. .
Geld & Finanzen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. Februar 2010, 10:38 Uhr

In den Fängen der Schweizer Bank

Vom Millionär zum Pleitier: Ein deutscher Unternehmer wirft der Schweizer Bank UBS vor, ihn zur Steuerflucht verführt und dann sein Geld verzockt zu haben. Eine fast unglaubliche Geschichte. Von Rolf-Herbert Peters

Steuern, Steuerflucht, UBS, Schweiz, Vermögen, Bank

Der ehemalige Multimillionär Franz Sielmann* hat sein Vermögen der UBS anvertraut - und alles verloren© Falk Heller

Dicke Schneeflocken fallen auf die Berge rund um den Tegernsee - Deutschland, ein Wintermärchen. Franz Sielmann*, 74, schaut in die Leere. Er erlebt gerade ein Horrormärchen. Vor anderthalb Jahren hatte er noch 50 Millionen Euro Vermögen. Jetzt drücken ihn sechs Millionen Euro Schulden.

Schuld, sagt er, sei seine Bank, die schweizerische UBS. Sie habe ihn in den Ruin getrieben. Sie habe ihn erst zur Steuerflucht gedrängt, dann sein ganzes Geld verzockt und am Ende gedroht, ihn beim Finanzamt zu verpfeifen. Vertrauliche Papiere, die stern.de vorliegen, zeigen, dass die fast unglaubliche Geschichte des Franz Sielmann offenbar der Wahrheit entspricht.

"Ich habe ihm blind vertraut"

Sie beginnt 1959, als der gelernte Außenhandelskaufmann nach Caracas, Venezuela, ging und dort einen Papiergroßhandel aufbaute. Die Geschäfte entwickelten sich prima. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern führte er ein glückliches Leben. Sie kauften sich eine Ferienwohnung in München und ein Haus am Tegernsee, als Urlaubsdomizil, Familientreffpunkt und möglichen Altersruhesitz. Um das wachsende Vermögen kümmerte sich sein Finanzberater in Hamburg. Bis 2005 arbeitete der für die Lateinamerika-Sparte der Dresdner Bank. "Ich habe ihm blind vertraut", sagt Sielmann. So blind, dass über die Zeit seine gesamten Konten und Depots dorthin übertragen wurden.

2005 erkrankte Sielmanns Frau an schwerer Demenz. Der Kaufmann entschloss sich, wegen der medizinischen Versorgung bis auf weiteres in Deutschland zu bleiben. Inzwischen hatte die UBS, eine der größten Schweizer Banken, das Lateinamerikageschäft der Dresdner gekauft. Und diese Banker warnten ihn nun vor dem deutschen Fiskus. In einem Brief vom 7. März 2006, der stern.de vorliegt, heißt es: "Klar scheint jedenfalls, dass mit jedem weiteren Tag des Verbleibens von Ihnen und Ihrer Frau in Deutschland das Risiko des deutschen Steuerwohnsitzes steigt, was für Ihre Situation bezüglich Steuerbelastung sehr negativ wäre."

Als Ausweg empfahlen sie eine "umgehende Verlegung des Wohnsitzes" in die Schweiz, um sich dort pauschal besteuern zu lassen. Relocation nennen Schweizer die Steuerflucht. Wenn er sich mindestens 183 Tage dort aufhalte, habe er in Deutschland fiskal nichts mehr zu befürchten. Und er könne zudem sein Vermögen problemlos in Singapur-Trusts überführen, eine Art Stiftung im Steuerparadies.

UBS organisierte Steuerflucht

Wenn diese Konstruktion mein Vermögen schont, dachte Sielmann, kann ich mein Leben danach einrichten. Er wollte das Geld für das Alter, die Ausbildung seiner Enkel und wohltätige Zwecke ausgeben. Rechtfertigt das eine Steuerflucht? "Ich hatte aber nie vor, irgendeiner Steuer zu entfliehen. Ich habe vertraut."

Die Scheinadresse in Zürich besorgte die UBS höchstselbst. Ab dem 16.5.2006 mietete sie für Sielmann eine Wohnung in der Krönleinstrasse 49. 3-Zimmer, 91 Quadratmeter für 3000 Schweizer Franken im Monat. Alles andere als eine Altersresidenz für einen Multimillionär. Als Mieter firmierte Franz Sielmann, c/o UBS Zürich. Zudem beantragte die Bank beim Steueramt die Pauschalbesteuerung, da Sielmann "den Lebensabend in der Schweiz genießen" wolle - was der Unternehmer nie geplant haben will.

Obwohl die UBS-Advokaten behaupten, gar keinen Relocation-Service anzubieten, zeigen die Papiere das Gegenteil. Mehr noch: Die Bank veranstaltete regelmäßig diskrete "Relocation Events" für außergewöhnlich betuchte Zeitgenossen, auf denen auch deutsche Steuerexperten referierten. Am 28. März 2008 zum Beispiel stand der renommierte Frankfurter Steuerberater und Professor Andreas Söffing auf der Rednerliste. Thema: "Steueraspekte eines Wegzugs aus Deutschland."

Seite 1: In den Fängen der Schweizer Bank
Seite 2: Skrupellose Zockerei
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Klage aus den USA UBS soll tausende Kundendaten preisgeben

Die USA machen Ernst: Amerikanische Behörden haben eine zweite Klage gegen die Schweizer Großbank UBS eingereicht, in der sie die Herausgabe von zehntausenden Kundendaten verlangen. Eine Millionenstrafe hat die UBS auch schon gezahlt. mehr...

Steuerflucht Schweizer will deutsche Politiker am Pranger sehen

Zwischen Deutschland und der Schweiz schwelt weiter der Streit um den Kauf einer CD mit Daten mutmaßlicher Steuersünder. Der Schweizer Nationalrat Alfred Heer drohte nun in der "Bild"-Zeitung mit der Veröffentlichung von Kontodaten deutscher Politiker. mehr...

Steuersünder Jetzt wird's ernst

Aus Furcht vor der Steuerfahndung zeigen sich immer mehr Deutsche bei den Finanzämtern selbst an. In dieser Woche ist die Zahl reumütiger Anleger sprunghaft angestiegen. Es ist auch höchste Zeit, denn in NRW soll die Auswertung der Schweizer Bankdaten bald beginnen. mehr...

Verkauf von Steuersünder-CD "Volkes Stimme darf kein Maßstab sein"

Darf der Staat von einem Hehler geheime Daten von Steuerhinterziehern kaufen? Die Regierung sagt ja. Gerhart Baum, das juristische Gewissen der FDP, sagt nein. Ein Interview von Martina Fietz. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Partnerangebot Zinsen — der große Unterschied Zinsen — der große Unterschied Bank ist nicht gleich Bank

Wollen Sie Ihrer Bank Geld schenken? Oder lieber die besten Zinsen sichern? mehr

 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch