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22. Oktober 2007, 12:14 Uhr

Wie ein Eisbär zum Wirtschaftsfaktor wurde

Als sich Eisbär Knut am 23. März erstmals der Öffentlichkeit präsentierte, eroberte er im Sturm die Herzen seiner Betrachter. Massen von Fans pilgerten zu seinem Gehege - und brachen dabei alle Rekorde. Knut ist längst ein Wirtschaftsfaktor. Trotzdem muss er vielleicht schon bald sein Zuhause verlassen.

Eisbär Knut spaziert durch sein Gehege im Berliner Zoo. Sein weißes Babyfell hat er längst gegen einen grauen Pelz eingetauscht© Michael Kappeler/DDP

Schwarze Knopfaugen, winzig-flauschige Öhrchen und ein Fell so weiß wie Schnee: Als Eisbär Knut am 23. März sich erstmals im Berliner Zoo der Öffentlichkeit präsentierte, verzauberte er innerhalb von Minuten ganz Deutschland - wenn nicht die halbe Welt. Horden von Knutfans sind seitdem nach Berlin gepilgert, um zu sehen, wie das tierische Wollknäuel mit seinem Pfleger Thomas Dörflein durchs Gehege tollt.

Knuddel-Knut ist für den Zoologische Garten Berlin zum Besuchermagnet des Jahres geworden. Er hat alle bisher bekannten Bilanzen gesprengt. In dieser Woche erwartet der Zoo den zweimillionsten Besucher seit der Premiere von "Knuddel-Knut". Bis Silvester wird der Zoo deshalb erstmals in seiner 163-jährigen Geschichte im Gesamtjahr die Marke von drei Millionen Gästen deutlich überschreiten. Bei gutem Wetter sind noch einige hunderttausend Besucher mehr drin, sagte Uhlich. Im Vorjahr war beretis mit 2,5 Millionen Menschen ein beachtlicher Rekord erzielt worden. Und obwohl seine Ohren längst nicht mehr so süß und winzig sind, und sein schneegleiches Fell sich mittlerweile in einen grau-weißen Pelz verwandelt hat, zieht Knut nach wie vor die Besucher an.

Die ganze Welt will Knut sehen

Tag für Tag drängeln sich weiterhin Massen von Fans um den Knut- Felsen nahe dem Kinderspielplatz. Der Eisbär-Junge, der Anfang Dezember ein Jahr alt wird, zieht Menschen aus der ganzen Welt an. Auch nach dem Ende der täglich zweimaligen Knut-Show mit seinem Ziehvater Thomas Dörflein ist der von seiner Mutter Tosca verstoßene Bär der mit Abstand meist bestaunte und fotografierte "Berliner" aller Zeiten. "Die Besucher kommen aus Neuseeland und Australien, aus China, Japan, Südamerika, den USA und vielen Teilen Afrikas. Sogar aus Guinea, Grönland, Island und dem Vatikanstaat konnten wir Gäste begrüßen", sagt der kaufmännische Direktor Gerald R. Uhlich. Das erste große Jubiläum mit den einmillionsten Gästen wurde mit einem Ehepaar aus Rotterdam am 5. Juli gefeiert.

Muss Knut bald gehen?

Knut ist so zu einem echten Wirtschaftsfaktor für den Zoo geworden. "Die Einnahmen haben uns schon weit nach vorn gebracht. Wir können jetzt einige seit langem geplante Projekte auch für andere Tiere starten", kündigte Uhlich an. Der Boom um Knut hat letztlich auch die vor einiger Zeit unter Berliner Finanzpolitikern aufgeflammte Debatte um die politische Millionenförderung von Zoo und Tierpark in Berlin erstickt.

Doch obwohl Knut dem Berliner Zoo so viel Profit und Prominenz beschert hat, muss er ihn voraussichtlich im nächsten Jahr verlassen. Zwar werde der Bär "wahrscheinlich mindestens" bis Mai 2008 in Berlin bleiben, was dann passiere, sei aber noch nicht entschieden, sagte Bären-Kurator Heiner Klös. Er halte es für unwahrscheinlich, dass im Berliner Zoo eine dritte Eisbärenanlage gebaut werde - was die Voraussetzung für einen Verbleib des mittlerweile zehn Monate alten Tiers wäre. Die "Bild"-Zeitung hatte gemeldet, der Zoo Hannover wolle Knut in die niedersächsische Landeshauptstadt holen. 2010 solle die 22.000 Quadratmeter große Polar-Welt eröffnet werden. "Ein schöneres Zuhause als 'Yukon Bay' kann Knut nicht kaum bekommen", wird Zoo-Direktor Klaus-Michael Machens zitiert. "Es gibt ein Badebecken, Naturböden zum Buddeln für ihn."

AP/DPA
 
 
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