VG-Wort Pixel

Autonomes Fahren Immer wieder hypte Elon Musk Teslas Autopilot. Jetzt gibt er zu: Er ist "nicht besonders toll"

Elon Musk im Frühjahr 2020.
Auch Elon Musk ist mit dem aktuellen Zustand des Tesla-Autopiloten nicht zufrieden
© Susan Walsh / DPA
Tesla hatte in den letzten Wochen immer wieder Ärger mit der Selbstfahr-Funktion seiner Wagen. Jetzt gesteht auch Chef Elon Musk ein, dass die aktuelle Version Probleme hat. Und das, obwohl der Konzern bis Ende des Jahres vollautonom fahren wollte.

Es war eine klare Vision: Das vollautomatisierte Fahren sei ein "gelöstes Problem", verkündete Elon Musk. Spätestens in zwei Jahren würden Autos vollautomatisch und ohne Fahrereingriff auf den Straßen unterwegs sein. Das war 2016. Nach allerlei Ärger mit dem Autopiloten musste jetzt sogar der Tesla-Chef selbst zugeben: Wirklich gut läuft das alles noch nicht.

Bei Twitter äußerte er sich am Dienstag zu Vorwürfen zur aktuellen Test-Version von Teslas Autopiloten, der Konzern spricht von "Full Self Driving" (Vollständig selbstständiges Fahren), kurz FSD. "Die FSD Beta 9.2 ist wirklich nicht besonders toll", schrieb Musk ungewohnt selbstkritisch. Sein Team sei an der Sache dran. Schuld sei der Versuch, mit einem einzelnen Modul sowohl das Fahren auf Autobahnen als auch auf städtischen Straßen zu vereinen, so der Tweet.

Tesla in der Kritik

Die Beta war in den letzten Wochen in massive Kritik geraten. Und das nicht nur deshalb, weil Tesla eine Software zum selbstständigen Fahren direkt vom Kunden im Alltagsverkehr testen ließ. Die Software reagierte immer wieder völlig falsch, versuchte etwa bei einem Fahrer in eine Baugrube zu steuern, die mit Verkehrskegeln abgesichert war. Der Autopilot fahre wie ein Betrunkener, ärgerte sich ein Tester.

Einer der Gründe dafür könnte sein, dass Tesla immer noch damit herumexperimentiert, wie genau der Autopilot funktioniert. Ein klarer Widerspruch zu Musks Aussage vom gelösten Problem. Neben dem Versuch, Stadt- und Autobahnfahrten zu vereinen, warf der Konzern Anfang des Jahres etwa den Ansatz um, andere Wagen und Objekte mit einer Kombination aus Kameras und Radar zu erkennen. Und setzt nun nur noch auf Kameras. Damit schränkt sich der Konzern im Vergleich zu anderen Herstellern noch weiter ein. Viele setzen mittlerweile neben Kameras und Radar zusätzlich auf die auch im iPhone verbaute Lidar-Technologie, die Abstandsmessung per Laserstrahlen ermöglicht.

Autonomes Fahren: Immer wieder hypte Elon Musk Teslas Autopilot. Jetzt gibt er zu: Er ist "nicht besonders toll"

Vollmundige Ankündigungen

Wie die Umbauten sich auf Musks bisher vollmundigste Ankündigung auswirken, ist noch unklar. Noch bis Ende des Jahres wolle man Stufe 5 des autonomen Fahrens erreichen, hatte er angekündigt. Das würde bedeuten, dass die Tesla-Autos auch ganz ohne Fahrer oder Passagiere vollständig autonom auf sämtliche Verkehrssituationen reagieren könnten. Die US-Automobil-Behörde DMV sieht das nicht. "Tesla ist aktuell auf Stufe 2", bewertet ein internes Memo der Behörde. Man habe bereits Teslas Autopilot-Chef CJ Moore mit der Frage konfrontiert. "Um auf höhere Stufen gehoben zu werden, müssten sich die Eingriffe durch einen Fahrer auf einen Eingriff alle ein bis zwei Millionen gefahrene Meilen verringern", so die Behörde.

Davon ist Tesla allerdings weit entfernt. Wie weit, das zeigte eine jüngst bekannt gewordene Ermittlung der nationalen Behörde für Verkehrssicherheit in den USA, der NHTSA. Die will der Ursache für einen gefährlichen Fehler des Autopiloten auf den Grund gehen: Es krachten immer wieder automatisch fahrende Teslas in am Straßenrand stehende Rettungsfahrzeuge. Und das Problem nimmt zu. Von den elf seit 2018 registrierten Fällen fielen vier alleine in den Zeitraum zwischen Ende Februar und Ende Juli diesen Jahres.

Quellen: Twitter, DMV-Memo


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker