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Fahrversuch Mini E: Ein freudloses Fahrerlebnis

Alle schwärmen vom elektrischen Fahren, aber nicht stern-Redakteur Dirk Liedtke. Er durfte das Elektroauto Mini E ausprobieren. Anstatt die Freude am Fahren zu genießen, saß ihm die Sorge um die verbleibende Reichweite im Nacken.

Autofahren? Klar, kann ich. Dachte ich. Schließlich habe ich den Führerschein seit 26 Jahren. Aber in diesem Auto - es ist der Mini E - muss ich das Fahren in Teilen neu lernen. Zu kaufen gibt es ihn vorerst nicht. Derzeit wird er in einem Großversuch in Berlin erprobt. 500 Menschen dürfen ihn gegen eine Leasinggebühr von 400 Euro im Monat einige Zeit fahren. Ich habe den Wagen zwei Tage, und bin damit im Großraum München unterwegs.

Am wenigsten überraschend ist, dass das kleine Elektroauto im Moment des Gasgebens ohne Ruckeln, Schalten oder automatischen Gangwechsel los saust. Ich weiß, dass sich Elektroautos so verhalten und bin darauf eingestellt. Ganz anders hingegen ist es, wenn ich den Fuß vom Gas nehme. Man erschrickt fast, so abrupt bremst der dann stromlose Elektromotor den Vorwärtsdrang. Es braucht ein paar Stunden, um dieses Mitbremsen des Elektromotors nicht mehr als merkwürdig einzuordnen. Schließlich erzeugt das Gaswegnehmen bei dem Wagen den gleichen Effekt wie mittelstarkes Bremsen bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Damit der Hintermann den deutlichen Bremseffekt auch bemerkt, gehen während dieses Vorgangs am Elektro-Mini automatisch die Bremslichter an. Auch beim Beschleunigen gibt es eine Überraschung. Damit ist nicht so sehr der Sprint von null auf 100 km/h gemeint, der laut Werksangabe in 8,5 Sekunden zu schaffen ist. Es geht vielmehr um all zu flottes Überholen auf der Autobahn. In diesem Fall auf dem Autobahnring der Bayern-Metropole. Beim Kickdown, wenn also das Gaspedal blitzschnell runter getreten wird, signalisiert sogleich eine gelbe Warnlampe, dass die Batterie dadurch zu stark aufgeheizt wird. Und die Motorleistung wird automatisch abgeregelt.

Reichweite je nach Jahreszeit

Also zügle ich meinen rechten Fuß, versuche flüssig und sanft im Verkehr mitzuschwimmen. Außerdem: Bei höchstens 152 km/h ist ohnehin Schluss. Später, auf der Landstraße, laufe ich auf einen langsam fahrenden Schulbus auf. Was tun? Hinterherzuckeln oder flugs überholen? Ich mache letzteres und erwarte das Aufleuchten der gelben Warnlampe. Das bleibt jedoch aus. Vermutlich, weil ich das Gaspedal beim Überholen nicht ganz so beherzt durchgetreten habe wie vorhin. Dennoch verspüre ich als leichte Gewissensbisse und frage mich: Wie viel Reichweite ich dadurch wohl verballert habe?

Der Bordcomputer verrät mir ungewohnte Daten. Zum Beispiel die Temperatur der Batterieeinheit (19 Grad plus) oder den momentanen Verbrauch (43 Ampèrestunden auf 100 Kilometer). Das Fahrlicht ist an. Aber die Klimaanlage habe ich gar nicht erst eingeschaltet, um den Stromverbrauch niedrig zu halten. Die Heizung aber schon, es ist an diesem Morgen noch ziemlich frisch. Und das Gebläse läuft, damit die warme Luft ständig meine kalten Beine umweht. Allerdings: Das kostet Strom, haut die Reichweite sicher wieder runter. Nach einiger Zeit habe ich raus, wie man mit dem Auto bremsen kann, ohne die Bremse auch nur an zu tippen. Ein paar Mal schaffe ich es sogar, den Mini an roten Ampeln hinter dem Vordermann zum Stehen zu bringen, ohne das Bremspedal berührt zu haben. Kaum zu glauben. Klappt aber. Dem Elektromotor sei Dank.

Auf der ersten Etappe zeigt mir das Batteriedisplay nach 27 Kilometern, dass noch 81 Prozent der Stromleistung vorhanden ist. Das entspricht einer Reichweite von noch 150 Kilometern. Bei warmem Wetter. Jetzt, im Winter, sind es bloß noch 100 Kilometern.

Wenig Raum, viel Transportgewicht

Auf den ersten Blick könnte man sagen: Das ist nicht wirklich viel. Jedoch fährt der durchschnittliche deutsche Autofahrer am Tag nicht mehr als etwa 60 Kilometer. Eigentlich müsste die Stromkapazität also dicke reichen. Doch wenn Licht, heizbare Heckscheibe, Heizung, Gebläse, Klimaanlage und auch die Musikanlage eingeschaltet sind, dann geht die Leistung rasch in die Knie. Andererseits hat die riesige Anzeige über die Batteriekapazität auch einen disziplinierenden Effekt. Der Zeiger scheint sich so schnell zu bewegen, dass mein höchstes Ziel nicht Fahrfreude, sondern Sparfreude ist - was allerdings längst nicht immer gelingt.

Anders verhält es sich mit der kleinen Power-Anzeige, die mir sagt, ob ich sparsam oder stromfressend fahre. Sie ist nicht nur viel zu klein, um sie ernst zu nehmen, sie ist auch zu weit aus dem Blickfeld, als dass sie einen Disziplinierungseffekt haben könnte. Außerdem ist die einfarbige Anzeige nicht schlüssig: Grün für sparsam und rot für verschwenderisch wäre besser.

Das Fahren mit dem E-Mini hat etwas davon, alkoholfreies Bier zu trinken: Man fährt zwar, aber irgendwie traut man sich doch nicht richtig. Leicht paranoid schaut man ständig auf den Ladezustand der Batterie. Obendrein ist vom Go-Kart-Feeling der Benzinversion in dem Elektro-Mini kaum etwas zu spüren. Spritziges Kurvenfahren? Kann man vergessen. Das verhindert der massige Batterieblock, der dort platziert wurde, wo normalerweise die Rücksitze sind. Mit zwei Leuten besetzt, kommen schnell 1,5 Tonnen zusammen, die bewegt werden wollen.

Als der Bordcomputer am zweiten Tag nach dem nächtlichen Aufladen und einer längeren gemischten Fahrt durch die Stadt, über Landstraßen und Autobahnen einen Ladezustand von 30 Prozent signalisiert, ertönt ein Warnsignal. Verbleibende Reichweite: 43 Kilometer. Viele Schlenker durch die Landschaft sind jetzt nicht mehr drin.

Der Charakter des Wagens treibt mir die Lust am Tempo, die Freude am Fahren aus. Nach der Erfahrung würde ich nie auf die Idee kommen, damit ins Blaue zu fahren. Stattdessen würde ich immer vor Fahrtbeginn überschlagen, wie ich von A nach B und wieder zurück nach A käme, ohne dass mir der Saft ausgeht. Denn einfach Auftanken in wenigen Minuten wie bei einem Benzin- oder Dieselmotor geht ja nicht.

Fazit: Das Auto ist mir nach zwei Tagen Testfahrt nicht ans Herz gewachsen. Stets fährt die Sorge mit, dass gleich die Batterie schlapp macht. Es hat die Karosserie eines Viersitzers, so wenig Sitzplätze wie ein Smart, kaum mehr Stauraum. Das kann nicht das Auto der Zukunft sein.

Dirk Liedtke

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.