Wer verdient wie viel in Deutschland?

22. Juli 2007, 12:30 Uhr

Über Geld redet man nicht! Von wegen. 100 Arbeitnehmer lassen Sie in ihre Lohnabrechnung schauen. Vom Amtsleiter bis zum Zimmermädchen. Die Unterschiede sind riesig. Und wo stehen Sie? Ein Blick in die große Gehaltsliste zeigt es. Von Joachim Reuter

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2025 Euro brutto: Bernd Schuster arbeitet als Müllwerker in Arnsberg©

Sabine Gammersbach kommt den Wolken schon ziemlich nah. Sie ist 31 Jahre jung und fliegt den Airbus A 320 - von Köln nach Mallorca, nach Moskau, nach Istanbul oder auf die griechischen Inseln. Vier Strecken am Tag - vier Starts und vier Landungen. Immer im Wechsel mit dem Flugkapitän. Seit anderthalb Jahr arbeitet Sabine Gammersbach als Copilotin bei Germanwings. Sie verdient 5100 Euro brutto im Monat, plus eine Flugzulage in Höhe von etwa 500 Euro. "Netto bleiben mir rund 4000 Euro", sagt sie stolz und fügt hinzu: "Für einen Berufsanfänger ist das eine Menge Geld." Im Mai gab es sogar schon die erste Gehaltserhöhung von 300 Euro. Zwar schuldet sie der Lufthansa für ihre Berufsausbildung noch 80.000 Euro. Aber in ein paar Jahren hat sie das Darlehen, das sie auch noch steuerlich absetzen kann, zurückgezahlt. Kaum im Beruf gestartet, gehört die Kölnerin zu den Spitzenverdienern unter Deutschlands Arbeitnehmern. Ihre Chancen auf eine steile Gehaltskarriere sind hervorragend.

Gisela Fergo, 53, ist Verkäuferin in einem Real-Markt im brandenburgischen Falkensee. Seit 36 Jahren arbeitet sie in diesem Beruf. Am Monatsende bekommt sie 1500 Euro, von denen unterm Strich 980 Euro übrig bleiben. Die letzte Gehaltserhöhung gab es vor zwei Jahren: plus ein Prozent. Sie hat eine 27,5-Stunden-Woche, würde aber gern mehr arbeiten. Bei 40 Stunden käme sie auf rund 2180 Euro. Doch das verhindert die Firma. Zeitarbeitskräfte, Studenten oder Schüler sind billiger. "Viele meiner Kollegen haben zwei Jobs", sagt Fergo. "Die leben wie auf der Flucht: rein ins Auto und von einem Geschäft ins andere." Gerecht bezahlt fühlt sie sich nicht: "Wir werden ständig angehalten, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, ohne einen zusätzlichen Cent. Das Weihnachtsgeld wurde auch gestrichen."

Die einen werden gesucht, die anderen sind austauschbar

Die zwei Frauen sind typisch für die Lage der Arbeitnehmer im Land. Die einen werden gesucht, gehätschelt und gut bezahlt. Der Aufschwung trägt sie nach oben. Die anderen sind austauschbar und müssen froh sein, wenn sie ihren bescheidenen Lebensstandard halten können. Nicht einmal eine Vollzeitstelle ist für jeden drin. Der stern hat in den vergangenen Wochen mit vielen Arbeitnehmern in Deutschland über ihre Gehälter, über ihren Lebensstandard und über Neidgefühle gesprochen. 100 Männer und Frauen waren bereit, ihr monatliches Bruttoeinkommen offenzulegen (siehe "Die Gehaltsliste"). Viele sind zufrieden. Manche klagen auf hohem Niveau. Aber oft brach Frust und Wut aus den Menschen heraus: über ihre miserable Bezahlung, über ausbleibende Lohnerhöhungen und über Schikanen am Arbeitsplatz.

Die Gehaltsliste zeigt für jeden Beruf zwei wichtige Fakten: das individuelle Bruttogehalt und die im jeweiligen Beruf erzielten durchschnittlichen Bruttoeinkommen. Beides zusammen gibt ein gutes Bild. So kann auch jeder sehen, wo er selbst steht - werde ich über- oder unterbezahlt, oder liege ich im Durchschnitt? Germanwings-Copilotin Gammersbach bekommt beispielsweise noch 1827 Euro weniger als der Durchschnitt aller Piloten in Deutschland. Ein Lufthansa-Kapitän im Kurz- und Mittelstreckenverkehr, der zuvor Jahre als Copilot geflogen ist, erhält als Einstiegsgehalt stolze 9166 Euro.

Mehrere Gründe für Differenzen

Für die Differenzen zwischen dem Durchschnitt und dem einzelnen Fall gibt es mehrere Gründe: Geschlecht, Region, Betriebsgröße und nicht zuletzt die Berufserfahrung. Frauen verdienen im Durchschnitt ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen, wer im Osten arbeitet, muss einen Abschlag von gut 20 Prozent gegenüber den Wessis hinnehmen. Und wer in einem großen Unternehmen beschäftigt ist, hat gegenüber den Kollegen in kleinen Firmen oft die Nase vorn.

Um ein möglichst wirklichkeitsnahes Bild zu geben, wurden für die Gehaltstabelle Berufe aus dem gesamten Spektrum der Arbeitswelt ausgewählt - vom Amtsleiter bis zum Zimmermädchen. Die Selbstständigen und freien Berufe sind mangels Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt. Ein Architekt kann internationaler Star sein oder Hungerleider mit einem Büro im Hinterhof.

Alle wissen: die Wirtschaft brummt

Eine für viele frustrierende Entwicklung kam bei den Gehaltsgesprächen eindrücklich heraus: Alle wissen, dass die Wirtschaft brummt und ihre Firmen oft davon profitieren. Der Chef ruft: Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt! Aber mehr Geld gibt es dafür nicht. Dies gilt vor allem dort, wo körperlicher Einsatz verlangt wird - sei es im Pflegedienst, am Fließband in der Fabrik oder auf der Baustelle.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 29/2007

Die Gehaltsliste zum Herunterladen Hier können Sie die Gehaltsliste als PDF-Datei herunterladen.

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KOMMENTARE (10 von 27)
 
sportartmakler (25.07.2007, 10:01 Uhr)
netto ist keine basis zum vergleich
allein schon im hinblick auf die steuerklassen und kinderfreibeträge würden ja sonst zig unterschiedliche nettowerte für die gleiche berufsgruppe entstehen.
coooli (25.07.2007, 08:55 Uhr)
immer nur in Brutto, Netto ist doch wichtig...
Warum denn immer nur Brutto, wichtig bei Vergleichen von Einkommen ist doch das Nettogehalt!, doch dann würden unsere Beamten, vor allen Dingen Lehrer, wohl offensichtlich zu weit nach oben rutschen wegen der
wesentlich geringeren Abzüge!
ichdu (24.07.2007, 22:23 Uhr)
Unverschämtheit
es ist eine Unverschämtheit Gehälter die in irgendeinem Buch stehen zu veröffentlichen um Menschen noch mehr zu erbosen wie minderwertig doch ihre Arbeitskraft ist.Man sollte eventuell etwas genauer recherchieren welche Gehälter für Verkäuferinen, Fliesenleger, Maurer usw. gezahlt werden, unabhängig von Ost und West. Dann könne man solche Arikel unter betracht dessen wieviele Stunden man bezahlt bekommt auch schreiben.
elsombrero (23.07.2007, 10:34 Uhr)
Nur Tariflöhne....
Alles schön und Gut aber es wird bei der Diskussion vergessen, das nicht alle nach Tariflohn bezahlt werden.
Ich komme im Westen mit 28Jahren gerade mal auf 750 netto , was mit Benzingelt usw. auf 1000 Euro aufgestockt wird. Wenn man nicht in grossen Firmen arbeitet ist das die Realität für Tausende. Und uns will man den Mindestlohn verwehren ?? Arbeite auch meine 45 - 50 Stunden die Woche.
TheWayne (23.07.2007, 09:05 Uhr)
Aussagekraft gleich Null!
Ich bin Akademiker (angestellt) und würde mich freuen, wenn ich den Listenwert abzüglich der 20% Ost-West-Abschlag bekäme. Und wer sich im Osten mal umschaut der wird feststellen, dass es viele Leute mit 3-stelligem Netto-Lohn gibt, die sich nicht beschweren. Und ich habe lange genug im Westen gelebt, um sagen zu können das man an vielen Orten auch mit 1500,- Brutto nicht schlecht leben kann.
Über 3000,- Brutto ... sowas ist für heutige Berufseinsteiger absolute Utopie und wird von den Meisten auch in 20 Jahren nicht erreicht.
Wenn ich dann aber sehe, dass wir (die junge Generation) unser Leben lang in die Rentenkasse zahlen, am Ende aber (fast) nix raus bekommen, dann wird mir schlecht. Wenn ich das in die private Altersvorsorge investieren könnte, was ich in die Rentenkasse stopfen muss, dann könnte ich mit 55 in Rente gehen!
HoerBird (22.07.2007, 22:40 Uhr)
Schichtdienst, kaum freie WE's und dabei Lastenesel der Gesellschaft - soziale Berufe...
...in einem Sozialstaat sind ein Thema für sich!
Möchte gerne wissen, wie Stern diese Werte ermittelt hat- repräsentativ scheinen sie ja nicht zu sein....
Krankenpflege und 2400 Euro Brutto? Da hat wohl jemand die Fachausbildungen sowie die leitenden Positionen, die eine weitere mehrjährige Zusatzausbildung benötigen mit reingeworfen. Normal sind 1800-2000 Brutto eigentlich, das gleiche gilt für die Altenpflege. Immerhin sprechen die konkreten Fällen eine realistischere Sprache.
