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Hyundai Terracan: Von altem Schrot und Korn

Soft-Offroader und Pseudo-SUVs mit kümmerlichem oder ganz kastriertem Vierradantrieb haben Konjunktur. Aber geht auch anders: Mit dem Terracan hat Hyundai einen Geländeburschen von altem Schrot und Korn und zu attraktiven Preisen im Programm.

Soft-Offroader und Pseudo-SUVs mit kümmerlichem oder ganz kastriertem Vierradantrieb haben Konjunktur. Ihre Zielgruppe wünscht die fette Optik eines Wagens, der den Amazonas bezwingen kann. Dann lassen sie den Poser aber höchstens einmal auf dem handtuchgroßen Rasenstück vor dem Reihenhaus seine Geländeübungen durchführen. Für solche Kunden hat Hyundai sogar SUVs ohne Vierradantrieb in den Läden stehen. Es geht auch anders: Mit dem Terracan bietet Hyundai eine Geländeburschen von altem Schrot und Korn und zu attraktiven Preisen an.

Könnten Sie sich mit diesem Offroader anfreunden?

Wuchtgeschoss

Dieser Hyundai sieht richtig Klasse aus, nämlich so, wie man sich einen Geländewagen mit Nutzqualitäten vorstellt: groß, kantig und gewaltig. Rundum wölbt sich der Aufprallschutz um das Fahrzeug, die Formen sind nicht von der koreanischen Vorliebe für Blechbarock befallen, hier herrscht das Diktat der geraden Linie. Und das gefällt so sehr, das selbst die Hutze auf der Fronthaube nicht wirklich negativ auffällt. Aufrecht stemmt sich die Frontscheibe Wind und Wetter entgegen. Die Front wird durch die großen Scheinwerfer und den Grill dominiert. Der ganze Wagen signalisiert: Ich bin kein Spielzeug. Die Anmutung von Pferdestall-Atmosphäre lässt man dem rauen Burschen gern durchgehen.

Die Reifen wölben sich gewaltig, dazu kommt die achtbare Bodenfreiheit, der Einstieg in den Terracan ist also zunächst ein Aufstieg. Innen punktet der Terracan mit großem Raumgefühl und solider Verarbeitung. Über das triste Korea-Grau und den peinlichen Holzimitat-Look muss man hinwegsehen. Dafür fasst sich das Holzlenkrad der gehobenen GLS-Ausstattung (30.999 Euro) fest und angenehm an. Die Rückbank lässt sich einfach geteilt umlegen und sogar hochklappen. Stauraum ist in jedem Fall ausreichend vorhanden. Wer bereit ist, bis an die Decke zu stapeln, wird kaum jemals die Rückbank wegklappen müssen. Die Sitze bieten guten Halt, um die Kurven krachen sollte der Terracan ohnehin nicht. Fazit: Für diesen Preis wird man prächtig beherbergt. Luxus-Verhältnisse wie in der neuen M-Klasse findet man natürlich nicht vor.

Fahren mit der Dampfwalze

Für jeden Insassen gibt es einen extra Haltegriff, und der wird auch benötigt. Gleitender Fahrkomfort wie im PKW ist nämlich nicht vorgesehen. Blattfedern hinten bietet eben keine elegante Dämpfung. Im Geradeauslauf walzt der Terracan einfach alles nieder und nimmt jede Welle mit. Das Fahrzeug schaukelt und schwankt schon im Bereich der City-Geschwindigkeiten wie ein Dromedar.

Vorteil: Chronisch schlechte Straßen fallen nicht weiter negativ auf, auch sie nimmt der Wagen klaglos hin. Komischerweise fällt der fehlende Komfort nicht lange auf, relativ schnell gewöhnt man sich an die rustikale Fortbewegungsweise. Weder Citytouren noch lange Autobahnfahrten strapazieren den Fahrer über die Maßen.

Mit dem 2,9 CRDi Diesel hat der Wagen nach Hyundai-Maßstäben einen famosen Motor mit an Bord. Kraft gibt es in Hülle und Fülle. Der Wagen beschleunigt, wie man es wünscht, ein Leistungsdefizit ist nicht zu spüren. Die Bullenstärke führt zu einem der objektiven Hauptvorteile des Offroaders, er kann Lasten an den Haken nehmen wie kaum ein zweiter. 3.500 Kilogramm dürften Marktbeschicker, Schausteller und Reiter gleichermaßen begeistern. Bis 140 Stundenkilometer fährt es sich auf der Autobahn ausgesprochen angenehm, darüber hinaus wird es dann sehr laut, auch genehmigt sich das Triebwerk bei Topspeed einen gehörigen Schluck extra. Angesichts der "schnittigen" Form kann das nicht verwundern. Mit 14 Litern Diesel muss maximal gerechnet werden. Ansonsten blieb der Terracan in der Praxis stets unter der 11 Liter Marke, für ein Fahrzeug mit über zwei Tonnen Gewicht eine achtbare Leistung. Der genormte Mixverbrauch liegt bei 8,7 Litern. Dieses Kunststück gelingt, weil der Terracan im Normalfall nur über die Hinterräder angetrieben wird. Allradantrieb und Geländeuntersetzung müssen manuell hinzugeschaltet werden. Als echte Wermutstropfen stoßen die Euro-3-Einstufung und der fehlende Partikelfilter bitter auf.

Gelände inklusive

Mit teilsperrendem Hinterachsdifferential und Geländeuntersetzung schluckt der Terracan einiges an Unebenheiten. Da der Oldie gänzlich ohne Elektronik auskommen muss, kann er mit den Neuentwicklungen, die eine Geländefahrt elektronisch austarieren, nicht mithalten. Ohne entsprechende Überwachung von Traktion und Drehverhalten bleibt es dem Können des Fahrers überlassen, ein eventuelles Eingraben und andere Kalamitäten zu kontrollieren. Ernsthafte Geländekonkurrenz für einen Grand Cherokee kann der Terracan daher nicht bieten, das muss er für seinen Preis aber auch nicht.

Für die Harten

Ein echtes Manko ist - man kann es nicht verschweigen - die Sicherheitsausstattung. Der alte Schroter bietet lediglich Sicherheitsgurte und zwei (!) Airbags, ein ESP ist auch nicht gegen Aufpreis erhältlich. Dabei täte eine elektronische Fahrhilfe durchaus Not. Beim Bremsen in abfallenden Kurven oder beim Verreißen der Lenkung entwickelt der sonst recht gutmütige Brummbär nämlich Biss und Tücke. In einer Notsituation wird man echte Probleme haben, das Schlimmste zu vermeiden.

"Viel Auto fürs Geld"

Sicher er ist nicht der Modernste und nicht der Schönste, doch kaum ein Wagen erfüllt den Claim der Marke "Viel Auto fürs Geld" zutreffender als der Terracan. Für ein noch erschwingliches Budget steht ein komplett ausgestatteter Wagen vor der Tür, der sowohl alltags- wie auch reisetauglich ist. Dazu gibt es eine fast unbegrenzte Zugkraft und mehr als nur achtbare Offroadfähigkeiten. Besonders gefiel: Der Terracan besitzt Charakter, wer seinem brummigen Charme erliegt, stört sich nicht weiter an den kleineren Schönheitsfehlern

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.