Sag mir, welchen Sport du treibst, und ich sag dir, wer du bist! Der Medizinwissenschaftler Thomas Frankenbach hat tiefenpsychologisch untersucht, was Sportarten über den Charakter eines Menschen verraten - und überraschende Erkenntnisse gewonnen.
Läufer sind die Arbeiter unter den Athleten. Sie sind Ausdauersportler, und die sind sehr diszipliniert. Können aber oft nicht gut genießen. Läufer sprechen häufig von Selbstüberwindung und Qual, wenn es um ihren Sport geht. Sie sind bereit, einen monotonen Bewegungsablauf über eine lange Zeit zu wiederholen. Das ist oft wie Pilgern.
Denken Sie an das Beten des Rosenkranzes. Oder das Drehen einer tibetischen Gebetsmühle. Das sind ebenfalls eintönige Bewegungen, die ständig wiederholt werden. Es ist diese Gleichförmigkeit, die die Seele entspannen lässt. Volksläufe sind für manche Soziologen die Prozessionen der Moderne.
Auf Sigmund Freud und C.G. Jung, den Begründern der Tiefenpsychologie. Ich habe also nichts erfunden, sondern nur das Wissen großer Theoretiker auf den Sport angewandt.
Surfen ist in der Tat ein Funsport. Diese Athleten haben ein Lebensgefühl, das geprägt ist von Gleiten, Fließen oder Schweben, oft verbunden mit ekstatischen Hochgefühlen. Aber zum Surfen gehört auch - wenn man einmal untergegangen ist - wieder aufs Brett zu klettern und sich von der nächsten Welle treiben zu lassen. Surfer sind Einzelsportler und viel mit sich selbst beschäftigt.
Vorsicht vor Verallgemeinerungen! Viele Teamspieler wie Fußballer sind zwar geprägt von Loyalität und Gemeinsinn. Doch nicht wenige denken auch: "Lass doch die anderen laufen." Sie wollen Teil einer Mannschaft sein, aber sich nicht unbedingt ständig verausgaben und nicht an jeder Stelle Verantwortung übernehmen.
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass viele erfolgreiche Boxer in Deutschland einen Migrationshintergrund haben?
Sie kämpfen oft im wahrsten Sinne des Wortes um Anerkennung. Boxer teilen aus, sind aber auch selbst bereit, etwas einzustecken. Sie wollen sich ihren sozialen Aufstieg ehrlich verdienen.
Weil sich die Menschen eben verändern. Es gibt zum Beispiel Karatekämpfer, die in jungen Jahren die körperliche Auseinandersetzung mit dem Gegner suchten. Diese Leute machen mit 80 immer noch Karate. Aber jetzt kämpfen sie nur noch gegen ihren eigenen Schatten.
Gott bewahre, nein. Golf ist häufig ein soziales Statement. Es ist eine Schlägersportart, wie auch Tennis. In der Tiefenpsychologie werden diese Geräte als artverwandt mit dem Zepter gesehen. Der Schläger kann also auch ein Machtsymbol sein. Er taucht interessanterweise in jenen Sportarten auf, die traditionell ab Bildungsbürgertum aufwärts betrieben werden.
Beim Golf geht es darum, Hindernisse zu überwinden. Und schließlich gut einzulochen. Wer das kann, bringt eine Sache schnell und zielstrebig zu Ende. Das sind alles Aspekte, die erfolgreiche Geschäftsleute ausmachen. Auch deswegen werden viele Deals auf dem Golfplatz abgeschlossen.