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16. September 2009, 11:51 Uhr

Eine Uni nur für kühne Ideen

An der neuen Singularity University in Kalifornien können Studenten machen, was sie wollen. Aber: Ihre Arbeit soll das Leben der Menschen verbessern. Genauer: das Leben von einer Milliarde Menschen. Nur die ganz großen Probleme unserer Welt gilt es, mit neuer Technik anzugehen.

Singularity University, Universität

25.000 US-Dollar zahlen die Studenten, um an der Singularity-Uni studieren zu dürfen© Russel A. Daniels/AP

Wohl jeder Student will an seiner Hochschule etwas Neues entwickeln oder entdecken. An keiner anderen Universität sind die Ambitionen aber vermutlich so hoch, wie an der neu gegründeten Singularity University in Kalifornien. Die Projekte, mit denen sich die Studenten befassen sollten, mussten dabei nur zwei Kriterien erfüllen: Sie mussten sich mit einer der großen Herausforderungen der Menschheit befassen und ihr Vorhaben sollte das Leben von einer Milliarde Menschen in einem Jahrzehnt verbessern.

Mit diesem nicht geringen Ziel spiegelt die Singularity University den typischen Optimismus von Silicon Valley. Die Lehrer und Studenten von Singularity scheinen überzeugt zu sein, dass sie mit ihrer Arbeit die Welt verändern können.

Die erst im vergangenen Jahr gegründete Singularity University ist keine Hochschule im traditionellen Sinne. Unterstützt wird sie unter anderem von Google, angesiedelt ist sie auf dem Gelände der Nasa im Silicon Valley. Es ist eher eine Graduierten-Einrichtung, ein Brutkasten für technische Ideen, die am Ende eines neunwöchigen Programms zu Geschäftsideen mit einem menschlichen Gesicht führen sollen.

Der Name der Einrichtung bezieht sich auf einen Begriff des Futurologen und Hochschul-Mitgründers Ray Kurzweil, mit dem dieser eine technologisch geprägte und veränderte Zukunft beschreibt. Hinter der Singularity University steht deshalb die Vorstellung, dass sich mit Technik viele Probleme wie Armut und Klimawandel lösen lassen. Der Grundgedanke der Schule sei, dass sich der Wandel durch Technik und Globalisierung exponentiell vollziehe. "Wir wollen, dass die Studenten das verstehen und darüber nachdenken", sagt Peter H. Diamandis, Singularity-Mitgründer und Leiter der X Prize Foundation. Die Kurse begannen im Juni, wobei die Studenten sich Vorträge unter anderem von Persönlichkeiten wie Vint Cerf, einem der Begründer des Internets anhörten, um ein grundlegendes Verständnis von Themen wie Netzwerken und Computersystemen, künstlicher Intelligenz und Robotik zu bekommen. Danach konnten sie sich eines von vier Themen aussuchen, die sie näher studieren wollten. Für dieses Privileg zahlten die 40 Mitglieder der ersten Klasse jeweils 25.000 Dollar. Trotz der Kosten gab es 1.200 Bewerbungen, wie der leitende Direktor Salim Ismail erklärte.

Große Nachfrage

Im nächsten Kurs, der im Juni 2010 beginnen soll, würden 100 bis 120 Studenten angenommen, aber auch das werde die Nachfrage wohl kaum abdecken, sagte er. In der Zwischenzeit will Singularity versuchen, die Kosten zu senken. Das soll unter anderem über Manager-Kurse geschehen, wie Diamandis erklärte. Erklärtes Ziel der Projekte war es zwar, Investoren zu finden, die diese dann umsetzen. Dass sie dann tatsächlich so schnell mit Interessenten ins Gespräch kamen, überraschte einige Studenten dann aber doch, wie die 23-jährige Margo Liptsin berichtete, die an "Acasa" mitarbeitete, einem Projekt, das eine Maschine entwickeln will, die schnelle und billig Häuser produziert. "Ich glaube, dass einer von uns dachte, dass es möglich ist - bis heute."

Rachel Metz/AP
 
 
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