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Alfa 156 Sportwagon 2.4 JTD: Pampers-Express

Familienzuwachs - alles bestens! Lediglich vom liebgewonnenen Sportflitzer trennt Mann sich äußerst ungern. Vielleicht passt der Kinderwagen ja doch in den Roadster...? Deshalb muss früher oder später ein Kombi her. Wir waren mit einem Alfa 156 Sportwagon 2.4 JTD unterwegs.

Familienzuwachs - alles bestens! Lediglich vom liebgewonnenen Sportflitzer trennt Mann sich äußerst ungern. Vielleicht passt der Kinderwagen ja doch in den Roadster...? Tut er nicht, garantiert! Deshalb muss früher oder später ein Kombi her. Zum Glück für angekratzte Männer-Seelen erfüllen die Familien-Kolosse inzwischen auch sportliche Ansprüche. Wir waren mit einem Alfa 156 Sportwagon 2.4 JTD unterwegs.

Extravagante Hülle

Kombi und Diesel? Das klingt nur im ersten Moment nach Höchststrafe. Längst haben moderne Turbodiesel-Direkteinspritzer das Traktor-Image abgelegt. Vor allem Fiat tut sich immer wieder mit modernen und zugleich sportlichen Selbstzündern hervor. Klar, dass solch ambitionierte Triebwerke auch eine extravagante Hülle brauchen. So gesehen sind der Alfa Sportwagon und das 150 PS starke JTD-Triebwerk ein echtes Traumpaar.

Zeitlos schick


Obwohl die ausladenden Linien des Alfa-Kombis inzwischen schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, kann sich der Italiener auch optisch noch mit beinahe jedem Konkurrenten messen. Die markante Alfa-Schnauze, eine extrem ansteigende Seitenlinie und das zum Heck hin stark abfallende Dach sind nicht nur sportlich sondern auch zeitlos schick.

Fauxpas mit Muscle-Car: Angeber tritt aufs Gas - und verliert Hinterachse

Alfa-Romeo 156 Sportwagon 2.4 JTD

Motor

Fünfzylinder-Turbodiesel, Common-Rail-Direkteinspritzung

Leistung

150 PS / 110 kW

Länge/Breite/Höhe

4.430/1.745/1.420 Millimeter

Leergewicht

1.510 Kilogramm

Bremsen

Scheibenbremsen rundum, ABS, Stabilitätskontrolle und ASR

Getriebe

Fünfgang-Schaltgetriebe

Höchstgeschw.

212 km/h

Durchschnittsverbr.

6,7 Liter (Werksangabe)

Grundpreis

27.000 Euro

Optischer Vergnügungspark
Tür auf, Schwung holen und wenig später findet man sich im Inneren des kompakten Kombis wieder. Alfa-Freunde haben sich längst an das durch Zylinder, Kreise und Knubbel zerklüftete Armaturenbrett gewöhnt. Alle anderen werden diesen optischen Vergnügungspark entweder lieben oder schockiert die Finger davon lassen. Tacho und Drehzahlmesser stecken in zwei großen Zylindern hinter dem Lenkrad, das Multifunktionsdisplay ist oben auf dem Armaturenbrett untergebracht, und die silberfarbene Mittelkonsole schmückt sich mit drei klassischen Rundinstrumenten.

Schlechte Ablesbarkeit


Dass die Tacho- und Drehzahlmesser-Röhren die Instrumente vor blendenden Sonnenstrahlen schützen ist eine tolle Sache - dass dabei der Ablese-Komfort leidet, nicht. Ansonsten gibt es am Alfa-Innenraum wenig Grund zur Klage. Die wichtigsten Hebel und Schalter sind intuitiv zu finden, und im Laufe der Produktionszeit haben sich die Italiener in Sachen Materialwahl und Verarbeitungsqualität mächtig gesteigert.

