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Audi A3: Schärfer Golfen

Den Vergleich mit dem Wolfsburger Bestseller haben A3-Fahrer nicht so gerne. Zwar stammen die wichtigsten Bestandteile des kompakten Audi vom Golf - das war's dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Den Vergleich mit dem Wolfsburger Bestseller haben A3-Fahrer nicht so gerne. Zwar stammen die wichtigsten Bestandteile des kompakten Audi vom Golf - das war' s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Der A3 ist dynamischer, hochwertiger und natürlich teurer als das VW-Original. Die Gemeinsamkeiten sind geblieben - die Unterschiede aber auch. Wir waren mit dem neuen A3 auf Sardinien unterwegs.

Bewegung im Segment

Seit dem Start des Ur-A3 hat sich viel getan im Kompakt-Segment. Der Golf räubert inzwischen am oberen Ende der Klasse und Audi soll sich künftig um die sportlich-engagierte Luxus-Kundschaft kümmern. Eine Aufgabe, für die dem neuen A3 scheinbar wenig mehr Mittel zur Verfügung stehen als seinem Vorgänger. Die Plattform des nächsten Golf, eine sportliche Abstimmung und ein eigenständiges Design - das muss reichen, um sich die Pole-Position bei den Kompakten zu sichern.

Neu, aber unspektakulär

Auf den ersten Blick gibt es wenig Spektakuläres zu vermelden. Der A3 ist zwar ein komplett neues Auto, sieht aber zunächst gar nicht so aus. Wie schon bei der Neuauflage des großen A8 wurde die bekannte Grundform lediglich weiterentwickelt. Überraschungen ausgeschlossen. Schließlich sollen die bisherigen A3-Fahrer auch weiterhin Nachschub bei den Audi-Händlern ordern.

Was halten Sie vom neuen A3?

Face-Lifting

Am meisten von der Neuauflage profitiert hat das Gesicht des Ingolstädter Dreitürers. Die einst ebene Motorhaube musste einer deutlich gepfeilten Motorraum-Abdeckung weichen, in die der "böse Blick" bereits integriert ist. Die Kante der Haube greift die Form der Klarglas-Scheinwerfer auf, scheint sie sogar zu einem Teil abzudecken. Was bleibt ist ein grimmiger Blick, für den Auto-Fans sonst im Zubehörhandel viel Geld ausgeben.

Das "Atemloch" der Zukunft?

Nicht einmal für viel Geld lässt sich die neue Kühlerform des A3 nachrüsten. Mit einem dicken Chromrand versehen, bilden oberer und unterer Kühlergrill optisch fast eine Einheit. Aber eben nur fast. Denn der "Doppelgrill" darf sich bereits in naher Zukunft weiterentwickeln. Bereits beim fünftürigen A3 (Start Mitte 2004) soll der doppelte Frischluft-Spender einem großem "Atemloch" Platz machen, das an die imposante Optik der legendären Auto-Union-Rennwagen erinnert. Der Rest des Fünftürers soll sich ebenfalls vom coupéhaften Dreitürer unterscheiden. Da keine Kombi-Version des kompakten Ingolstädters geplant ist, dürfte der zweite A3 die Vorzüge eines Avants und eines Coupés in sich vereinen. Kombi-Coupé nennt sich so etwas dann. "Einfach nur zwei weitere Türen in den A3 zu schneiden, dafür wäre er uns dann doch zu schade", ist aus der Audi-Pressestelle zu diesem Thema zu vernehmen.

Verkaufsaussichten

Selbstbewusstsein scheint angebracht. Immerhin will man vom neuen A3 gut 1,2 Millionen Exemplare an den Mann beziehungsweise die Frau bringen. Das wären gut 300.000 mehr, als man von seinem Vorgänger absetzen konnte. Solch' mutige Prognosen wagt man nicht, wenn man nicht von seinem "Produkt" überzeugt ist.

Sportliches Pummelchen

Ein filigranes Kunstwerk war der A3 ja noch nie. Eher schon ein draller Kraftsportler. Daran hat sich auch nach der Neuauflage kaum etwas geändert. Im Gegenteil: Noch schmalere Seitenfenster, ein auffälliger Knick unterhalb der Fensterlinie ("dynamic line") und ein opulentes Heck lassen den Audi von hinten betrachtet beinahe etwas übergewichtig wirken. Verstärkt wird dieser pummelige Eindruck zudem noch durch filigrane Heckscheinwerfer, die die üppigen Formen betonen. Damit präsentiert sich der neue A3 massentauglich - aber eben nicht wirklich emotional.

