Coupé Pro Cee'd Der sichtbare Dritte


Nach der Stufenhecklimousine und dem Kombi will Kia jetzt mit dem dreitürigen Coupé Pro Cee'd beeindrucken. Dessen Eigenschaft Nummer 1 soll Sportlichkeit sein. So sieht er aus, von außen und innen. Und manchmal fährt er auch so.
Von Sabine Franz

Was macht man, wenn Familienzuwachs ins Haus steht? Man überlegt sich einen Namen für jeden Neuankömmling. So hielt es auch die Kia-Familie, taufte den koreanischen Stammhalter und Golf-Konkurrenten Cee’d, den Zweitgeborenen Kombi Cee'd Sporty Wagen. Nur beim Nesthäckchen wollte ihnen jetzt so recht nichts einfallen. Deshalb blieb es beim sperrigen Projektnamen: Pro_Cee'd. Den Unterstrich sparen wir uns lieber und widmen uns Pro - und Contra Cee'd Nummer Drei.

Einfallsreicher als bei der Namensgebung zeigen sich die Koreaner hinsichtlich Styling und Ausstattung des Dreitürers. Dem Fünftürer gleicht er noch in Motorhaube und vorderen Kotflügeln. Ansonsten ist der Pro Cee'd optisch grundüberholt und soll besonders bei jüngeren noch kinderlosen Paaren und wieder kinderlosen älteren "Empty-Nest"-Paaren mit Sportlichkeit auftrumpfen: eine optisch tiefer gezogene Fahrzeugfront, ein flacherer Kühlergrill, geliftete Scheinwerfer, größere Nebelscheinwerfer und eine breitere und niedrigere Stoßstange - fertig ist die Coupé-Version von vorn. Insgesamt ist der Wagen drei Zentimeter niedriger, die Heckscheibe stark geneigt, die Türen sind knapp drei Zentimeter länger - das alles verstärkt den Eindruck, der Pro Cee'd sei vor allem auf der Überholspur zuhause.

Auf der Test-Rennstrecke liegt er denn auch in temporeich gefahrenen Kurven sicher in der Hand und auf der Straße. Allerdings hapert es mit der raschen Beschleunigung in den Kehren. Da braucht sowohl der kleinere 115-PS-Diesel (5-Gang-Schaltgeriebe, 188 km/h Spitze, 4,7 l durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch) als auch die 140-PS-Variante mit sechs Gängen (205 km/h Höchstgeschwindigkeit, 5,5 l Diesel auf 100 km) einen Moment zu lang, bis er in die Gänge kommt. Neben den Diesel-Motoren (beide mit Partikelfilter) bietet Kia noch zwei Benziner an: einen 1,6-Liter mit 126 PS und einen Zweiliter mit 143 PS, der geschwindigkeitstechnisch nur knapp die 200er-Marke knackt.

Bequem und Bequemlichkeit

Hinein geht’s in den Pro Cee’d komfortabel - Sportlichkeit ist keine körperliche Voraussetzung fürs Einsteigen. Die großen Türen lassen sich bis zu einem Winkel von 70 Grad öffnen - sofern es die Parksituation zulässt. Dank "Easy Entry"-Sitze, die per Handgriff nach vorne und in die Ausgangssituation zurück schwingen, gelangt man ebenso problemlos in den Fond. Selbst hier sind Bein- und Kopffreiheit mehr als ausreichend. Auch hinter dem Steuer fühlt man sich rundherum wohl, der Sitz mit breiter Sitzfläche und Rückenlehne sowie das Lenkrad lassen sich optimal einstellen. Das Radio kann man dann bequem am Volant schon mal lauter stellen: die Fahrgeräusche nämlich könnten gedämpfter sein.

Optische und qualitative Interieur-Defizite der Vergangenheit wollte man bei Kia gründlich ausmerzen. Die Operation ist gelungen, bis auf ein XS-Fach in der Mittelkonsole, dessen Klappe nach zehn Mal Öffnen wahrscheinlich den Plastikgeist aufgibt. Gewöhnungsbedürftig außerdem: Die Sitzflächen im Reifenprofil, über welche die Macher witzeln: Wer sich mit nacktem Oberkörper hineinsetzt, sieht aus, als ob ein LKW über den Rücken gefahren sei. Das Kofferraumvolumen entspricht mit 340 Litern dem des 5-Türers, bei umgeklappten Sitzen vergrößert es sich auf 1210 Liter. Im Boden befindet sich außerdem ein Fach in XL-Setzkastenformat.

Extras gleich Grundausstattung

In Sachen Ausstattung gibt’s bei Kia wie gewohnt viel fürs Geld. Drei Varianten sind im Angebot. Serienmäßig vorhanden sind u. a. EPS, sechs Airbags, aktive Kopfstützen, ein CD-Radio mit Lenkradintegrierten Bedienelementen, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, Easy-Entry-Sitzfunktion und eine Diebstahlwarnanlage. Der Einstiegspreis für den Benziner liegt bei 15.430 Euro. Der Diesel ist ab 17.655 Euro zu haben. Als Sonderausstattungen hat man - ganz nach Wohnort-Präferenz - auch die Auswahl zwischen Sommer- und Winterpaketen (u.a. Klimaanlage versus Sitzheizung und partiell beheizbare Frontscheibe). Die akustische Parkhilfe muss ebenfalls extra zahlen, wer hinten nicht gegen Autos und andere Hindernisse fahren möchte. Müßig zu erwähnen, aber auch der solide Stadtflitzer besticht wie viele seiner Generation nicht durch optische Übersichtlichkeit im Rücken.


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