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Autoklassiker: 30 Jahre Honda Accord: Evolution auf Japanisch

In diesen Tagen kommt die achte Generation des Accord zu den Honda-Händlern. Längst tritt man gegen C-Klasse, 3er oder Opel Insignia an. Begonnen hatte vor drei Jahrzehnten alles ganz anders – deutlich kleiner.

Vor genau dreißig Jahren schickte Honda seinen ersten Accord in den deutschen Markt. Wer erste und achte Generation nebeneinander stellt, der wird kaum glauben können, dass der eine vom anderen abstammt. Kämpfte die erste Generation in den 70er Jahren auf europäischem Terrain noch tapfer gegen Golf und den ein oder anderen Franzosen, so muss sich der aktuelle Accord als Limousine und Tourer eher gegen die starke europäische Mittelklasse-Konkurrenz bewähren.

Als Honda Mitte der 70er Jahre auf dem europäischen Markt Fuß fassen wollte, wurde lange darüber diskutiert, welches Modell dem wohl gewachsen sein würde. Wenn es einer packen kann, dann der Accord, war letztendlich die Entscheidung. Kompakt, gut ausgestattet und günstig wollte man den hohen Anforderungen der Europäer genügen und schickte den Accord mit durchaus bescheidenen Erwartungen los. Der Name Accord hatte dabei wenig mit der Musik zu tun. Vielmehr ging es um das tiefgreifende Verhältnis von Mensch, Fahrzeug und Gesellschaft und einem harmonischen Miteinander.

Ähnlich wie heute war der Honda Accord auch Ende der 70er in zwei Karosserie-Varianten zu bekommen. Doch ist es in der achten Generation eine dynamische Limousine und eine sportlicher Sportstourer, so startete man zunächst mit einer Fließhecklimousine und ließ für die überwiegend konservative Kundschaft kurze Zeit später eine Limousine mit Stufenheck folgen. Die hatte zwar den gleichen Radstand wie der Zweitürer, war jedoch über 20 Zentimeter länger. So war es möglich, zwei weitere Türen und den großen Kofferraum unterzubringen.

80 PS mussten erst mal reichen

Der Kunde hatte in den späten 70ern zwar die Wahl zwischen diesen zwei Karosserievarianten - aber gab es nur eine Motorversion. 1,6 Liter Hubraum und 59 kW/80 PS mussten ausreichen, um flott von A nach B zu kommen.

Die stärkeren Versionen mit 90 bzw. 95 PS blieben dem heimischen sowie dem US-Markt vorbehalten. Zudem gab es auch in Deutschland zwei Getriebeversionen. Serienmäßig waren alle Accord mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe ausgestattet. Auf Wunsch gab es eine Getriebeautomatik namens Honda-Matik, die mit ihren zwei Stufen jedoch jegliche Dynamik vermissen ließ. Erst 1979/80 bekam die Honda-Matik eine dritte Gangstufe. Doch bereits zum Deutschland-Start im Jahre 1978 galt der Honda Accord als innovatives Einsteigerauto. Die Konkurrenz hatte einen fünften Gang zumeist erst deutlich später im Angebot - und serienmäßig schon gar nicht.

Fieser Crash beim Driften

Durch sein Gewicht von rund 1,2 Tonnen und den 1,6 Liter großen Vierzylinder mit 80 PS war man flott und dynamisch unterwegs. Für 165 km/h Spitze reichte es allemal. Dynamisch sah der Honda Accord der ersten Generation auch aus. Der flache Kühlergrill mit den lichtschwachen, aber charakterstarken Doppelscheinwerfer sorgte für Eindruck im Rückspiegel. An Fensterrahmen, Türgriffen, Stoßstange und zahlreichen Designelementen gab es Chrom im Überfluss. Statt eines selbstbewussten Logos im Grill selbst ist nur ein kleines "H" auf der mittig positionierten Motorhaubenfinne zu finden.

Radiowecker im Cockpit

Der Innenraum gibt ebenfalls Zeugnis aus den Entstehungsjahren. Ein spindeldürres Kunststofflenkrad mit der Aufschrift "Power Steering" ist dabei ebenso sehenswert wie klobigen Kontrollleuchten im Armaturenbrett, Münzfächer mit der US-Aufschrift "Coin" und die Uhr von Sanky im legendären Radioweckerdesign.

Im Gegensatz zu einigen anderen Fahrzeugen verfügte der Honda Accord auch in der edlen Ausstattungsvariante EX zwar über Flockvelours-Sitze, Drehzahlmesser und Servolenkung, jedoch weder über elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung noch über von innen verstellbare Außenspiegel. Diese hielten in Europa erst bei der zweiten bzw. dritten Generation Einzug.

Größere Veränderungen gab es erst in den Jahren 1985 bis 1989. Da setzte man auf nahezu allen Märkten vordinglich auf die Limousinenvariante. Die Fließheckversion wurde um einen kleinen Sportstourer namens Aerodeck ergänzt. Für den US-Markt wurde die erste Coupévariante (98 und 120 PS) entwickelt, die dort bis heute Tradition hat.

Später Diesel

Das Motorenspektrum lag zwischen 1,6 und 2,0 Litern. Der stärkste Accord verfügte in den USA seinerzeit über 137 PS. Seinen echten Klassensprung machte der Honda Accord in der vierten Modellgeneration ab 1989. Es gab neue, vergleichweise moderne und leistungsstarke Motoren, sowie optional die aus dem Prelude bekannte Allradlenkung. Erstmals gab es nicht nur die Vierzylinder, sondern für den japanischen Heimmarkt auch eine verlängerte Version mit Fünfzylindertriebwerk.

Erst 1996 bekam ein Accord ein Diesel-Triebwerk, das damals von Rover stammte. Der erste selbst entwickelte Diesel des größten Motorenbauers der Welt war ein 2,2 Liter Commonrail-Diesel mit 103 kW/140 PS, der 2002/2003 in den Markt eingeführt wurde. Und wer die Motorenexperten von Honda kennt, der weiß: Ein Accord mit Hybridantrieb liegt nicht mehr in allzu ferner Zukunft.

Wer sich für einen alten Honda Accord der zweiten oder sogar ersten Generation interessiert, muss lange suchen. Das Angebot ist mehr als rar. Nicht zuletzt der europäische Rost ließ nur wenige Modelle aus den späten 70er und frühen 80er Jahren überleben. Wenn man dann ein Fahrzeug gefunden hat, ist es vergleichweise günstig: Gepflegte Modelle kosten zwischen 1.800 und 3.000 Euro.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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