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1. Februar 2009, 14:24 Uhr
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Regierung plant Verstaatlichung von Banken

Die Bundesregierung arbeitet offenbar an einer Rechtsverordnung, die die Teilverstaatlichung angeschlagener Banken ermöglichen soll. Dabei müssten die Aktionäre enteignet werden. Während Kanzlerin Angela Merkel dieses Vorgehen befürwortet, zeigt sich die SPD in dieser Frage noch reserviert.

Einige dieser Hochhäuser im Frankfurter Bankenviertel könnten bald dem Bund gehören: Die Regierung plant eine Teilverstaatlichung schwächelnder Banken© AP

Kanzlerin Angela Merkel will schwächelnde Banken im Notfall teilweise verstaatlichen. "Wenn es im Einzelfall für den Steuerzahler billiger wird, kann die Übernahme von Anteilen sinnvoll sein", sagte die CDU-Chefin in Berlin. In der aktuellen Finanzkrise gebe es keine allgemeingültige Lösung. Die Regierung hat nach Medienberichten schon Rechtsgrundlagen für die Verstaatlichung privater Banken in Arbeit.

SPD-Chef Franz Müntefering äußerte sich in Saarbrücken zurückhaltend zu einer Verstaatlichung angeschlagener Banken. "Wir sind nicht darauf aus, jemanden zu enteignen oder zu verstaatlichen." Allerdings könne es Ausnahmen geben, wenn eine Bank ganz besonders gefährdet sei. "Dann muss man sich überlegen, ob der Staat um schlimmes Unheil abzuwehren, auf Zeit solche Aufgaben übernehmen muss." Zur Debatte über einen Einstieg des Staates bei der Hypo Real Estate (HRE) wollte er sich nicht konkret äußern. Grundsätzlich könne es nur darum gehen, "dass man im wirklichen Notfall, wenn die Bude brennt, löscht".

Staat muss enteignete Aktionäre entschädigen

Zentraler Diskussionspunkt ist, wie massiv der Eingriff in die bestehenden Aktionärsrechte ausfallen darf, ohne verfassungswidrig zu sein. Eine der wesentlichen Detail-Fragen, die es zu klären gilt, ist die Entschädigung für die Eigentümer der HRE. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, müssten sich enteignete Aktionäre grundsätzlich auf sehr geringe Entschädigungen einstellen. Hauptbetroffener wäre der US-Finanzinvestor J.C. Flowers, der rund 25 Prozent besitzt. Der Bund will eine Übernahme durch einen Konkurrenten verhindern und damit die eingesetzten Milliardenhilfen aus Steuergeldern sichern.

"Die Enteignung erfolgt durch Erlass einer Rechtsverordnung der Bundesregierung ohne Zustimmung des Bundesrates", berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Laut "Süddeutscher Zeitung" würde sich die Entschädigung bemessen nach dem durchschnittlichen Aktienkurs der letzten zwei Wochen oder bei einem Kursabsturz unmittelbar vor Enteignungsbeschluss nach dem der letzten drei Tage. Im konkreten Fall erhielte Flowers demnach eine Entschädigung von 1,50 Euro der ursprünglich bezahlten 22,50 Euro je Aktie, schrieb das Blatt. In Regierungskreisen hieß es aber, gerade diese Regelung sei noch offen.

Lehman Brothers als mahnendes Beispiel

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) befürwortet ähnlich wie Merkel eine staatliche Rettungsaktion für die HRE. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass auch nur eine einzige systemische Bank in Deutschland in den Konkurs geht", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Fall der amerikanischen Bank Lehman Brothers zeige, welche Risiken ein Bankkonkurs mit sich bringe.

Merkel sagte bei einer CDU-Veranstaltung, die Regierung habe keinen Ehrgeiz, nun auch noch Banktätigkeiten auszuüben. Es seien aber die Banken gewesen, die ihre Hilfsbedürftigkeit gegenüber der Politik signalisiert hätten. "Außer dem Staat kann keiner mehr helfen. Das ist eine interessante Erfahrung", sagte die Parteivorsitzende. Gleichzeitig wandte sie sich entschieden gegen die Gründung einer sogenannten Bad Bank des Staates: "Der Steuerzahler darf nicht für die schlechten Papiere zahlen, während die Banken mit den guten Papieren Geschäfte machen."

Die Stabilisierung des Bankensystems in Deutschland könnte nun weitere Milliardensummen an Steuergeldern verschlingen. Wie der "Spiegel" berichtet, muss der Bund seine im ersten Bankenrettungsplan vorgesehenen Kapitalhilfen von 80 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Experten des Finanzministeriums rechnen dem Bericht zufolge mit einem Kapitalbedarf bis zu 200 Milliarden Euro. Um den Plan der Bundesregierung zu verwirklichen, angeschlagene Kreditinstitute mittels einer Vielzahl bankeigener Zweckgesellschaften von Risikopapieren zu befreien, müssten die Kreditermächtigungen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung auf diese Höhe aufgestockt werden, hieß es. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds ist ein Sondervermögen des Bundes. Zu Stärkung des Eigenkapitals der Banken stehen ihm maximal 80 Milliarden Euro zur Verfügung. Daneben kann der Fonds zur Absicherung von Refinanzierungsgeschäften zwischen Finanzinstituten Garantien in Höhe von bis zu 400 Milliarden Euro übernehmen.

