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Kiaboys Viraler Trend feiert Autodiebe mit USB-Kabeln – Kia und Hyundai geraten in Erklärungsnot

Ein USB-Kabel steckt in der Zündung eines Fahrzeugs der Marke Kia
Der Tiktok-Nutzer "dh_dingers" demonstriert in einem Video, wie einfach es ist, einen Kia zu starten. Laut seiner Aussage reicht es, unter der Verkleidung ein USB-Kabel anzustecken und damit das Fahrzeug zu starten.
© https://www.tiktok.com/@dh_dingers/video/7125610552042278149
In den USA müssen Halter von Kia und Hyundai-Fahrzeugen um ihre Autos fürchten: Ein viraler Tiktok-Trend zeigt, wie einfach der Diebstahl der Fahrzeuge ist – und findet zahlreiche Nachahmer.

Ob man es nun "Kia Challenge" oder "Kia Boys" nennt, dürfte den Haltern von Fahrzeugen der Marken Kia und Hyundai herzlich egal sein – Fakt ist, dass in den USA ein Trend grassiert, bei dem es sich meist junge Männer zum Sport machen, Modelle der genannten Hersteller zu klauen – weil es so einfach ist.

Zum Autoklau reicht ein Kabel – das meist im Auto liegt

In einem Video des Youtubers "Tommy G" wird das ganze Ausmaß klar, denn es zeigt nicht nur beispielhafte Szenen, was mit den Autos nach dem erfolgreichen Diebstahl passiert, sondern auch die Methode der Diebe. Dabei reicht es bei einigen Fahrzeugen bis einschließlich Baujahr 2021 wohl aus, mit einem Schraubenzieher Teile der Verkleidung hinter dem Lenkrad zu entfernen und dann ein USB-Kabel an einem hervorstehenden Pin anzustecken.

Das, so ein weiteres Erklärvideo des Tiktok-Nutzers "dh_dingers", erlaube es, das Fahrzeug ohne Warnleuchten oder Einschränkungen zu starten. Danach, so zeigen es viele Videos und Berichte, werde so lange mit den Fahrzeugen gefahren, bis es durch die wilde Raserei zu einem Unfall kommt. Offenbar ist das Verschrotten der Autos ebenfalls Teil der "Challenge".

23 von 56 gestohlenen Fahrzeugen fielen der "Challenge" zum Opfer

Seinen Ursprung hat der fragwürdige Trend offenbar in Milwaukee, Wisconsin. Dort überlegte der Bundesstaat schon Ende 2021, ob man Kia wegen der vielen Diebstähle, Verfahren und Ermittlungen belangen könnte, berichtet "Carbuzz". Die sogenannte "Kia Challenge" scheint inzwischen aber ein nationales Phänomen in den Vereinigten Staaten zu sein. Erst vor wenigen Tage warnte die Polizei in St. Petersburg, Florida, Halter:innen eines Kias oder Hyundais, die Fahrzeuge gut abzusichern. Seit Mitte Juli seien dort 23 von 56 gestohlenen Fahrzeugen auf das Konto der beiden Marken gegangen.

Durch die Verbreitung auf Tiktok scheinen vor allem Minderjährige zu Tätern zu werden. So auch bei einer Festnahme in Volusia County, wie das "Daytona Beach New Journal" berichtet. Dort habe man drei Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren beim Klau eines Kia Soul erwischt. Sie gaben an, die Anleitung im Internet gesehen zu haben. Nur einen Tag zuvor habe man einen Kia Optima mit eingeschlagener Scheibe gefunden – ohne Täter.

Problem: Die Wegfahrsperre fehlt

Kia und Hyundai sind sich des Problems in den USA bewusst. Das Volusia Sheriff's Office veröffentlichte zwei Statements der Autohersteller auf Facebook. Kia erklärte: "Kia America ist sich des Anstiegs von Fahrzeugdiebstählen bei einer Untergruppe von Fahrzeugen der Ausstattungslinie in Ihrer Region bewusst. Ab dem aktuellen Modelljahr 2022 sind alle Kia-Fahrzeuge serienmäßig mit einer Wegfahrsperre ausgestattet." Hyundai schrieb: "Hyundai Motor America ist besorgt über den Anstieg der Autodiebstähle in der Region. Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Kunden und der Gemeinschaft ist und bleibt unsere oberste Priorität. Diese Fahrzeuge erfüllen oder übertreffen die Federal Motor Vehicle Safety Standards, und Wegfahrsperren gehören bei allen neuen Hyundai-Fahrzeugen zur Standardausrüstung."

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Und genau das ist wohl das Problem – ebenso wie die gute Nachricht für Deutschland. Denn die Technik mit dem USB-Kabel funktioniert deshalb, da in manchen Fahrzeugen keine Wegfahrsperre verbaut ist, die es verhindern würde, dass das Auto so einfach anspringt. In Deutschland müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge seit dem 1. Januar 1998 mit einer solchen Sicherheitsvorrichtung ausgestattet sein, die ersten Modelle gab es Anfang der Neunziger.

In den USA steigen hingegen die Einnahmen aus den Verkäufen von Lenkradkrallen stark an, viele Medien empfehlen die Nutzung eines solchen Schlosses für die "begehrten" Fahrzeuge.

Quellen: Twitter [1], Twitter [2], Insider, Facebook, Daytona Beach News Journal, Carbuzz


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