11. September 2012, 07:26 Uhr

Als Cäsar gegen die Hunnen kämpfte

Ausgerechnet Schuhnägel brachten die Forscher auf die richtige Spur: Im Hunsrück haben Archäologen das älteste bekannte römische Militärlager auf deutschem Boden entdeckt.

Wie gut, dass die römischen Legionäre vor mehr als 2000 Jahren immer wieder Schuhnägel von ihren Sandalen verloren. Und wie gut, dass sie ihre alten Amphoren und Tongefäße schön auf einem Haufen entsorgten. Denn anhand dieser Funde gelang es Forschern der Universität Mainz, die bislang älteste Garnison auf deutschem Boden bei Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) nachzuweisen.

"Hier wird ein Stück Weltgeschichte archäologisch greifbar", sagte Grabungsleiterin Sabine Hornung vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Uni Mainz am Montag an der Grabung. Das Militärlager soll am Ende des Gallischen Krieges zwischen 53 und 51 vor Christus von den Truppen Julius Cäsars errichtet worden sein.

Die knapp 26 Hektar große Anlage mit Befestigungswall bot Platz für 5000 bis 10.000 Soldaten, erklärte die Archäologin. Sie sei vermutlich an jenem Ort angelegt worden, um die Kelten am nahe gelegenen Hunnenring zu vertreiben. Das römische Lager war bereits im 19. Jahrhundert auf der Anhöhe bei Hermeskeil vermutet worden. Seine welthistorische Bedeutung konnte aber erst mit den neuen Grabungsfunden geklärt werden, sagte Hornung. Zuvor galt eine Anlage aus den 30er Jahren vor Christus auf dem Trierer Petrisberg als ältestes Militärlager der Römer in Deutschland.

Ausrutschschutz auf schlammigem Boden

"Was für ein Glück, dass wir die Nägel gefunden haben", sagte Hornung. Mehr als 70 sind es inzwischen, die bei Grabungen an einer Torgasse des Lagers zwischen Pflastersteinen ausgegraben wurden. Die eisernen Nägel sind schirmförmig. "Wie Spikes, damit die Legionäre auf dem Lehmboden nicht ausrutschten", sagt die 41-Jährige gebürtige Diezerin, die seit März 2010 bei Hermeskeil gräbt. Die Nägel waren der erste Nachweis für das Militärlager. Zusammen mit den Funden von Waffen, Scherben und einer Getreidemühle ergab sich dann das Bild eines Lagers, das kein Marschlager, sondern Monate bewohnt war.

Hornung weiß schon ziemlich viel über die Anlage, die heute von Mais- und Getreidefelder überwachsen ist. Das Hauptlager hatte die Form eines Trapezes und war umgeben von einem Spitzgraben und Erdwall, von dem in einem Waldstück noch Teile übrig sind. "Solche Reste eines cäsarischen Militärlagers sehen zu können, ist einmalig", sagte Hornung beim meterhohen Wall. Das Stück habe auch nur überlebt, weil es im Wald liege. "Ein außergewöhnlicher Glücksfall." Hornung weiß auch, dass es zum Hauptlager einen Anbau mit Quelle gegeben hat, in dem möglicherweise die Versorgungstrupps lagerten.

Viele Dinge sind aber noch im Unklaren, erklärte die Expertin. Etwa, ob es wirklich Kämpfe mit den fünf Kilometer entfernten Kelten gegeben habe. "Wir würden gerne Schleuderkugeln finden, auch weil darauf der Namen des damaligen Feldherrn stehen könnte." Fünf bis sechs Jahre müssten die Grabungen noch weitergehen. "Das Denkmal ist so bedeutend, dass man hier noch lange graben muss."

Birgit Reichert, DPA
 
 
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