DPA/AP
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Countryjoe (02.02.2009, 11:27 Uhr)
Vertauschte Rollen?
Die SPD als Retter des Raubtierkapitalismus? Das ist ja mal was neues..
Klar sollte doch sein, daß die Banken, welche die Steuermilliarden bekommen, diese gegen eine staatliche Kontrolle tauschen müssen. Ansonsten landen die Steuergelder in den Taschen von Vorständen und Aktionären und die nächste Bettelrunde steht an.
hbbaer (02.02.2009, 10:48 Uhr)
KEINE STIMME MEHR FÜR MERKEL & CO
Sie hat genug Unheil angerichtet und hat noch Schlimmeres vor. Banken verstaatlichen, zentral kontrollieren und als Vasall dann wohl wem in die Hände geben?? Merkels Werdegang ist beispiellos korrupt und jüngst hat sie "Deutschland" daher auch bbedingungslos einem Regime von Mördern und Verbbrechern angediehnt - ihr erinnert euch sicher...
NNichts mehr sollte sie tun dürfen, nicht in unserem Namen, nie mehr in meinem Namen!!!
Malt (02.02.2009, 10:42 Uhr)
Ist doch klar!
Da durch die Konjunkturprogramme der Regierung nichts anderes passiert, als das dem Volk weiter Privatvermögen entzogen werden soll, muss man dem Pöbel doch irgendetwas unter die Nase halten. Dann wird halt vorgegaukelt, dass die Banken z.T. dem Volk, also uns allen gehören sollen. Das dies aber (und darauf verwette ich sonstwas) wohl so aussehen wird, dass der Teil, der dem Volk gehören wird der ist, der Verschuldet ist, sollte jedem klar sein.
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Denn durch die Rekordstaatsverschuldung (wie war das noch mit dem Ziel der BK, den Haushalt ausgeglichen zu gestalten?) werden Kredite bei den Banken aufgenommen, die uns dann zum Teil gehören sollen? Wir sind die DÜMMSTE Rasse des ganzen Universums, denn wir verschulden uns quasi bei uns selbst, und die Zinsen und Zinseszinsen, die wir zu zahlen haben, fliesen in die Taschen einiger weniger!
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Haben sich doch jetzt erst in Davos (bekanntermaßen ein Ort der Bescheidenheit und Zurückhaltung ^^) getroffen, diese Verbrecher, um sich darüber zu beraten, wie man noch mehr aus dem Pöbel rauspressen kann!
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DA hätte die Polizei mal ne Razzia veranstalten sollen, denn da war alles und jeder vor Ort, der die Finanzkrise zu verantworten hatte und hat. Ach nee, stimmt ja: Das wurde ja durch deren Gehilfen in der Politik alles vorher salonfähig gemacht!
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Leute, die verarschen uns nach Strich und Faden!
endbenutzer (02.02.2009, 10:07 Uhr)
Teilverstaatlichung heißt...
...im Endeffekt doch sowieso nur, dass der Staat - also der Sterzahler - für die Mißwirtschaft zahlen darf. Was immer noch fehlt, ist ein Programm zur Regelung der Finanzwirtschaft. Aber da traut sich natürlich keiner dran.
jomimo (02.02.2009, 09:30 Uhr)
Woran leiden wir ??
Daran, dass fast alle Gering/Normalverdiener fast automatisch zum 0,00 verschoben werden.
Nursery (02.02.2009, 08:55 Uhr)
Staatsbanker
Na Klar sind die POlitiker die besseren Banker.Siehe IKB und Landesbanken.Dann die Hypo Real mit über 90 Milliarden Euro gestützt.Hat aber nur noch einen Börsenwert von 500 Mill.Wäre es nicht sinnvoller gewesen die Bank gleich abzuwickeln ? Bisher habe ich nicht gehört in welchen Maße die Depfa Bank Wertlose Pfandleihen in ihren Beständen besitzt.Glaube kaum das sich dieser Markt jemals wieder richtig erholen wird und die Steuerzahler am Ende doch die Zeche zahlen werden.
Robbespierre (02.02.2009, 00:29 Uhr)
Verstaatlichung!
Der Gentleman schweigt und genießt...
FredericusSecondo (01.02.2009, 23:23 Uhr)
Falsch, keine Banken-Verstaatlichung
diskutiert, konzipiert und debattiert wird die Sozialisation der Spekulationsverluste, die durch die manipulierten Bilanzbewertungen erwirtschaftet wurden.
Übrigens, die Gewinne durch diese Bilanzfälschungen sind allesamt auf den Konten von Leuten gelandet, die in Wirtschaft, Politik, Administration und wohl auch Justiz ihren Beitrag zu dieser gewaltigsten Enteignung aller Zeiten geleistet haben.
Aber:
Niemand hatte die Absicht gehabt .....
Niemand hatte die geringste Ahnung von dieser organisierten Kriminalität...
Niemand hatte je vor, aus der früheren demokratischen Zivilgesellschaft eine Dienstleistungsgesellschaft, also einen ständisch organisierten Besitzfeudalismus zu machen, in dem die Mehrheit der Bevölkerung wieder als Domestiken, Lakaien, Diener und Gesinde beschäftigt werden soll.
Niemand hatte jemals die Absicht .....- eine Mauer durch Deutschland zu bauen.
me_and_ (01.02.2009, 23:04 Uhr)
Banken verstaatlichen, die Bahn privatisieren
... das erklär mir mal einer.
Aquarius2 (01.02.2009, 21:38 Uhr)
Es handelt sich offensichtlich
um einen Systemfehler. Allerdings sollen/dürfen am System keine Korrekturen vorgenommen werden. Und so werden wir wohl (fast) alle die Folgen tragen müssen. Bisher ging es nach jeder Weltwirtschaftskrise weiter. Irgendwie.
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