Wuchtiger Diesel

Der bislang stärkste Alfa-Diesel erwacht erstaunlich widerstandslos zum Leben. Vom üblichen "Nageln" abgesehen, ist der Selbstzünder ein recht wohlerzogener Zeitgenosse - so lange man seinen rechten Fuß vom Gaspedal fernhält. Dann wird es schlagartig munter unter der stark abfallenden Motorhaube. 305 Newtonmeter bringen die vier Zylinder unter Zuhilfenahme eines Garret-Turboladers hervor - und brauchen dafür gerade einmal 1.800 Umdrehungen. Vor unvorsichtigem Gaspedal-Spiel an der Ampel sei deshalb gewarnt. Selbst für den coolsten Familienvater ist recht peinlich, wenn er, statt einen schicken Kavaliersstart hinzulegen, alle Hände voll zu tun hat, den wild bockenden Sportwagon wieder einzufangen. Unkontrolliert losgelassen ist die Vorderachse mit der Kraft überfordert und quittiert den Überschuss mit hemmungslosem Durchdrehen der Vorderräder.

Freude am Fahren


Der mit Gummiabrieb erkaufte Respekt ist kaum von langer Dauer. Schnell gewöhnt man sich an die spontane Kraftentfaltung und nutzt sie für eigene Zwecke. Will heißen - so manche Kurve wird zum willkommenen Anlass, den geräumigen Italiener am Rande der Haftgrenze zu bewegen. Dabei gerät allzu schnell in Vergessenheit, dass man ja eigentlich einer Familienkutsche unterwegs ist. Ein Fehler, den Sportwagen-Besitzer nach getaner "Arbeit" mit Partner und Kindern ausdiskutieren müssen.

Platz, aber wenig Nutzwert


Ohne hemmungslose Abstecher auf die Landstraße hat der Rest der Familie garantiert wenig am Familien-Alfa auszusetzen. So fern auf der Rückbank nur der Nachwuchs untergebracht wird, werden von dort kaum Klagen kommen. Größere Mitfahrer werden mit der abfallenden Dachlinie Probleme haben. Ähnliches gilt auch für das Gepäckabteil des 156 Sportwagon. Von 360 auf 1.180 Liter erweiterbar, ist es vor allem die fehlende Höhe, die der Unterbringung des großen Familiengepäcks im Weg steht. Die Zuladung von 420 Kilo geht in Ordnung.

Die Grenzen des Fahrwerks
Bei all den sportlichen Ambitionen sollte man nie außer Acht lassen, dass der dieselbefeuerte Pampers-Bomber mit 1.510 Kilo kein Leichtgewicht ist. So bringen längere Fahrbahnwellen und schräge Schläge das Fahrwerk des Sportwagen ab Geschwindigkeiten um 150 km/h an seine Grenzen. Die Schwingungen auf der Hinterachse sind im grünen Bereich, aber dennoch deutlich spürbar. Auf die Fahrstabilität des schnellen Kombis hat dieses Phänomen keinen Einfluss - wohl aber auf das Sicherheitsempfinden des Fahrers.

212 Sachen rennt der Sportwagon laut Werksangabe. Ein Versprechen, das der Alfa ohne Probleme erfüllen kann. Dass sich dabei die Tanknadel nicht schneller bewegt als der Zeiger des Tachos, lernt man auf längeren Touren zu schätzen. Selbst im anspruchsvollen Testbetrieb gab sich unser Sportwagon mit 6,9 Litern Diesel zufrieden. Schwere Zeiten für Tankwarte...

Fazit


Der Alfa Sportwagon bringt Erlösung für alle zerrissenen Männerherzen: schnell, sparsam und familientauglich. Da kann kein Überraschungs-Ei mithalten. Besonders beeindruckend ist die Mischung aus rassigem Design und erstaunlicher Alltagstauglichkeit. Die kleinen Schwächen verzeiht man dem Italiener gerne. Mindestens 27.000 Euro sollten in der Familienkasse sein, um den Sportwagon beim örtlichen Alfa-Händler auszulösen.

Jochen Knecht
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