verein dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen. Das ist so im Fußball."

Rund um das enttäuschende 1:1 gegen den VfL Bochum war es am vergangenen Samstag zu Krawallen gekommen. Am Sonntag hatte der dreiköpfige Vorstand aus Präsident Erwin Staudt, Sportvorstand Horst Heldt und Finanzvorstand Ulrich Ruf - unter anderem mit Verweis auf die Gewaltausbrüche - Teamchef Markus Babbel freigestellt und den Schweizer Christian Gross verpflichtet. Lehmann sieht darin ein Einknicken vor den randalierenden Anhängern, die am Samstag vor der Partie vorübergehend den Mannschaftsbus festgesetzt hatten und abends die Geschäftsstelle stürmen wollten. Die Clubspitze bat die VfB-Fans indes am Mittwoch in einem Offenen Brief um faire und leidenschaftliche Unterstützung für die Begegnung gegen Urziceni.

Trennung von Babbel nicht unumgänglich
"Es ist eine Sache der Vereine, wie sie mit diesen Gruppen umgehen. Wenn sie sich dem immer beugen, wird es natürlich irgendwann mal schwierig, nicht nachzugeben oder nicht das zu tun, was diese Gruppen wollen", sagte Lehmann. "Wenn man aber die Stärke und auch die Qualität hat, Entscheidungen zu treffen, die dem öffentlichen Verlangen ein bisschen widersprechen, ich glaube dann fährt man auf die Dauer besser. Aber das kriegen die Vereine halt nicht hin." Die Trennung von Babbel war nach Ansicht Lehmanns nicht unumgänglich. "Natürlich gibt es andere Wege", betonte der 40-Jährige.

Dem öffentlichen Druck standzuhalten ist für ihn "nicht ein Problem des VfB Stuttgart, sondern ein allgemeines. Die Qualität an der Spitze ist nicht so vorhanden wie sie vorhanden sein sollte. Insofern ist das schwierig, sich da so zu verhalten, dass man diese ganzen Beeinflussungen nicht unbedingt akzeptieren muss".

Die Einflussmöglichkeiten des neuen Trainers vor dem Spiel gegen Urziceni schätzt Lehmann als gering ein: "Ich will am Mittwoch gewinnen und wie er uns da hinkriegt, dass wir gewinnen, ist mir eigentlich Wurst. Er kann nicht so viel machen, weil er nur noch zwei Trainingseinheiten Zeit hat, aber ich hoffe, dass er dann wenigstens Glück hat."

Zweif an der Qualität im Kader
Außerdem zweifelt Lehmann offensichtlich die Qualität im Kader an - ein deutlicher Seitenhieb auf die Einkaufspolitik von Manager Horst Heldt. "Ich weiß nicht, ob das eine Sache der Verunsicherung oder der Qualität ist - bei einigen. Das muss eben der neue Trainer herausfinden."

Die Streichung seines freien Tages, den er zuvor nach Spielen genossen hatte, kritisierte der ehemalige Nationaltorhüter ebenfalls scharf. "Anscheinend hat es Leute im Vorstand gestört, dass ich nach den Spielen nicht immer zum Regenerationstraining gekommen bin und auch in der Mannschaft", erklärte Lehmann. "Aus meiner Erfahrung im Fußball sollte man immer sehen, dass man den Schwachen im Verein zuhört, aber nie das macht, was die Schwachen verlangen, weil man dann keinen Erfolg haben wird."

DPA/SID/tis
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Administrator (10.12.2009, 10:43 Uhr)
Liebe User,
bitte verzichten sie auf Beleidigungen anstatt von Argumenten!

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Preston (10.12.2009, 07:31 Uhr)
der VfB kann froh sein, daß er Lehmann hat
- mit einem jungen, unerfahrenen Torwart (wie Rensing etwa) hätte der VfB dieses Spiel niemals gewonnen - und stünde jetzt auch in der Bundesliga mit dem Rücken zur Wand.
Ich hätte diese "Fans" (die Halsabschneidergesten machten) fotografiert - und ihnen 2 Jahre Stadionverbot gegeben.
Jens Lehmann hat absolut recht.
UR63 (09.12.2009, 22:04 Uhr)
Der Einzug..
ins Viertelfinale gebührt nur dem VfB,den Spielern und Babbel.
Zum kotzen wie die sogenannten Fans feiern!
DasBertl (09.12.2009, 19:26 Uhr)
Lehmann macht den Lahm...
Lehmann macht jetzt also einen auf Lahm... Entweder er will schneller in den Ruhestand oder aber er will noch mal in die Nationalmannschaft, mit derlei Kritik macht man sich ja zur Zeit beim DFB viele Freunde... ich fürchte nur, wenn er das erreichen wollte, wird er sich bald umschauen. Ich glaube kaum, dass sich der VFB das gefallen lassen wird. In diesem Fall wird er wohl mal die von Lehmann geforderte Stärke zeigen und dem Torhüter den Ausgang...
Falls Lehmann heute noch spielen darf, dann sollte er heute besser gut halten, sonst hält ihn keiner mehr....
Julian2225 (09.12.2009, 18:42 Uhr)
Ganz Lehmann,
vielleicht haette er einmal einen Ball mehr halten sollen dann waere Babbel noch da und er haette seinen freien Tag haben duerfen.
Im Prinzip hat er zwar Recht, das ein Verein den Poeblern nicht nachgeben sollte, ABER Babbel war mehr als ueberfaellig...auch wegen mangelnder Qualitaet beim Torwart der Spiele alleine entscheiden kann, wenn er denn die Klasse dazu hat. Der aber noch immer besser als die anderen sein moechte aber schon Jahre nicht mehr ist! Also gehoert er NUN auch zu den Schwachen, mit nem grossen Namen und lautem Mundwerk und charkterlichen Eigenschaften die man nicht erwaehnen moechte, und laut eigener Aussage sollte man den Schwachen nur zuhoeren und sie belaecheln...
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