HOME

stern-Logo Alles zum Coronavirus

Interview

Krise in der Filmbranche: "Ich lebe zurzeit wie ein Rentner": Detlev Buck über Corona und seine neue Serie "Bibi und Tina"

Der Regisseur Detlev Buck über seine neue Amazon-Serie "Bibi und Tina", seine Zwangspause in der Corona-Krise und warum er von einer Renaissance des Autokinos träumt. 

Detlev Buck über seine Amazon-Serie "Bibi und Tina"

Detlev Buck spricht mit dem stern über die Folgen der Corona-Krise und seine Amazon-Serie "Bibi und Tina"

Amazon

Herr Buck, wir können uns zurzeit nicht persönlich treffen, wo erreiche ich Sie gerade?

Ich bin in Bayern, wo ich bis vor ein paar Tagen noch mit den Dreharbeiten meines Films "Felix Krull" beschäftigt war. Dann wurde uns aufgrund der Corona-Krise die Drehgenehmigung entzogen. Jetzt habe ich plötzlich unglaublich viel Zeit. Der kurze Einkauf gehört zu meinem sozialen Höhepunkt meines Tages. Aber mein Film ist erst zu einem Viertel fertig. Ich warte darauf, dass ich weiter machen kann. Dieser Shutdown kann ja nicht ewig währen. 

Ihre erste Serie für Amazon konnten Sie noch fertigstellen. Aus der Kinderhörspielreihe "Bibi und Tina" will Amazon jetzt eine internationale Serie machen, die 200 Ländern gezeigt werden soll. Wie haben Sie die Macher davon überzeugt?

Das war gar nicht so schwer. Die Verantwortlichen bei Amazon in London haben mich gefragt: "Wie sieht denn ihre horizontale Erzählstruktur aus, Herr Buck?" Da habe ich gesagt: "Ganz einfach: die Geschichte beginnt am Anfang der Sommerferien und endet am Ende der Sommerferien. Und dazwischen sind die Abenteuer." Das hat denen gereicht. Oft liegt in den schlichtesten Ideen die meiste Kraft.

Sie kokettieren.

Na ja, es gibt schon ein paar mehr Ideen. Der Sommer spielt verrückt in der Serie. Es ist unglaublich heiß, es kommen Stürme auf, die Natur rebelliert. Wir spielen da auch auf den Klimawandel an. Ich finde, man darf Kinder auch in der Unterhaltung nicht unterschätzen. Die wissen nämlich oft viel mehr über die Probleme dieser Welt als Erwachsene. 

Ihre "Bibi und Tina"-Kinofilme gehören zum kollektiven Kanon vieler sechs bis 12-jährigen Kinder in Deutschland. Mehr als fünf Millionen Zuschauer sahen die vier Teile. Ahnten Sie damals, auf was für eine Goldader Sie gestoßen waren?

Ehrlich gesagt: Meine drei Töchter hörten früher immer die Kassetten von "Bibi und Tina". Mir waren diese Pferdemädchen-Geschichten oft zu dröge. Ich konnte das nicht ertragen. Die Königsidee war, dass wir aus "Bibi und Tina" eine Art von Pop-Drama gemacht haben, wo immer gesungen wird, wenn die Emotion zu groß werden. Dazu gab es noch eine Prise Anarchie, aber auch Haltung. Themen wie Donald Trump oder die Flüchtlingsproblematik konnte ich so auch unterbringen. Das war mir wichtig. 

Die Kinos sind zurzeit in Deutschland geschlossen. Gehören die Streaming-Anbieter wie Amazon, Netflix und Disney + zu den Krisengewinnern der Corona-Pandemie?

Auf jeden Fall. Alle hocken zuhause. Drehen im Kreis. Es gibt gerade einen großen Bedarf an Unterhaltung, für die man nicht die Wohnung verlassen muss.

Glauben Sie daran, dass dieses Jahr die Kinos in Deutschland wieder öffnen werden?

Ich hoffe das natürlich! Alles andere wäre eine Katastrophe, die viele Betreiber an den Rand der Existenz bringt. Aber ich befürchte, dass selbst bei einer baldigen Wiederöffnung der Kinos noch viele ältere Leute aus Respekt vor einer Ansteckung dem Kino fernbleiben werden. Das Urvertrauen ist jetzt einfach weg. Und du kannst nicht jeden Zuschauer in eine Plexiglasscheibe stecken. In einer solchen Situation hätte wahrscheinlich nur noch ein Autokino eine Chance. Ich wäre ja sehr für die Renaissance des Auto-Kinos. Ich mochte die immer sehr gerne.

Aufgrund der vielen verschobenen Kinofilme droht nun bei einer Wiederöffnung ein Overkill an Filmen im Herbst?

Das kann ein furchtbares Hauen und Stechen geben. Auch mein Film "Wir können nicht anders" ist jetzt erst einmal auf den Herbst geschoben. Da soll jetzt auch der neue Bond-Film kommen. Das ist so ein Staubsauger-Film, der all den anderen kleineren Filmen das Publikum wegsaugt. Man muss schauen, dass sich da nicht zu viele Filme gegenseitig kannibalisieren. 

Jetzt, wo nichts mehr geht, jede Film-Produktion gestoppt ist: Wie geht es Ihnen?

Es ist ein seltsamer Ausnahmezustand. Wir waren mittendrin bei den Dreharbeiten zu "Felix Krull". Hatten einen guten Lauf. Dann plötzlich: Motor aus, Adrenalin runter. Mein Hauptdarsteller Jannis Niewöhner ist nach Hause gefahren. Und ich höre jetzt nach langer Zeit mal wieder den Vögeln zu. Ich lebe gerade wie ein Rentner. Der Tag ist ganz schnell vorbei, obwohl ich gar nicht viel mache. Ist ganz nett. Alles fährt runter. Nur dauerhaft möchte ich nicht so leben. 

Die Serie "Bibi und Tina" von Detlev Buck läuft bei Amazon Prime Video ab 3.4.2020

Wissenscommunity