Innere Werte

Nur unwesentlich mutiger haben sich die Ingolstädter Entwickler den Innenraum vorgenommen. Kaum hat man das oberklassentaugliche "Plopp" der Türen vernommen, findet man sich in vertrauter Atmosphäre wieder. Große Aluminium-Beschläge und klassische Instrumente sorgen für Behaglichkeit; runde Lüftungsdüsen und eine trapezförmige Verbindung zwischen Armaturenbrett und Mitteltunnel für einen Hauch Extravaganz. Ein Teil des Versuchs, Design-Brücken zum schicken TT-Roadster zu schlagen, ging jedoch prompt nach hinten los. Das nette Trapez macht bereits im parkenden Zustand dem rechten Fahrer-Knie das Leben schwer. Auf dem Weg zum Gaspedal ist das Teil einfach im Weg. Lediglich Beifahrer werden an dem Ding Gefallen finden: als eine Art "Panik-Griff" bei allzu forscher Fahrweise. Sechs, setzten.

Sitz-Platz

Keine Pannen bei der Wahl der Sitze. Egal ob Sport-Gestühl oder Standard-Sitz - man fühlt sich überall bestens aufgehoben. Durch großzügig dimensionierte Verstellmöglichkeiten lassen sich sogar groß gewachsene Passagiere gut verstauen. Eng kann es nur auf den Rücksitzen werden. Die verordnete Sportlichkeit kostete den A3 gut einen Zentimeter an Fahrzeughöhe (neu: 1.421 Millimeter) - Platz, der vor allem den mitreisenden Köpfen im Fond fehlen wird. Zumal man bei einem Ausflug auf die Landstraße auf gar keinen Fall hilflos hinter den Vordersitzen untergebracht sein möchte. Dazu lässt sich der kompakte Audi einfach zu ambitioniert bewegen.

Bodenhaftung: bestens

Egal ob Einstiegs-Benziner oder Zweiliter-Diesel - bereits nach den ersten Kurven möchte man vor den Fahrwerksentwicklern ehrfürchtig in den Gummi-Abrieb sinken. Was die Ingenieure dem A3 an Traktion und Fahrdynamik mit auf den Weg gegeben haben, wird neue Maßstäbe in der Kompaktklasse setzen. Aufwändige Achskonstruktionen verhelfen dem kleinen Audi zu einer beinahe schon unverschämten Neutralität. Lastwechselreaktionen sind einfach nicht vorhanden, Nick- oder Wankbewegungen kaum feststellbar. Selbst das bei Fronttrieblern so häufig auftretende Untersteuern (schieben über die Vorderräder), macht sich erst weit jenseits aller für Mensch und Maschine vertretbaren Kurvengeschwindigkeiten bemerkbar.

Sportlicher ist keiner

Der A3 lässt sich derart flink um Kurven werfen, dass man den serienmäßigen Schleuderverhinderer ESP bereits nach wenigen Biegungen zum Teufel wünscht - und ihn wenig später per Tastendruck in den Vorruhestand schickt. Garniert wird der beeindruckende Auftritt durch eine neu entwickelte elektromechanische Servolenkung, die einen exzellenten Kontakt zur Fahrbahn vermittelt. Wer will, darf sich für 220 Euro Aufpreis noch ein Sportfahrwerk an Bord holen. Nötig ist die Niveau senkende Maßnahme auf gar keinen Fall. Bereits im Standard-Trimm ist der A3 sportlicher abgestimmt als alle seiner Konkurrenten. Qualitäten mit weitreichenden Folgen. Immerhin vertraut der neue Golf auf die gleiche Fahrwerkskonstruktion - eine Tatsache, die in den Konzernzentralen der Konkurrenz hektische Betriebsamkeit auslösen sollte.

Vier Mal Vortrieb

Bei unseren ersten Spritztouren konnten wir auf sämtliche Motorvarianten zurückgreifen, die bislang für den A3 vorgesehen sind. Mit einer Ausnahme. Der Super-A3 mit 3,2 Liter V6-Maschine, 250 PS und quattro-Antrieb wird erst ab Herbst verfügbar sein. Schade eigentlich. Für einen Großteil der Kunden ist diese Verzögerung ohnehin unerheblich. Die überwiegende Mehrheit der Käufer wird sich auf die Vierzylinder Benzin- beziehungsweise Dieselmotoren konzentrieren. Ein Angebot, in dem eigentlich jeder fündig werden sollte.

Den Anfang macht der bekannte 1,6 Liter Benziner mit 102 PS. Etwas schmal auf der Hubraum-Brust, ist der kleine Vierzylinder jedoch nur für Menschen zu empfehlen, die das Potential ihres Fahrzeugs kaum ausschöpfen möchten. Wesentlich verlockender ist da schon der Zweiliter-Benziner. Der bringt es auf 150 PS und verspricht dank Benzin-Direkteinspritzung (FSI) auch noch ein maßvolles Schluckverhalten. Der große Vierzylinder zeichnet sich durch eine gleichmäßige Leistungsentfaltung aus, ohne dabei sonderlich dynamisch zu wirken. Echter Fahrspaß kann so nur erleben, wer sich ständig am oberen Ende der Drehzahl-Skala bewegt. Abhilfe könnte ein Turbolader bringen. Das weiß man auch bei Audi und entwickelt nach eigenen Angaben bereits eine passende "Zwangsbeatmung".

