Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla, die wegen ihres rechtsextremen Lebensgefährten aus London abgereist war, hat sich erstmals öffentlich geäußert - und jede Verbindung zur Nazi-Szene bestritten.

"Das Ganze kam schleichend": Nadja Drygalla sieht man die Stress der vergangenen Tage deutlich an.© Bernd Wüstneck/DPA
Erstmals seit ihrer Olympia-Abreise geht Ruderin Nadja Drygalla an die Öffentlichkeit. Die vergangenen Tage mit dem Wirbel um die Beziehung zum früheren NPD-Direktkandidaten Michael Fischer seien "ziemlich anstrengend" gewesen, sagte die 23-Jährige am Sonntag im Interview. Ihr Freund soll sich nach ihrer Darstellung von der rechten Szene gelöst haben, sie selbst lehne derartiges Gedankengut ab.
Nadja Drygalla: Mir geht es nicht gut, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und ziemlich überraschend.
Am Donnerstag habe ich die ersten Anrufe von Medien und vom DRV-Sportdirektor Mario Woldt bekommen. Danach bin ich mit ihm zu Herrn Vesper vom DOSB gefahren.
Es waren keine Vorwürfe. Er hat mir gesagt, dass sie Kenntnis von meinem privaten Umfeld erhalten haben und hat gefragt, wie das zustande kommt. Herr Vesper wollte wissen, wie die derzeitige Situation mit meinem Freund Michael Fischer ist und wie ich zu ihm stehe. Im Laufe des Gesprächs und einer Beratung habe ich von mir aus den Vorschlag gemacht, dass ich aus dem olympischen Dorf abreise. Es war meine Entscheidung.
Ich wollte einfach die Belastung von der Mannschaft nehmen, die zum Teil immer noch im Wettkampf steckte und sich darauf konzentrieren sollte. Ich wollte nicht durch den Rummel um meine Person auch noch andere Leute belasten.
Sehr. In welchem Maße das alles kam, hatte ich nicht erwartet, weil mein Freund seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr ist und persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet hat. Ich hielt das Thema für mich persönlich schon vor den Olympischen Spielen für erledigt.
Ja, auch von denen.
Ich denke, dass ich schon einen ziemlichen Anteil habe. Aber dieser Austritt ist ja nicht alles. Diesen Schritt, sich abzuwenden und von dem Gedankengut zu lösen, muss man selber wollen. Es ist nicht ein Schritt von heute auf morgen, aber ihm ist von sich aus bewusst geworden, in welche Richtung er gehen möchte, wie er in geregelten Bahnen weitermachen will.
Das Ganze kam schleichend. Als wir damals vor viereinhalb, fünf Jahren zusammenkamen, war das noch kein Thema. Es fand seinen Höhepunkt, als er in die Partei eingetreten ist und für die NPD kandidiert hat. Ich muss ganz klar sagen, dass unsere Beziehung davon sehr stark belastet wurde und ich in vielen Diskussionen klar gesagt habe, dass ich diese Meinung nicht teile und da nicht hinter stehe. Als es seinen Höhepunkt fand, haben wir keine fröhliche Beziehung mehr geführt, sie hat unter der starken Belastung gelitten. Es gab auch den Gedanken an Trennung. Ich bin froh, dass ich vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gesagt habe, dass es so nicht weiter laufen kann.
Ich war 18 oder 19, da habe ich nicht so viel von mitbekommen, von Demonstrationen und so weiter.
Nein, überhaupt gar nicht. Ich habe keine Verbindung in seinen Freundeskreis und diese Szene gehabt und lehne das absolut ab. Bei mir kann man suchen, wie man möchte: Man wird bei mir nichts in diese Richtung finden. Heute lese ich in der Zeitung, dass das auch der Verfassungsschutz bestätigt.
Das bin ich nicht, das kann ich ganz klar sagen. Ich empfinde das als unfair und ungerechtfertigt. Da können Sie fragen, wen sie möchten: Ich habe keinen Kontakt gehabt, noch bin ich jemals auf Demonstrationen gewesen.
Weil mein Freund es in meiner Abwesenheit benutzt hat. Ich war zu der Zeit im Trainingslager und habe ihm hinterher klar gesagt, dass das nicht geht. Dafür hatte ich mein Auto nicht zur Verfügung gestellt.
Es gab ziemlich viele Gespräche. Es wurde mit den Sportlern, meinen Freunden und auch den Trainern thematisiert. Es gab ganz klar die Meinung, dass sie seine Richtung nicht teilen, dass sie dies auf jeden Fall ablehnen. Wenn es sportliche Veranstaltungen gab, war ich halt da und habe das getrennt. Es gab auch Stimmen, die mir eine Trennung nahegelegt haben. Vom Deutschen Ruderverband wurde ich nie persönlich darauf angesprochen."
Seit ich am Freitagmorgen abgereist bin, habe ich ein Telefonat mit dem Sportdirektor geführt und vereinbart, dass es nach den Olympischen Spielen zu weiteren Gesprächen kommt.
Ich habe mit jedem Olympia-Teilnehmer aus Rostock und mit meinem Achter darüber gesprochen. Meine Abreise konnte jeder verstehen, jeder fand die Begründung dafür gut.
Ich habe Gespräche mit meinen Vorgesetzten bei der Polizei gehabt, in denen auch die Beziehung thematisiert und an meiner Loyalität gegenüber dem Polizeidienst gezweifelt wurde. Ich bin selber zu der Erkenntnis gelangt, dass es dort Konflikte gibt und dass ich freiwillig austrete. Es war sehr schwer aufzuhören, weil ich ein Stück meiner sicheren Zukunft aufgegeben habe.
Ich habe darüber keine Informationen.
So richtig kann ich gerade nicht abschätzen, in welche Richtung es läuft. Natürlich möchte ich mit dem Sport weitermachen. Ich wünsche mir, dass ich meine Pause in Ruhe beginne und dann Anfang September wieder anfangen kann. Ich hoffe zudem, dass manche Sachen in den Medien richtig gestellt werden. Ich habe viele Bilder gesehen, unter denen mein Name stand und vermeintliche Fakten gelesen, die einfach falsch sind. Ich kann das Interesse an dem Thema nachvollziehen, aber die Diskussion läuft seit drei Tagen ohne Kommentare von mir. Dafür ist mit vielen falschen Sachen und Überschriften rumgeworfen worden. Wenn einfach nur die falschen Dinge richtig gestellt würden, wäre ich schon zufrieden.