VG-Wort Pixel

Schäden bei Auslieferung Tesla Model Y: Käufer beschweren sich über Fahrzeugmängel aus Grünheide

Tesla-Chef Elon Musk übergibt persönlich ein Model Y zur Eröffnung der Gigafactory in Grünheide an den Besitzer
Tesla-Chef Elon Musk übergibt persönlich ein Model Y zur Eröffnung der Gigafactory in Grünheide an den Besitzer
© Patrick Pleul / DPA
Als Tesla die Eröffnung seiner Gigafactory in Grünheide feierte und die ersten 30 Model Y-Fahrzeuge "Made in Germany" an seine Kunden übergab, waren die Autos in einem einwandfreien Zustand. Nun hat es allerdings Kundenbeschwerden über Mängel an den ausgelieferten Neufahrzeugen gegeben.

Am 22. März wirkte offenbar alles perfekt in der frisch eröffneten Gigafactory in Grünheide. Auch die auf dem Gelände zur Schau gestellten Fahrzeuge überzeugten mit ihrer guten Verarbeitung. Doch die Kundenbeschwerden ließen nicht lange auf sich warten. Laut einem Bericht des Blogs "Teslamag" wurde ein Kunde bei dem Anblick seines neuen Tesla Model Y enttäuscht.

Auf Twitter finden sich ebenfalls Beschwerden über Mängel an ausgelieferten Model Y-Fahrzeugen. "(...) Leider ist die Qualität der deutschen Teslas wirklich nicht gut. Das sind ein paar Eindrücke von meinem MYP, der mir gestern übergeben wurde…", twittert ein Mann, der offenbar einen Tesla aus deutscher Produktion gekauft hat. Auf veröffentlichten Fotos sind mehrere unregelmäßige Spaltmaße zu erkennen. Zudem ragt die Heck-Klappe rechts ein Stück nach außen. Ein anderer Mann, der nach eigenen Angaben ein Tesla Model Y gekauft hat, berichtet auf Facebook von zahlreichen feinen Kratzern in der schwarzen Lackierung.

Der stern hat Tesla am Donnerstag in einer schriftlichen Anfrage um eine Stellungnahme gebeten. Tesla hat bis zur Publikation dieses Artikels allerdings nicht auf die Anfrage reagiert.

Kundenbeschwerden zum Model Y bereits im Jahr 2020

Schon seit einiger Zeit berichten Medien über Mängel, wie unregelmäßige Spaltmaße und Kratzer auf der Karosserie von Tesla-Fahrzeugen. Im Frühjahr 2020 begann der Elektroautobauer mit der Auslieferung des Model Y in den USA. Und wenig später beschwerten sich Kunden des E-Modells in den USA verstärkt über Mängel ihres ausgelieferten Autos, wie "Electrek" im Juni 2020 schrieb. Es soll schließlich auch zu Stornierungen gekommen sein.

Elon Musk räumte damals dem Bericht zufolge Probleme mit der allgemeinen Montage des Model Y ein und schickte eine Mail an seine Mitarbeiter. Darin schrieb er: "Es ist extrem wichtig für uns, die Produktion des Model Y hochzufahren und den Bedarf an Nachbesserungen zu minimieren." Es wurden damals Vermutungen laut, Tesla versuche möglichst viele Model Y-Fahrzeuge im laufenden Quartal auszuliefern, um gute Zahlen vermelden zu können. Ähnliche Mutmaßungen waren nun auch mit Bezug auf Grünheide zu vernehmen.

Studie: Tesla-Autos haben überdurchschnittlich viele Mängel

Tatsächlich ergab die Ende Juni 2020 veröffentlichte Initial Quality Study des US-amerikanischen Analyseunternehmens J.D. Power, dass Tesla-Neuwagen – zum Großteil Model 3-Fahrzeuge – mehr Mängel als jene Fahrzeuge der anderen 31 berücksichtigten Automarken aufwiesen. Die Qualität wurde anhand der Anzahl der aufgetretenen Probleme pro 100 Fahrzeuge (PP100) ermittelt. Eine niedrigere Punktzahl bedeutete eine höhere Qualität. Tesla erhielt dabei eine erste Qualitätsbewertung von 250 Problemen auf 100 Fahrzeuge, auch wenn der US-Autohersteller offiziell nicht Teil der Studie war. Denn er gewährte J.D. Power keinen Zugang zu den Registrierungsdaten der Kundenfahrzeuge.

Die Probleme bei den Tesla-Autos lagen vor allem in der Produktion und in Dingen wie Lackmängeln, schlecht sitzende Karosserieteile, schwer zu öffnende und zu schließende Kofferräume und Motorhauben, Windgeräusche sowie Quietsch- und Klappergeräusche. In Kanada reichten Tesla-Besitzer sogar eine Sammelklage gegen den Autohersteller wegen Problemen mit der Lackqualität ein.

Dodge und Kia schnitten in der Studie im Vergleich dagegen am besten ab mit 136 Problemen auf 100 Fahrzeuge. Der Durchschnitt für Fahrzeuge des Modelljahres 2020 lag bei 166 Problemen pro 100 Fahrzeuge. In der nachfolgenden Studie 2021 verbesserte sich Tesla dann ein wenig mit 231 Problemen auf 100 Fahrzeuge, landete damit aber wieder auf den letzten Plätzen des Rankings.

Vor rund einem Jahr hatte sich Tesla-CEO Elon Musk noch dazu geäußert, dass es während des Hochlaufs einer neuen Fabrik extrem schwer sei, alle Details richtig umzusetzen. An Perfektion interessierte Kunden sollten deshalb entweder ganz früh kaufen oder erst, wenn die Produktion in einem Tesla-Werk stabil sei, so seine Empfehlung.

Quellen: Teslamag, Electrek, JD Power (1), JD Power (2), CNBC

Mehr zum Thema

Newsticker