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Fahrbericht: Der neue Bentley Continental: Der Super-Bentley

Wer es nun noch einen Tick schneller haben will, für den legt Bentley den Continental GT3-R auf. In limitierter Auflage und mit saftigem Aufpreis. Wir waren damit ein paar Tage unterwegs.

Bentley Continental GT3-R: Der Super-Bentley
Bentley Continental GT3-R

Bentley Continental GT3-R

Der Bentley Bentley Continental GT3-R, von dem es nur 300 Exemplare geben wird, lässt einen fasziniert und ratlos zugleich zurück. Für die Rennstrecke taugt er nicht wirklich, obwohl er sich an die Rennversion des GT3 anlehnt: kein Überrollkäfig, kein renntauglichen Gurte, und immer noch viel zu viel Luxus als Ballast.

Immer noch überfrachtet

Bentley-Fahrer sollen auch in der sportlichen Version des Continental nicht auf den gewohnten Luxus verzichten müssen. Deshalb gibt es feinstes Leder, Lautsprecher mit dem Klangbild einer Konzerthalle, Navigationssystem mit Touchscreen, Tempomat, elektrisch vielfach verstellbare Sportsitze, Luftfederung, und was man eben noch so braucht.

Dass der GT3-R 100 Kilogramm weniger Gewicht auf die Waage bringt als ein Continental GT V8 S mag man gerne glauben - schließlich fehlt die Rückbank und rundum ist man von leichtem Carbon umgeben. Doch die 100 Kilo Gewichtsersparnis streicheln mehr das Ego der Bentley-Ingenieure, als dass sie auf der Straße wirklich merkbar sind.

Wie beim Start in einem Kampfjet

Dabei ist der auf 580 PS hochgepuschte GT3-R auf Beschleunigung getrimmt. Den Spurt von 0 auf 100 schafft er in denkwürdigen 3,8 Sekunden - fast so fix wie der Porsche 911 GT3. Die 8-Gang-Automatik ist ebenfalls auf Beschleunigung ausgelegt und kürzer übersetzt. Die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 273 km/h nimmt sich da fast schon bescheiden aus. Wer im GT3-R die Automatik auf Sport stellt und das Gaspedal ganz durchdrückt, der bekommt einen Anpressdruck wie beim Start in einem Kampfjet. Eine kleine Kompensation für die 337.000 US-Dollar Kaufpreis.

Ein Kunstwerk

Natürlich kann man mit dem GT3-R so unterwegs sein wie in einem Bentley üblich: ganz entspannt und fern von allem Bösen in der Welt, einfach geborgen und wie auf einem fliegenden Teppich gleitend (wenn man nicht gerade auf nordamerikanischen Nebenstraßen unterwegs ist, da hilft auch kein Bentley mehr). Er gehört zu der Sorte Autos, ach was: automobiler Kunstwerke, aus denen man gar nicht wieder aussteigen mag. Das sanfte Losfahren an der Ampel geht mit der Kraft der 580 Pferdchen genauso problemlos, wie die Kurvenjagd auf gewundenen Landstraßen: Der GT3-R ist, da muss man Bentley zustimmen, "ein Grand Tourer mit der Performance eines Racers".

Wahnwitziger Energieverbrauch

Vorne arbeitet der von zwei größeren Ladern beatmete Vier-Liter-V8, der auf 426 kW/580 PS und ein maximales Drehmoment von 700 Nm (ab 1.700 U/min.) hochgerüstet wurde. Im Euro-Mix verbraucht der GT3-R 12,7 Liter Super je 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 295 g/km entspricht.

Bentleys Allradsystem bringt die Kraft normalerweise im Verhältnis 40:60 auf die Straße und nutzt dabei erstmals Torque Vectoring: Die variabler Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern unterstützt das Lenkverhalten. Als Folge lassen sich Kurven noch präziser ansteuern und dynamischer durchfahren. Und tatsächlich läuft der GT3-R unerschütterlich und wie auf Schienen um jede Kehre. Jedes Herausbeschleunigen wird von den Titanium-Endrohren mit einem sonoren Bariton-Grollen begleitet.

Genauso schnell wie er beschleunigt, entschleunigt der Bentley. Zuständig dafür ist ein Carbon Silicon Carbide Bremssystem mit 420 mm-Scheiben vorne und 356 mm-Scheiben hinten. Die Ingenieure bei Bentley haben sich mal den Spaß gemacht und ausgerechnet, wie viel Energie bei einem einzigen Bremsen vernichtet wird: 10 Megajoule - genug, um ein Ein-Familien-Haus sechs Stunden lang mit Energie zu versorgen.

Britische Handarbeit

Die 300 Exemplare, die es vom GT3-R geben wird, entstehen alle per Handarbeit im Werk in Crewe und erhalten ihr Finish bei Bentleys Motorsport Division. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, entsprechend ist die Farbgestaltung beim ausschließlich in Weiß erhältlichen Bentley GT3-R sicher nicht jedermanns Sache.

Das "belugaschwarze" Leder ist die eine Sache, die grün leuchtenden Ziernähte und -Streifen sowie die handgearbeiteten Karbonteile überall im Innenraum die andere. Außen sind die beiden Luftauslässe auf der Motorhaube oder die schwungvollen schwarz-grünen "Power-Lines" an der Seite das Geschmachsempfinden noch in Ordnung, der Heckflügel aus Karbonfasern auf der Kofferraumklappe stört allerdings.

Wer seine Sammlung exklusiver Autos vervollständigen mag und das nötige Kleingeld hat, der gehört sicher zu der kleinen Zielgruppe, die Bentley für den GT3-R ausgemacht hat. Uns anderen dürfte ein ganz normaler Bentley Continental GT V8 S schon reichen.

Press-Inform
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.