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Honda Civic: Ein radikaler Typ

Jetzt aber: Um den Absatz des Civic endlich anzukurbeln, setzt Honda beim neuen Modell auf extremes Design - innen wie außen.

Große Worte, der Mann ist kaum zu bremsen. Vom "Beginn einer neuen Epoche" spricht Pressemann Alexander Heintzel bei der Vorstellung des neuen Honda Civic, von einem "Meilenstein", und kommt zu dem Schluss, der "Civic ist wieder zurück".

Ja, wo war er denn hin? Abgetaucht in die unteren Regionen der Zulassungsstatistik. Das Kompaktmodell, das nach nur gut vier Jahren auf dem Markt im Januar einen Nachfolger bekommt, dümpelte zuletzt bei rund 1000 Zulassungen monatlich - viel zu wenig für einen etablierten Hersteller. Beim Platzhirsch VW Golf sind es 20-mal so viele, beim direkten japanischen Konkurrenten Toyota Corolla immerhin dreimal so viele Autos im Monat. Dass der Honda ein Ladenhüter war, lag vor allem an seinem langweiligen Design. Das neue Modell wurde deshalb komplett auf Hingucker getrimmt. So modern sieht kaum ein anderes aus. Der stern hat den neuen Civic gefahren.

Glanz & Gloria: hui. Die vorn und hinten steil abfallende Karosserie erinnert an eine überdimensionierte Computermaus. Dazu tragen auch die transparenten Bänder bei, sowohl zwischen den Scheinwerfern am Bug als auch zwischen den Rückleuchten.

Im Cockpit hätte Captain Fu-ture seine helle Freude. Die blau schimmernden Instrumente sind auf verschiedenen Ebenen angeordnet, der digital anzeigende Tacho sitzt, wie auch der Bildschirm des Navigationsgerätes, nahe an der Windschutzscheibe. Doch trotz der ungewohnten Optik findet man sich mit der Bedienung schnell zurecht. Allerdings ist die Karosserie von innen her nicht sehr übersichtlich, vor allem beim Blick in den Innenspiegel behindert der Heckspoiler die Sicht nach hinten.

Irrsinniges Überholmanöver

Gas & Spass:

sportlich. Wer angesichts der Raumgleiter-Optik eine schwebende Sänfte erwartet, liegt falsch. Der Civic ist mit seiner direkten Lenkung, der straffen Federung und dem gutem Seitenhalt der Vordersitze vielmehr ein verkappter Sportflitzer. Das bestätigt sich gleich nach dem Druck auf den roten Anlasserknopf. Der 1,8-Liter-Benziner kommt schön drehfreudig daher, der gleich starke 2,2-Liter-Diesel (140 PS) bietet einen ordentlichen Durchzug. Die Basisversion (1,4-Liter-Benziner mit 83 PS) stand zwar zum Test noch nicht zur Verfügung, aber die Verbrauchswerte gibt's immerhin schon. Sie liegen, wie die der stärkeren Versionen auch, zum Teil deutlich unter denen der Konkurrenz.

Gleiten & Geniessen: geht so. Etwas mehr Komfort hätte nicht geschadet. Vor allem auf kurzen Bodenwellen und Gullydeckeln ist das Fahrwerk zu holperig.

Kind & Kegel:

okay. Das Raumangebot für die hinten sitzenden Passagiere ist knapp, der Kofferraum mit 456 Liter Volumen allerdings üppig bemessen. Sehr praktisch: der einfach zu bedienende Faltmechanismus für die Rückbank. Weil die Sitzfläche sich wegklappen lässt, können beispielsweise große Blumentöpfe direkt auf den Wagenboden hinter die Vordersitze gestellt werden.

Fazit:

Extreme Optik kombiniert mit spritzigen, aber sparsamen Motoren.

Frank Jansen / print
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