Audi TT Sport & Spar


Audi baut seinen ersten Öko-Sportler. Im TT nagelt nun klimafreundlich ein Diesel. Wer meint, das passt zusammen wie Champagner und Cheeseburger, wird eines Besseren belehrt. Zum Spaß am Beschleunigen kommt die Freude an der Zapfsäule. Verbrauch: 5,3 Liter.
Von Michael Specht

Es hat ein wenig gedauert, bis man sich in Ingolstadt durchgerungen hat, einen Sportwagen mit Dieselmotor auf die Straße zu schicken. Erst die Siege des Rennwagens R10 TDI in Le Mans und in Amerika gaben den Audi-Strategen genug Rückenwind, um zu sagen: Die Zeit ist reif. Der TT ist damit der erste Seriensportwagen, unter dessen Haube ein Selbstzünder nagelt. Dass diese bislang einmalige Kombination auch genügend Kunden findet, steht bei Audi außer Frage. Schon die nackten Zahlenwerte haben das Potenzial, am Stammtisch für ungläubige Gesichter zu sorgen: 170 PS und 350 Newtonmeter schaffen 226 km/h Spitze und einen Spurt von null auf Tempo 100 in 7,5 Sekunden. Verbrauchen soll der, wie Audi sagt, "sparsamste TT aller Zeiten" nur 5,3 Liter pro 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 139 Gramm pro Kilometer entsprechen würde.

Darauf sind die Audi-Leute so stolz, dass sie sogar mit einer TT-Tradition brachen: Normalerweise darf nach einer Purismus-Vorgabe der Designer an diesem Sportwagen kein Hinweis stehen, welches Herz unter der Haube schlägt. Erstmals klebt nun am Heck das TDI-Zeichen. "Wir trauen uns das, wir wollen ganz klar sagen, Dieseltechnologie ist etwas sehr Dynamisches", sagt Maike Fischbeck, bei Audi zuständig fürs Produktmarketing Sportwagen.

Reichlich Dampf von unten

Zwar fehlt es dem modernen Zweiliter-Common-Rail-Aggregat ein wenig an kernigem Sound, aber vermutlich haben die Kunden, die sich den TT TDI zum Preis ab 34 850 Euro leisten können, mit solchen spät pubertierenden Dingen eh nichts am Hut. Kompensiert wird Klang mehr als genug vom spielerischen Durchzug des Selbstzünders. Zwischensprints machen am meisten Spaß, wobei es fast egal ist, in welchem Gang man gerade fährt, die 350 Newtonmeter Drehmoment legen bereits ab 1750/min ungestüm los. Doch selbst das Schalten mindert nicht die Fahrfreude, denn nur wenige Getriebe lassen sich so knackig und exakt bedienen wie die Sechsgangbox im TT. Krönung wäre ja das Doppelkupplungsgetriebe S-tronic, doch darauf müssen Dieselkunden leider verzichten. Ob und wann das Teil kommt, wollte Audi nicht verraten.

Neben dem sparsamsten TT stellen die Ingolstädter zeitgleich auch den stärksten TT aller Zeiten, den TTS vor, wobei das Kürzel nichts mit dem ehemaligen NSU TTS aus den 60er Jahren zu tun hat. So wie es einen S3, S4, S5, S6 und S8 gibt, schickt man nun analog eine S-Version des TT ins Rennen, gedacht für den sportlichen Ausgleich eines von Meetings und Telefonaten gestressten Jung-Managers. Dessen Feierabend sollen 272 PS und eine möglichst freie linke Spur versüßen, denn der Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer macht aus dem TT eine Fahrmaschine par excellence. Besonders mit der aufpreispflichtigen S-tronic, das die sechs Gänge in Wimpernschlagkürze wechselt. Hinzu kommen eine knackig-direkte Lenkung und ein Top-Fahrwerk, bei dem man sich extrem zurückhalten muss, nicht jede Kurve mit dem Faktor Zwei des Erlaubten zu durcheilen.

Neue Einstiegsversion

Wem die 44.900 Euro für den TTS vielleicht doch ein bisschen zu sportlich erscheinen, für den bietet Audi für 15.500 Euro weniger eine neue Einstiegsversion des TT an, den 1.8 TSFI. Gäbe es kein Gesetz, das es verbietet, die Streuung der Motorleistung nach oben nicht zu limitieren, man könnte glatt meinen, der 1,8-Liter hole erheblich mehr aus seinen Brennräumen als die angegebenen 160 PS. Es überrascht, wie gierig der kleine Turbo-Vierzylinder am Gas hängt und man schon nach wenigen Kilometern kurvenreicher Landstraße zu dem Schluss kommt: mehr Sportwagen braucht kein Mensch - weil die Basisversion einmal mehr die Kernwerte des TT verkörpert: leicht, drehfreudig und puristisch.


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