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28. Januar 2007, 06:00 Uhr

Die dicken Früchte des Wohlstands

Chinas Wirtschaft boomt und damit steigt auch der Lebensstandard der Bevölkerung. Mit dem Wohlstand kommt auch der Speck - Übergewicht ist in China rasend schnell auf dem Vormarsch.

Chinesen galten stets als schlank, mittlerweile haben schon 60 Millionen Chinesen Übergewicht© AFP PHOTO/Peter PARKS

Einer von Chinas größten Internetstars ist ein kleiner, untersetzter Jugendlicher. Er heißt Qian Zhijun, wiegt mehr als 100 Kilogramm, kommt aus Schanghai, ist heute 19 Jahre alt und im ganzen Land als "Xiao Pang" bekannt - "kleiner Dicker". Qians rundes Gesicht findet sich millionenfach in Chinas Netz. Internetnutzer haben ein altes Foto von ihm auf die Körper unzähliger berühmter Figuren montiert. Die moderne Bildbearbeitung machte aus Xiao Pang eine Mona Lisa, eine Marylin Monroe und einen Harry Potter mit Pausbacken.

Die Popularität des unfreiwillig zu Ruhm gelangten Teenagers entspricht dem Zeitgeist. Die Chinesen, die stets als schlank galten, müssen sich an den Anblick korpulenter Mitmenschen gewöhnen. 60 Millionen Chinesen sind übergewichtig, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Das ist in etwa so viel, wie Frankreich Einwohner hat. Betroffen sind vor allem Männer. Einer von drei erwachsenen Chinesen hat Übergewicht. 9,3 Prozent der Männer im Alter von 20 bis 59 gelten als schwer übergewichtig, also fettleibig. In der Altersgruppe von 40 bis 59 sind 11,7 Prozent der Männer krankhaft dick.

Geschwindigkeit der Zunahme der Fettleibigkeit ist alarmierend

Die Zahlen veröffentlichte im vergangenen Jahr die chinesische Sportbehörde. Sie hatte 245 035 Menschen im ganzen Land untersucht. Im Vergleich zu den Bevölkerungen im reichen Westen stehen die Chinesen gleichwohl weiter relativ dünn da. In den USA gelten schon zwei Drittel als untersetzt. Doch im Reich der Mitte ist die schiere Geschwindigkeit der Entwicklung alarmierend. Seit 2000 sei die Zahl der Übergewichtigen von 20 bis 59 um satte 22 Prozent gestiegen, schrieb "China Daily".

Die Ursache liegt im gewandelten Lebensstil durch den neuen Wohlstand vieler Chinesen. Chinas Dicke leben in den Städten an der entwickelten Ostküste, wo sich die Gewohnheiten in den vergangenen 20 Jahren radikal verändert haben. Statt Reis und Chinakohl stehen zunehmend Fleischgerichte auf dem Speiseplan. "Eine wachsende Zahl Chinesen isst mehr Fett und Fast Food und dafür weniger Getreide und Gemüse", sagte Pan Beilei, stellvertretender Direktor des staatlichen Komitees für Ernährung. Außerdem fehlt Bewegung. Chinas Städter fahren Auto, statt zu laufen, nehmen den Lift, statt Treppen zu steigen und verrichten kaum körperliche Arbeiten, wie Yang Guiran feststellte. Er ist Direktor der Sportabteilung im Erziehungsministerium.

Die Folge: immer mehr Diabetiker

Die zunehmende Korpulenz könnte böse Folgen haben. Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen schnellt in die Höhe. In der Volksrepublik lebten vor vier Jahren 23,8 Millionen Diabetiker. Nach Zahlen des internationalen Diabetes-Verbands dürften es bis 2025 bereits fast doppelt so viele sein. Auch leiden immer mehr Chinesen unter Bluthochdruck. Im Jahr 2005 waren es 160 Millionen. Chinas Übergewichtige haben allerdings den Vorteil, dass im Reich der Mitte ein runder Leib traditionell mit Gesundheit und Wohlstand verbunden und ein Dicker deshalb nicht schief angesehen wird.

Aus diesem Grund ist auch "Xiao Pang" so beliebt. Am Anfang habe ihn der Rummel um seine Person noch stark irritiert, gab der junge Qian Zhijun zu. Doch einige Kunstwerke mit seinem Konterfei gefallen ihm nun: "Ich mag es, wenn sie meinen Kopf auf Helden montieren, wie Russell Crowe in Gladiator", sagte Qian Zhijun der "China Daily". Der Junge strebt nun eine Karriere als Entertainer an.

Till Fähnders/DPA
 
 
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