AUTO Nimm mich mit, Thesis, auf die Reise


Für faszinierende Beiträge zur gehobenen Mittelklasse war Lancia bisher nicht gerade berühmt. Dementsprechend forsch und konventionslos gingen die Italiener das Projekt Thesis an.

Für faszinierende Beiträge zur gehobenen Mittelklasse war Lancia bisher nicht gerade berühmt. Dementsprechend forsch und konventionslos gingen die Italiener das Projekt Thesis an. Herausgekommen ist dabei eine Limousine, die bei so manchem BMW- oder Mercedes-Fahrer erstaunte Blicke ernten wird - so das eigenwillige Design Anhänger findet.

Der Knick in der Hüfte

Am 27. April soll der Thesis zu den Händlern rollen und natürlich schnellstens seine Anhänger finden. Möglichst 3 500 davon im ersten vollen Verkaufsjahr, wünscht sich Lancia.

Die Chancen stehen dabei tatsächlich nicht schlecht. Das Design polarisiert auf alle Fälle. Die beiden chromeingefassten Scheinwerfer sind der Abschluss einer Sicke, die sich vom Kofferraum nah vorne zieht. Volvo-Fahrern ist dieser »Hüftknick« längst vom den 70er-Modellen bekannt. Der klassische Kühlergrill stellt sich gewagt steil in der Fahrwind - ein echter Hingucker eben. Wer den Thesis in Schwarz bestellt, sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob er seinem fahrbaren Untersatz nicht den Kosenamen »Batmobil« verpasst. Das glatt geschmirgelte Thesis-Heck ist eine seltsame Synthese aus BMW 7er und Jaguar. Schick, aber dennoch muss man auch hier die Geschmacksfrage stellen.

Vier Motorisierungen

Unter der innovativen Hülle verbergen sich im Motorraum zum Start vier Motorisierungen. Neben drei Benzinern mit einem Leistungsband von 170 bis 215 PS (125-158 kW), kommt auch ein 150 PS (110 kW) starker Common-Rail-Turbodiesel zum Einsatz.

Farbbildschirm als Standard

Der Weg ins Innere erleichtert der Thesis mit elektrisch betätigten Türgriffen und einem servounterstützten Öffnungsmechanismus. Dort angekommen, wird man auch schon von der vollen Packung Komfort erwischt. Schon in der Basisausstattung lassen sich die Vordersitze in alle nur erdenklichen Richtungen elektrisch verstellen. Wer noch ein paar Lire drauflegt, bekommt sein Gestühl auch noch belüftet, geheizt und mit einer Massagefunktion ausgestattet. Größter Blickfang im Armaturenbrett ist zweifelsohne der große, serienmäßige Farbbildschirm. Von hier aus werden, je nach Ausstattung, die meisten Thesis-Funktionen gesteuert: Radio, Navigationssystem und CONNECT-Einrichtungen. Um auch den Händen Grund zur Freude zu geben, ist die Mittelkonsole nicht mit Plastik, sondern mit edlem Magnesium verkleidet. Und wer wirklich einen Chauffeur ans schicke Multifunktions-Lenkrad lassen will, kann es sich auf der Rückbank richt bequem machen: Auf Wunsch lässt sich nämlich der Beifahrersitz von der Rückbank aus verschieben.

Acht Airbags

Keine Experimente wagt Lancia bei der Sicherheitsausstattung. Gleich acht Airbags verrichten im Thesis bei Bedarf ihre lebensrettenden Dienste. Hinzu kommen noch die üblichen Gurtstraffer und Gurtlastbegrenzer. Langfinger könnten es mit dem Thesis nicht leicht haben: Eine sogenannte Deadlock-Regelung deaktiviert auf Befehl alle Hebelsysteme der Türschlösser.

Ausgefeilfte Fahrwerkstechnik

Den meisten Platz in der Lancia-Pressemitteilung gehört dem Fahrwerk des Thesis. Ein neuartiges, halbautomatisches Dämpfungssystem, das auf den eindrucksvollen Namen »Skyhook« (Himmelshaken) hört, soll dem Thesis beinahe sagenhafte Fahreigenschaften bescheren. Das von Mannesmann-Sachs entwickelte System überwacht ständig die Kräfte, die auf die Räder wirken und passt die Dämpfer des Fahrzeugs den Anforderungen an. So sollen, laut Lancia, unter anderem die meisten Wankbewegungen beim Beschleunigen und Bremsen entfallen. Ganz so, wie es sich für eine Reiselimousine gehört.

Zu welchem Preis die Mittelklasse-Limousine, die so gerne in der Oberklasse mitspielen möchte, zu haben sein wird, ist noch unklar. Bleibt zu hoffen, dass der Preis ähnlich positiv auffallen wird, wie der Thesis selbst.

Von Jochen Knecht


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker