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Hintergrund: Modellautos für die IAA: Die Zwergen-IAA

Nicht nur die Autofirmen, auch Modellauto-Hersteller bereiten sich auf die IAA vor. Die Entwicklung erfolgt manchmal parallel zu den echten Autos – mit Geheimhaltungspflicht und Konventionalstrafen in zweistelliger Millionenhöhe.

Die Internationale Automobil-Ausstellung wirft ihre Schatten voraus. Dutzende Neuheiten und Weltpremieren warten auf die Autofans. Doch während die Ausstellungsstücke mit Flugzeugen oder LKWs nach Frankfurt verfrachtet werden, würde für die Premieren von Herpa schon ein Karton auf dem Rücksitz reichen. Die Firma aus Dietenhofen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Modellautos im Mini-Maßstab 1:87. Das sind die passenden Autos zur Modelleisenbahn Spur HO. Pro Jahr rollen bei Herpa rund vier Millionen Miniaturen "vom Band".

Die Plastikautos sind so klein, dass drei PKW-Modelle auf einer Kreditkarte parken könnten. Trotzdem ist so ein Winzling ziemlich komplex aufgebaut. "Das Modell des aktuell auf der IAA vorgestellten BMW M3 Coupé besteht aus über 20 Teilen", sagt Daniel Stiegler von Herpa. Auch die IAA-Premieren Audi A4 und Audi A5, BMW 1er Coupé und der Mini Cooper Clubman wurden vorab für die Automobilhersteller produziert. "Wir erhalten vor Veröffentlichung des 1:1-Modells die kompletten Daten des Fahrzeugs - natürlich unter strengster Geheimhaltung - und arbeiten es auf den Maßstab 1:87 um", erläutert Stiegler.

Dabei werden manche Fahrzeugteile stark überbetont, um sie im winzigen Format überhaupt abbilden zu können. Die Modell-Scheibenwischer zum Beispiel wären extrem klobig, wenn man sie wieder in den Maßstab 1:1 umwandeln würde.

So zeitaufwändig wie die Konstruktion eines echten Autos ist die Geburt der Plastik-Flitzer natürlich nicht. Doch auch Modellauto-Ingenieure bedienen sich neuester Computer-Technik, um die großen Vorbilder originalgetreu auf die winzigen Räder zu stellen. "Vom Erhalt der ersten Unterlagen und Fotos bis zum fertigen Modell vergehen mehrere Monate", sagt Daniel Stiegler.

Noch länger dauert der Prozess bei größeren Modellen. Die Firma Minichamps aus Aachen ist der wichtigste Global Player bei den Maßstäben 1:43 und 1:18. In den 70er Jahren begann der Unternehmer Paul G. Lang damit, Zinn-Modellbausätze aus England zu importieren, und gründete die Firma Paul´s Model Art. Die heißt heute Minichamps und exportiert in 50 Länder.

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Jede Woche kommen elf neue Modelle auf den Markt, produziert wird in China. Ein 1:43-Modell (etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel) besteht aus bis zu 60 Teilen, ein 1:18er bringt es auf 400 Teile. Viele Autohersteller geben Minichamps schon parallel zur Entwicklung der echten Autos den Auftrag, die Neuheiten in originalgetreue Modelle umzusetzen.

Auch bei Herpa spielen Industrieaufträge eine große Rolle. Neben Herstellern wie BMW, Mercedes oder Audi zählen Speditionen oder Werbeagenturen zu den Kunden.

Bei der Neuheitenflut, die die IAA mit sich bringt, hat Herpa derzeit alle Hände voll zu tun. Die Geheimhaltungspflicht ist dabei für alle Mitarbeiter oberstes Gebot – genau wie bei den großen Autoherstellern. "Es gibt zum Teil Vertragsstrafen im zweistelligen Millionenbereich", sagt Herpa-Sprecher Stiegler. Ein Verstoß gegen die Geheimhaltungspflicht würde Herpa erheblich in die Bredouille bringen: "Sie können sich vorstellen, dass das fast das Ende des Unternehmens bedeuten würde." Im vergangenen Jahr erzielte Herpa einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

Während es bei Entwicklung und Geheimhaltung durchaus Parallelen zu den großen Autoherstellern gibt, fallen die Premieren der Miniatur-Neuheiten dagegen ziemlich bescheiden aus: Keine großen Enthüllungs-Shows und keine leichtbekleideten Hostessen, die unter dem Blitzlichtgewitter der Weltpresse die roten Tücher von den neuen Autoträumen ziehen. Aber immerhin: "Es gibt bei uns keine Feierstunde mit Sekt - aber ein tolles Gefühl für die Kollegen, wenn der Kunde die ersten Muster entgegennimmt und begeistert ist", sagt Daniel Stiegler.

Pressinform / PRESSINFORM

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