Borgward Alte Liebe rostet doch

Wenn es um die 1961 in die Pleite gerutschte Bremer Automarke Borgward geht, bekommen Kenner noch heute feuchte Augen.

Wenn es um die 1961 in die Pleite gerutschte Bremer Automarke Borgward geht, bekommen Kenner noch heute feuchte Augen. Den Borgward "Isabella Coupe" zählen viele Autofreunde zu den schönsten Nachkriegswagen überhaupt. Nur in Bremen, wo die Borgward-Fabrik stand, erinnert nichts an die Pleite, in die auch der Bremer Senat verwickelt war. 43 Jahre nach dem Ende wollen nun drei Lokalpatrioten das Autoerbe der Stadt wiederbeleben.

44 marode Borgwards

Hier soll es losgehen: In einem weitläufigen, ausgedienten Lagerschuppen im Bremer Hafen. Im weiten Halbkreis stehen sie da, die Borgwards, Lloyds, die Goliaths, die Hansas. Aufgereiht wie für eine klassische Oldtimer-Schau, 44 Stück. Gerade zehn Autos sind fahrbereit, viele andere hat der Rost im Griff, bei einigen fehlt die Innenausstattung.

"Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd"

Doch Kenner schauen über Oberflächliches hinweg und entdecken manche Rarität. So stehen in der Halle nicht nur schmucke Isabellas oder die eigenwilligen, dreirädrigen Goliaths. Auch Nutzfahrzeuge sind zu finden, sowie der aus Holz gebaute Lloyd LP 300, als "Leukoplastbomber" in den Volksmund eingegangen, oder ein Exemplar des "Hansa 5000", der ersten Borgward-Konstruktion der Nachkriegszeit. Zur Borgward-Marke Lloyd hatten die Autofahrer in den 50er Jahren eine wackelige Beziehung: "Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd" hieß es damals.

Sammlung stammt aus Österreich

Ein Sammler aus Österreicher hatte die Wagen zusammengetragen. Die drei Bremer konnten die Sammlung, die die größte in Deutschland sein soll, auf Grund eines Zufalls erwerben. "Ich habe im Fernsehen einen Bericht über die Autos gesehen, so kam die Sache ins Rollen", erinnert sich Heiner Hellmann, im Hauptberuf Betreiber eines großen Veranstaltungzentrums. Der Sammler war zehn Jahre tot, seine Witwe wollte sich von den Wagen trennen. "Für einen kleineren sechsstelligen Betrag", erklärt Hellmann, wurden sie handelseinig und holten die Oldtimer heim an die Weser.

Ein offenkundig halsbrecherisches Unterfangen: Eines der Autos heißt jedenfalls seither - in Anlehnung an einen von Horrorautor Stephen King erdachten mordlüsternen Wagen - Christine. "Sie hätte uns fast umgebracht", erinnert sich Hellmann: "Das Auto hat keine Bremsen mehr und hätte uns beim Verladen auf den Transporter fast überfahren."

"Ein Stück Industriegeschichte"

Warum sie solche zum Teil vollkommen maroden Autos erwarben? Borgward-Fans seien sie nicht, sagt der frühere Lehrer, sie glaubten aber, eine solche Lokalberühmtheit müsse sich in der Hansestadt touristisch vermarkten lassen. Zudem seien sie als gebürtige Bremer an der Geschichte ihrer Stadt interessiert, und "dies ist ein Stück Industriegeschichte". Die Sammlung könne dazu beitragen, sich wieder mit Carl F. W. Borgward auseinander zu setzen, dessen Vermächtnis in Bremen nicht ausreichend gewürdigt werde.

In der Tat: An den großen Autobauer, auf dessen Firmengeländen sich heute das Bremer DaimlerChrysler-Werk und ein Einkaufszentrum erheben, erinnert nur ein versteckter Gedenkstein. Allerdings war das Ende des Konzerns 1961 auch die bis dahin größte Pleite, die die Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hatte - 23.000 Arbeitsplätze gingen nach Angaben des Bremer Borgward-Clubs damals verloren.

Die Sache mit der Pleite

Warum Borgward unterging, ist umstritten. Qualitätsprobleme kamen mit einem Wirtschaftsabschwung zusammen, außerdem fehlten dem 70 Jahre alten Borgward möglicherweise die Kräfte, um die Krise durchzustehen. Auch der Bremer Senat trug damals zur Pleite bei. Nach dem Konkurs wurden aber alle Schulden bezahlt.

Bremer Senat ist noch reserviert

Noch ist offen, was nun mit der Sammlung geschieht. Geht es nach Hellmann und seinen Mitstreitern, könnte sie Grundstock für eine Schau über den Automobilbau in Bremen bis in die Gegenwart sein. Dies können die Freunde Hellmann zufolge allerdings nicht mehr allein bezahlen. Sie hoffen auf öffentliche und private Unterstützung. Erste Gespräche liefen auch schon, berichtet der 49-Jährige, der zurzeit an einem Konzept für die Ausstellung arbeitet. Auch über 40 Jahre später geht der Bremer Senat allerdings kühl mit dem Industrie-Erbe um: "Das ist zunächst einmal eine Privatsache", sagte der Sprecher des Kultursenators, Helge Rehders.

Wenigstens eine Hürde könnte auf dem Weg zur Borgward-Show leichter zu nehmen sein, glaubt der Ex-Lehrer. Die Restaurierung der Autos müsste zwar von Fachleuten übernommen werden. "Sie dürfte aber nicht allzu teuer werden. Die Wagen müssen ja nicht mehr durch den TÜV."

Imke Zimmermann/AP AP

Mehr zum Thema



Newsticker