Wir können eigentlich nicht meckern: uns geht es gut, wir müssen kein Hunger erleiden, kein Durst, und wir haben eine gute medizinische Versorgung. Und trotzdem kommt mir die Wut hoch, wenn ich die Tabelle lese- die Menschen, die das Land am Leben halten, kommen schlecht weg.
Ich möchte aber statt Geld etwas anderes: gesellschaftl. Anerkennung wenn ich Pat. wieder gesund pflege!
Meinepersönlich gefärbte Meinung
irmanow (22.07.2007, 22:32 Uhr)
wer verdient wie viel in Deutschland
Nun,ich kann mich nicht beklagen,ich bin mit 63 in Rente gegangen,habe keine Abzüge und bekomme 2056.-€ Rente netto.
Ich war im öffentlichem Dienst und lebe nun ganz lustig mit der guten Rente.
Meine Frau bekommt eine gute Rente von 678.-€ ,damit können wir uns einiges leisten und das ist gut so.
Dafür habe ich auch seit meinem 14.Lebensjahr gearbeitet(mit Lehre)
Ich kann mich nicht beklagen!
Neckische Grüße!
ikaron (22.07.2007, 22:13 Uhr)
AT? Na klasse....
Ich habe nicht studiert und "nur" Industriekaufmann gelernt. Bin seit 2 Jahren im Aussendienst, aussertariflich, und habe hier ein Brutto von 3350,- Euro. Hört sich erst einmal toll an, auch dafür dass ich nicht einmal 30 Jahre alt bin.
Aber jetzt kommts: Ich habe einen 40 Stunden Vertrag. Aber wie gesagt, ich bin AT, und habe keine Zeiterfassung. Und wenn ich nicht 60 Stunden die Woche arbeite mache ich den Job nicht richtig. Das Wochenende fällt durch Messen etc eistens flach, das Handy ist immer an. Feierabend gibt es so nicht. Die 20 Stunden mehr sind persönlicher Einsatz, es gibt keine Überstunden die ich sammeln und abfeiern oder auszahlen lassen kann. Und wenn ich jetzt mal meinen Stundenlohn ausrechne wird mir schlecht. Also weniger ist manchmal mehr muss ich sagen....
zeus166 (22.07.2007, 21:46 Uhr)
3077,-€
bin Akademiker, stehe im Beamtenverhältnis in einer Führungsposition und habe eigentlich angenommen, dass meine Bezüge erheblich über dem Durchschnitt liegen würden (komme damit prima über die Runden..). Bei Betrachtung dieser Tabelle musste ich feststellen, dass mein bereinigtes Beamtengehalt ca. 3300 €, (im Angestelltenverhältnis wären das ca. 4100 €), dem Gehalt eines Industriemechanikers entspricht. Kenne eigentlich keinen gewöhnlichen Handwerker (Arbeitnehmer), der soviel verdient. Frage mich, wie kommt man auf ein Durchschnittsgehalt (brutto) in Höhe von 3077 €. Und noch etwas unpopuläres, was warscheinlich niemand lesen möchte. Die meisten Beamten verdienen wenig (siehe Tabeele, Polizisten mit 2315 €). Seit 4 Jahren gab es keine Gehaltserhöhung, Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld wurde gekürzt bzw. gestrichen, die Wochenarbeitszeit wurde auf 41,5 Stunden erhöht (natürlich ohne Lohnausgleich), Beförderungsmöglichkeiten gibt es kaum, Personal wird immer mehr abgebaut (dadurch wird der Arbeitsdruck immer größer) und so weiter.... ABER MAN STELLE SICH NUN MAL VOR, DIE BEAMTEN WÜRDEN AUCH 31 % MEHR GEHALT FORDERN. Sie wären wohl ihres Lebens nicht mehr sicher. ALSO LIEBE Lokführer etc., nach meinem Kenntnisstand liegt das Einstiegsgehalt für Anfänger bei ca. 2000,- €. Bei einer Erhöhung von 31 % läge das EINSTIEGSGEHALT bei ca. 2600,-€. Das sind lt. der Tabelle fast 300 € mehr als das, was im Durchschnitt ein Polizist bekommt. Mit 4,5 % seit ihr mehr als gut bedient. Würde man den Beamten dieses Angebot machen, wäre dies die höchste Erhöhung an die ich mich erinnern kann (abgesehen von 1993 ca. 5%). Vielen Dank!
obermotzbruder (22.07.2007, 20:17 Uhr)
Gehaltstabellen
Hallöle
Auch wenn jetzt mal wieder die Neiddebatte aufkommt. Ich verdiene im Schichtdienst ca. 3250 Euro Netto. Habe dafür aber kein richtiges Wochenende frei. Muss alle 2,5 Tage Nachtdienst schieben und muss mich mit dem letzten Pack der Bevölkerung herumschlagen. Gerade in der letzten Nacht standen Deutschrussen kurz davor sechs Kollegen zusammenzuprügeln. Ich verdiene zwar recht gut, aber immer noch zu wenig, um meinen Kopf für die Bevölkerung, die es nicht mehr schafft, ihre Probleme selbst untereinander zu lösen, hinzuhalten. Ich habe auch Familie und meine Gesundheit. Und unsere Lokführer haben meine uneingeschränkte Solidarität. Auch sie tragen eine schwerwiegende Verantwortung. Und die muss bezahlt werden.
Grüssle
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