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24. August 2006, 14:11 Uhr

2500 Jahre im Eis begraben

Sie hatten es schon fast nicht mehr zu träumen gewagt, als sie plötzlich auf das Grab stießen. Ein internationales Forschungsteam hat in der Mongolei die Jahrtausende alte Mumie eines Skythen-Kriegers entdeckt.

Gesamtansicht eines Grabes mit dem teilmumifizierten Leichnam, aufgenommen nach öffnen der Grabkammer im Altai-Gebirge© DAI/DDP

Sie gilt als "Sensationsfund" und fasziniert die Forscher ähnlich wie der berühmte "Ötzi": Ein internationales Team um das Deutsche Archäologische Institut (DAI) hat in der Mongolei eine rund 2500 Jahre alte Eismumie geborgen. Die Archäologen seien in 2600 Meter Höhe auf einen intakten Grabhügel mit kunstvollen Grabbeigaben gestoßen, berichtete DAI-Präsident Hermann Parzinger am Donnerstag in Berlin. Die Skythen waren ein indoeuropäisches Reitervolk, das in den weiten Steppen Eurasiens lebte.

Unschätzbarer Wert für die Wissenschaft

Bis auf das Gesicht ist die Mumie ungewöhnlich gut erhalten. Sie habe zu Lebzeiten vermutlich der gehobenen Oberschicht angehört, erläuterte Parzinger. Darauf deuteten der kunstvoll verzierte und vergoldete Kopfschmuck hin. Ein Schild sowie ein äußerst gut erhaltener Bogen und ein Köcher mit Pfeilen weise ihn eindeutig als Krieger aus. Der Mann sei gemeinsam mit seinen zwei Pferden bestattet worden, deren Zaumzeug ebenfalls noch in einem guten Zustand sei. Selbst der Mageninhalt der zwei Pferde, die neben dem Krieger begraben waren, bietet dank der natürlichen Tiefkühlung noch Stoff fürs Labor.

Sogar die Filzhaube ist noch intakt, auch Tätowierungen sind erkennbar. Fast 170 Wissenschaftsdisziplinen können sich nun mit dem Fund, der großenteils nach Ulan Bator geflogen wurde, beschäftigen.

Die "Eiskurgane", die Grabhügel im entlegenen Altai-Gebirge im Dreiländereck China, Russland und Mongolei, interessieren die Fachleute schon seit Jahrzehnten. Drei Mal suchten die Archäologen auf ihrer wochenlangen Expedition vergeblich. Auch das ZDF-Team, das diese begleitete, war schon enttäuscht. Dann stießen die Forscher auf den mit zwölf Metern Durchmesser größten Hügel des Ausgrabungsortes - neugierig verfolgt von den Mongolen, die in der Nähe in Jurten leben.

Nur ein bisschen staubig, sonst tip-top

Ausgerechnet dieses Grab war nicht geplündert und enthielt sogar noch 2500 Jahre alte Fleischreste und Geschirr. Die Mumie, die auf dem Eis konserviert wurde, ist in einen Pelz aus Murmeltierfell und mit Filzstiefeln gekleidet. Außerdem lagen unter den Balken aus Lärchenholz noch ein Dolch und ein Bogen samt Köcher mit Pfeilen. "Ein fantastischer Fund", schwärmte Parzinger bei der Vorstellung im Auswärtigen Amt, zu dem sein Institut gehört. Das Grab war noch nicht einmal besonders schmutzig. "Man musste nur ein bisschen Staub wegkehren, dann war es fertig."

Parzinger erhofft sich nun neue Erkenntnisse zur vorchristlichen "Pazyryk"-Kultur (5. bis 3. Jahrhundert v. Chr.). Zudem wurden von dem Eis, das die Grabkammer konservierte, mikrobiologische Proben entnommen. "Der Fund erlaubt uns damit einen einzigartigen Einblick in die Welt dieser Menschen." Möglich seien etwa neue Erkenntnisse über die Ernährung oder Krankheiten der Skythen.

Der DAI-Präsident sieht die Eismumie aber nicht ganz in einer Liga mit dem international auch als "Frozen Fritz" bekannten Mann aus den Ötztaler Alpen. "Der Ötzi ist eine andere Kategorie." Dieser ist mit 5000 Jahren doppelt so alt und außerdem besser erhalten. Dennoch gilt die Eismumie aus der Mongolei als hochinteressant. Vielleicht finden die Forscher schon bald heraus, woran der etwa 30 bis 40 Jahre alte Mann mit dem blonden Haarschopf vor fast 2500 Jahren gestorben ist.

Im kommenden Jahr solle in Berlin eine große Ausstellung über das Reitervolk Skythen gezeigt werden. Möglicherweise würden dort schon erste Stücke aus dem Fund präsentiert.

DPA/AP
 
 
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