Honda Jazz Mobiler Raumgestalter


Ein optischer Hingucker ist der Honda Jazz sicher nicht. Ganz im Gegensatz zu dem klangvoll lässigen Namen bedient der kleine Japaner eher rationale denn emotionale Bedürfnisse. Seine Vorzüge zeigt er erst bei genauerem Hinsehen. Davon gibt’s dann aber reichlich.
Von Frank Wald

Es gibt Autos, die gefallen auf Anhieb, weniger durch ihr aufregendes Blechkleid als vielmehr durch ihre inneren Werte. Weil diese aber ihrer Definition gemäß nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, muss man auch beim neuen Honda Jazz schon etwas genauer hinsehen, um die praktischen Vorzüge zu sehen. Vor sieben Jahren war der van-förmig geschnittene Kleinwagen in Deutschland erstmals erschienen, Schon damals keine Design-Offenbarung, aber mit seinen kompakten Ausmaßen und dem Ladevolumen eines Golf (350 Liter) fand der Jazz in Deutschland viele Fans. Seit 2001 wurden 93 000 Modelle verkauft. Und offenbar geht er immer noch. Honda Deutschland-Sprecher Alexander Heintzel: "Ich habe Händler, die auch jetzt noch unverändert die letzten Exemplare ordern".

Die zweite Generation, die in Japan schon seit einem Jahr verkauft wird, ist nun um ganze 5,5 Zentimeter auf 3,90 Meter gestreckt, blieb in Höhe und Breite aber nahezu identisch. Damit bewegt sich der Jazz zwischen Corsa, Clio & Co und den Hochdach-Versionen Opel Meriva, Nissan Note oder Renault Modus. Zumindest, wenn es darum geht Mensch oder Material zu transportieren. Der Fahrgastraum wurde weiter nach vorn verlegt, wodurch Fahrer und Beifahrer eine bessere Übersicht genießen, und der Kofferraum fasst nun knapp 400 Liter. Was den neuen Jazz aber vor allem auszeichnet, ist die Art und Weise, wie das Gestühl hin und her, rauf und runter bewegt werden kann.

Schön unspektakulär

Tatsächlich ist der Innenraum - und diesmal auch von "Links-Händern" und Falsch-Fingernagelträgerinnen - mit einfachen Handgriffen vom geräumigen Fünfsitzer zum Lieferwagen für alle Lebenslagen umbaubar. Weil bei der Neuauflage die Kopfstützen nicht umständlich raus gefummelt werden müssen, fallen die Rücksitzlehnen mit einem Fingertipp nach vorne zu einer topfebenen Ladefläche, auf der sich dachhoch 1400 Liter stapeln lassen. Kippt dann noch der Beifahrersitzlehne nach vorn, passen auch Billy-Regale oder Surfbretter bis 2,40 Meter hinein. Oder man klappt die Sitzflächen der teilbaren Rücksitzbank nach oben und stellt zwei 26er-Fahrräder - ohne Demontage der Vorderräder - oder die Yucca-Palme hinein. Dazu gibt es Ablagen und "Geheimfächer" (Rücksitz, unten links), zehn Cupholder und bei den stärkeren Versionen eine zweite Ebene im Kofferraum.

Das Cockpit wurde mit einem dreigeteilten Kombiinstrument mit permanenter Hintergrundbeleuchtung aufgehübscht. Serie neben dem hoch und längs verstellbaren Lenkrad ist der so genannte "Soft-Touch-Blinker", der nach kurzem Antippen dreimal blinkt, und ein Multifunktionsdisplay. Mehr Sicht nach vorn geben die schmaleren A-Säulen, die größeren Dreiecksfenster und die hohe Sitzposition. So unspektakulär wie er aussieht, fährt sich der Jazz. Der auf 2,50 Meter vergrößerte Radstand und die breitere Spur geben dem Wagen mehr Laufkomfort und besseren Halt auf Asphalt. Auch Kurven meistert er kontrolliert und genügsam, die Sitze dürften jedoch mehr Seitenhalt bieten.

Vorbildliche serienmäßige Sicherheitsausrüstung

Allzu schnell wird es aber ohnehin nicht. Zwei Benziner mit 90 und 100 PS gibt es, wobei der kleine 1,2-Liter völlig ausreicht. Auch wenn er mit 12,6 Sekunden für den Standardsprint eine Sekunde länger braucht als der 1,4-Liter und auch mit 177 km/h Spitze fünf Kilometer langsamer ist, sind die Daten vielleicht noch fürs Auto-Quartett interessant. Auf der Straße ähneln sich die beiden wir die Werte ihres Durchschnittsverbrauchs. Der kleine Benziner soll sich mit 5,3 Liter (125 g CO2/km) zufrieden geben, der "große" braucht mit 5,4 Liter (128 g/km) im EU-Durchschnitt einen Tropfen mehr. Wobei sich dieser wieder einsparen ließe, führe man mit dem neuen automatisierten 6-Gang-Schaltgetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad. Die 1100 Euro Aufpreis (im Paket mit einer Berganfahrhilfe) kann man sich jedoch guten Gewissen sparen. Zwar ist alles besser als das bisherige stufenlose "Gummiband"-CVT-Getriebe, doch auch das so geannte "i-Shift" reagiert zu oft zu teigig und zu träge, so dass aus den 100 PS Leistung schnell gefühlte 70 zurück bleiben.

Vorbildlich ist die serienmäßige Sicherheitsausrüstung. Ab Werk fahren alle Jazz mit Front-, Seiten- und Kopfairbags, aktiven Kopfstützen, Gurtwarner für alle Plätze und - bisher nur im Mazda 2 zu haben - der elektronischen Schleuderbremse ESP. Dafür ist der Einstieg mit mindestens 12.550 Euro für den 1,2-Liter jetzt rund 1000 Euro teurer als beim Vorgänger, der 1,4-Liter ist ab 15.950 Euro zu haben. Seine europäische Premiere erlebt der neue Jazz auf dem Pariser Autosalon Anfang Oktober, beim deutschen Händler steht er dann ab November.


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