Überraschende Zahlen
Autobahn-Notrufsäulen wieder in Betrieb – wer nutzt die eigentlich noch?

Orange, groß und nicht zu übersehen: Notrufsäule an der Autobahn
Orange, groß und nicht zu übersehen: Notrufsäule an der Autobahn
© Uwe Anspach / DPA
Noch lange kein Auslaufmodell: Auch im Handyzeitalter werden die Notrufsäulen an den Autobahnen rege genutzt. Ein zwischenzeitlicher Defekt ist wieder behoben.

Stundenlang fielen sie aus, jetzt stehen sie Autofahrerinnen und Autofahrern wieder zur Verfügung: die orangefarbenen Notrufsäulen entlang der deutschen Autobahnen. „Der Normalbetrieb ist wiederhergestellt“, teilt die Autobahn GmbH des Bundes am Mittwochmorgen mit.

Grund für den Ausfall sei ein technischer Defekt im internen Kommunikationsnetz eines externen Dienstleisters gewesen.

Notrufsäulen werden weiterhin genutzt

Mehr als 17.000 der Säulen stehen am rund 13.000 Kilometer langen Autobahnnetz der Bundesrepublik. Betrieben werden sie seit 2024 von der Firma Bisch Service Solutions. Man stelle mit den Notrufsäulen sicher, „dass Verkehrsteilnehmer im Falle einer Panne oder eines Unfalls kompetente und schnelle Hilfe erhalten“, so das Unternehmen.

Aber ist dieser Aufwand in Zeiten von automatischen Notruffunktionen in Neuwagen und vor allem der umfassenden Verbreitung von Mobiltelefonen überhaupt noch nötig und zeitgemäß?

Ja, sagt die Betreiberfirma. „Insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Mobilfunkempfang oder bei einem leeren Handyakku ist eine zuverlässige Alarmierung von Rettungskräften oder Pannendiensten dank der Notrufsäule möglich.“ 

Und es gebe noch einen weiteren „entscheidenden“ Vorteil der Notrufsäulen. Der Standort werde bei der Nutzung automatisch an das Notrufzentrum übermittelt. „Dies erleichtert die präzise Lokalisierung, ohne dass der Anrufer diese Informationen selbst liefern muss – ein unschätzbarer Vorteil in stressigen Notfallsituationen.“

Auch neue Autobahnen bekommen Notrufsäulen

Und tatsächlich: Ein Blick auf die offiziellen Zahlen zeigt, dass die Notrufsäulen noch immer kein Auslaufmodell sind. Monatlich setzen die Autofahrerinnen und Autofahrer demzufolge etwa 4000 Notrufe vom Autobahnrand ab, täglich im Schnitt also mehr als 130. In 80 Prozent der Anrufe werden Pannen gemeldet, bei 20 Prozent geht es um Notfälle.

Dennoch: Die Nutzung der Notrufsäulen ist angesichts der technischen Entwicklung konstant rückläufig. Noch vor zehn Jahren wurden mehrere Hundert Anrufe am Tag abgesetzt. Neue Autobahnabschnitte werden übrigens nach wie vor mit Notrufsäulen ausgestattet, der Ausbau des Netzes geht also auch mehr als 70 Jahre nach der ersten Inbetriebnahme in den 1950er Jahren weiter.

Quellen: Autobahn GmbH des Bundes, Bosch Service Solutions, Nachrichtenagentur DPA

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