Vorsorgesparer an der Börse wandern auf einem schmalen Grat: Sie wollen ein Vermögen aufbauen und gehen mit Aktien gleichzeitig ein Risiko ein. Lesen Sie, wie Sie die Balance halten und auf welche Produkte Sie setzen können. Von Tanja Vedder
Sie sind jung, wollen Vermögen aufbauen und gleichzeitig für Ihre Altervorsorge sparen? Oder Sie haben für den Ruhestand schon ein gewisses Polster angespart, aber doch noch ein wenig Geld zum "Zocken" übrig? Dann nichts wie ab an die Börse, denn hier winken die höchsten Renditen.
Für Ihre Auswahl der richtigen Aktien oder Fonds sollten Sie sich zunächst eine der wichtigsten Anlageregeln zu eigen machen: Ein gutes Börseninvestment ist möglichst breit aufgestellt, der Fachmann spricht von einem "gut diversifizierten Portfolio". Indem Sie Fonds aus verschiedenen Branchen und möglichst global kaufen, senken Sie das Risiko, mit Ihrer Anlage unter dem Strich Verluste zu machen. Denn mag ein Investment auch ins Minus geraten, andere Einlagen werden sich sicherlich besser schlagen und so die Verluste ausgleichen können.
Ebenfalls beherzigen sollten Sie als Vorsorgesparer das Credo von Börsenguru Warren Buffet: Kaufe nur das, was Du auch verstehst. Deshalb sollten Anfänger lieber gleich die Finger von Spezialfonds lassen, die in bestimmte Regionen oder Branchen investieren – und stark bleiben, selbst wenn der Bankberater ihnen etwas von zweistelligen Renditen trotz Börsenkrise erzählt, die angeblich bestimmte Unternehmensaktien aus aufstrebenden Schwellenländern bringen.
Karin Baur, Redakteurin der Zeitschrift Finanztest, empfiehlt Vorsorgesparern vor allem breit streuende Aktienfonds, die weltweit oder in Europa Geld anlegen. Ein Blick in die inzwischen vorgeschriebene Produktinformation zeigt Ihnen, wie und wo der Fonds investiert und welche Titel enthalten sind. Für risikoscheue Anleger gilt: Ziehen Sie immer etablierte Firmen vor. Und achten Sie grundsätzlich auf die Kostenstruktur: Welche Provisionen bekommt die Bank, welche Gebühren und Ausgabeaufschläge fallen für den Fonds an?
Altersvorsorgesparer fahren durchaus gut, wenn sie sich auch einige "Substanzaktien" von weltweit aktiven, etablierten Unternehmen mit schwankungsarmem Geschäftsmodell ins Depot legen. Bei Aktien von Platzhirschen wie Siemens, Bayer oder Linde beispielsweise können Anleger so gut wie sicher sein, dass sie in 20 Jahren mehr wert sind als heute. Das bestätigt auch eine Studie der Analysefirma "The Screener Investor Services". Demnach entwickelten sich die 15 Dax-Aktien mit dem geringsten Risiko in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich gut.
Wichtig ist auch hier, nicht nur auf ein einziges Pferd zu setzen. "Am besten, man nimmt sich etwa drei starke Unternehmen ins Depot", rät Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) - so bleibt die Auswahl überschaubar und das Risiko in Waage. 5000 Euro sollte man hier schon anlegen, nennt Kurz als grobe Richtschnur. Außerdem sollte man darauf achten, "Dividendentitel" zu erwerben. Also Aktien, die bisher kontinuierlich eine Dividende ausgeschüttet haben, sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Seit 1998 haben Sparer in Deutschland zudem die Möglichkeit, mit sogenannten AS-Fonds für ihren Ruhestand vorzusorgen. Das Kürzel "AS" steht für den Fachbegriff Altersvorsorge-Sondervermögen. Was sich so nennen darf, wurde vom Gesetzgeber exakt bestimmt und muss sehr konkreten Sicherheitsaspekten genügen. Die AS-Fonds legen die Sparbeiträge sowohl in internationalen Aktien, in fest verzinslichen Wertpapieren aus dem Euro-Raum und in Immobilienfonds an.
Das Besondere: Die Geldanlagepolitik der AS-Manager orientiert sich am Alter des Sparers, ohne dass der sich gesondert darum kümmern muss. Bei einem 35-Jährigen beträgt der Aktienanteil rund 70 Prozent und schrumpft – ganz automatisch – ab einem Alter von 55 Jahren auf etwa 40 Prozent.
>>> Mehr Informationen zu den AS-Fonds finden Sie hier
Neben den speziellen AS-Fonds haben die Banken und Sparkassen auch sogenannte Zielfonds im Angebot, die im Prinzip den gleichen Zweck erfüllen: einen kontinuierlichen Vermögensaufbau mittels eines Mix aus Aktien, Zinspapieren und Offenen Immobilienfonds, der sich am Lebenszyklus des Sparers orientiert. In den vergangenen Jahren haben AS-Fonds allerdings kräftig Konkurrenz quasi aus eigenem Hause bekommen: Die Riester-Fonds. Diese werden durch staatliche Zulagen gefördert – AS-Fonds dagegen nicht.