Motor 1.6 2.0 FSI1.9 TDI 2.0 TDI
BauartVierzylinder- OttomotorVierzylinder- Ottomotor mit Benzin-Direkt- einspritzungVierzylinder-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Direkt- einspritzungVierzylinder-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Direkt- einspritzung
Hubraum1.595 ccm1.984 ccm1.894 ccm1.968 ccm
Leistung75/ 102 kW/PS96/ 130 kW/PS77/ 105 kW/PS103/ 140 kW/PS
0-100 km/h11,9 Sekunden9,1 Sekunden11,4 Sekunden9,5 Sekunden
Höchstgeschw.185 km/h211 km/h187 km/h207 km/h
Durchschn. Verbr.7,0 Liter6,9 Liter5,1 Liter5,5 Liter
BremsenScheiben- bremsen rundum, ABS, ESP, BremsassistentScheiben- bremsen rundum, ABS, ESP, BremsassistentScheiben- bremsen rundum, ABS, ESP, BremsassistentScheiben- bremsen rundum, ABS, ESP, Bremsassistent
GetriebeFünfgang-SchaltgetriebeSechsgang-SchaltgetriebeFünfgang-SchaltgetriebeSechsgang-Schaltgetriebe
Länge/ Breite/ Höhe4.203/ 1.765/ 1.421 Millimeter4.203/ 1.765/ 1.421 Millimeter4.203/ 1.765/ 1.421 Millimeter4.203/ 1.765/ 1.421 Millimeter
Gewicht1.205 Kilo1.275 Kilo1.340 Kilo1.340 Kilo
Grundpreis18.850 Euro22.100 Euro20.700 Euro

Fitte Selbstzünder

Die ist bei den beiden Diesel-Triebwerken bereits an Bord. Einstiegs-Selbstzünder ist der bewährte Vierzylinder-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Direkteinspritzung. Aus seinen 1,9 Litern Hubraum fördert das Aggregat 105 PS. Das reicht für flottes Autobahn-Tempo und kurze Sprints auf der Landstraße. Allerdings ist der kleine Diesel ein echter Raufbold und macht aus seinen Arbeitsgeräuschen keinen Hehl. Hinzu kommt ein Durchzugs-Durchhänger unterhalb von 2.000 Umdrehungen. Darüber tritt der Turbodiesel allerdings aus wie ein Pferd und hat mit den 1.340 Kilo A3 wenig Mühe.

Wesentlich zivilisierter gibt sich da der brandneue Zweiliter-TDI mit 150 PS. Er verteilt den Kraftstoff ebenfalls per Pumpe-Düse-Technologie direkt in die Brennräume - geht dabei aber erstaunlich zivilisiert zur Sache. 320 Newtonmeter Kraft landen so maximal bei den Vorderrädern - das reicht locker, um mit dem A3 ambitioniert über Landstraßen zu dieseln. Erfreulich: alle Triebwerke, auch die Diesel, erfüllen die scharfe Abgasnorm EU4.

Knackige Getriebe

Wie man die Motorkraft zu übertragen gedenkt, hängt ganz von persönlichen Vorlieben und Finanzkraft ab. Standardmäßig hat der A3 ein manuelles Fünfgang-Getriebe an Bord, das bei den stärkeren Motorisierungen einer Sechsgang-Schaltung Platz machen muss. Gegen Aufpreis ist auch die sechsstufige Automatik "tiptronic" zu bekommen. Das Direktschaltgetriebe DSG bleibt jeweils den stärksten Otto- und TDI-Motoren vorbehalten. Die von uns getesteten manuellen Getriebe präsentierten sich auf den Straßen Sardiniens von ihren besten Seiten. Kurze Schaltwege sowie optimale Platzierung des Ganghebels machen die Schaltarbeit zu einer kurzweiligen Angelegenheit. So will man das sehen. Lediglich der dritte Gang des Sechsgang-Getriebes ist für das Herausbeschleunigen aus Kurven etwas kurz übersetzt.

Fazit

So scharf war noch kein Golf. "Er ist ja auch keiner", mögen Audi-Fans hier einwerfen. Ist er aber doch. Allerdings haben es die Audi-Entwickler verstanden, der braven Großserientechnik die sportlichsten Seiten abzugewinnen. Der Dank der Zielgruppe dürfte Audi sicher sein. Auch, da der "Neue", ausstattungsbereinigt, etwas günstiger ist als sein Vorgänger. Ein Schnäppchen ist er deshalb aber noch lange nicht.18.850 Euro muss man mindestens anlegen, um in den Genuss des Über-Golfs zu kommen. Allerdings verlangt Audi auch für heutzutage selbstverständliche Ausstattungsextras (Klimaanlage 1.390 Euro, Isofix-Befestigungspunkte 80 Euro) einen zusätzlichen Obolus. Schade eigentlich. Aber Golfen war ja schon immer ein teures Hobby.

Jochen Knecht
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.